Zwischen Lust und Frust – Ernährung in den ersten Lebensjahren

Wohl alle Eltern werden das Problem täglich kennen, denn hält man sich (zu verkrampft) an diverse Ernährungsratgeber und Empfehlungen,  kann das tägliche Essen schnell zur frustigen Angelegenheit werden. Das muss es aber gar nicht, wenn man alles etwas locker und entspannt angeht und dabei sowohl auf sein Baby, als auch auf das eigene Bauchgefühl hört.
Eine kleine Übersicht gibt es jetzt – gespickt mit ganz vielen eigenen Erfahrungen.

Stillen / Flaschennahrung / Einführung von Beikost

Ein großes Thema, das ich trotzdem nur ganz kurz anreißen möchte.
Grundsätzlich muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er sein Kind stillen möchte oder nicht. Ich würde mir nie anmaßen, jemanden zu verurteilen, nur weil er nicht stillt, sondern die Flasche gibt. So etwas tue ich nur bei Eltern, die einem 2 Monate altem Säugling abends 2 EL Kinder-Gries in die Flasche mischen, damit er die ganze Nacht durchschläft (hatten wir tatsächlich im Bekanntenkreis).

Schon seit einiger Zeit gibt es neue Empfehlungen, was die Einführung von Beikost angeht. Geblieben ist die Startzeit – die sollte zwischen dem 5. und spät. 7. Lebensmonat liegen. Neu ist, dass man allergieauslösende Nahrungsmittel nicht mehr verteufeult und ganz normal füttern sollte. Wer im wöchentlichen Rhythmus jeweils eine neue Zutat einführt, kann so eventuelle Unverträglichkeiten sehr einfach und schnell feststellen.
Im Idealfall sollte neben der Beikost immer noch Muttermilch gegeben werden, da sie zum Beispiel den Darm mit einer Schutzschicht versieht, die dafür sorgt, dass Lebensmittel besser vertragen werden.

Eine sehr schöne Übersicht mit sehr vielen Antworten rund um das Thema Beikosteinführung findet ihr zum Beispiel hier bei der Zeitschrift „Eltern“.

Brei

Nahrung ja – aber in welcher Form?

Wie beim Stillen scheiden sich auch hier die Geister. Die einen sagen, dass Brei das einzig Wahre ist, die anderen schwören auf BLW (Baby-led-weaning) und geben ihrem Baby direkt weich gekochtes Fingerfood in die Hand. Auch hier liegt die Wahrheit wohl irgendwo dazwischen und wahrscheinlich ist die ideale Mischung ein Mittelmaß beider Dinge.

Ich habe mich schon 2009 beim ersten Kind entschieden, selbst Brei zu kochen und dann einzufrieren. Ich hatte ein tolles Breikochbuch (heißt auch so), in dem ein Plan zur Vorratshaltung stand. So kochte ich ein Mal pro Woche, pürierte und fror ein. Täglich nahm ich nur noch einen Becher raus und war doch sehr glücklich damit.
Beim kleinen Bruder jetzt entschied ich mich für den gleichen, klassischen Weg. Anders war diesmal allerdings das Startgemüse, denn nachdem alle immer auf Pastinaken pochten,  versuchte ich es auch. Das Ergebnis war ernüchternd, denn der kleine Mann spuckte sie umgehend wieder aus. Ich hatte vorher noch nie welche gegessen, fand sie aber auch nicht viel besser als mein Sohn. Also starteten wir doch wieder mit Möhren und wir beide waren glücklich. Nach und nach und vor allem in unserem eigenen Tempo führten wie mehr und mehr Lebensmittel ein, ließen uns dabei aber viel Zeit. So gab es auch Tage, an denen es keinen Mittagsbrei gab, weil vielleicht keine Zeit oder aber der kleine Mann einfach keine Lust hatte. Dann bekam er halt Muttermilch und es war auch ok.

Laut meinem Breikochbuch soll man ab dem 8. Monat anfangen, alles nicht mehr so fein zu pürieren. Klappte beim Großen prima, beim Kleinen überhaupt nicht. Warum auch immer, aber er konnte mit kleinen Stückchen im Essen nichts anfangen, egal wie weich sie waren. Ständig rang er nach Luft, so dass ich ihm dann doch immer wieder alles fein pürierte. Erst mit Ende des 10. oder Mitte 11. Monats bekam er ein ganz klein wenig stückige Nahrung, die er auch tolerierte, ohne gleich fast zu ersticken.

Von Sitzpositionen, Löffeln und Beschäftigung beim Essen

Beginnt man mit der Beikost, ist immer eine große Frage, wie man denn bitte sein Kind hält, während man es füttert. Die Methode, es auf dem Schoß zu halten und gleichzeitig zu füttern, klappte damals schon beim Großen nicht mal ansatzweise, so dass ich es diesmal erst gar nicht mehr versuchte. Sehr bewährt hat sich dagegen bei uns der Autositz. Der wurde auf den Tisch gestellt und mit einem Badetuch komplett abgedeckt, dann wurde das Kind mit umgebundenem Latz hineingesetzt und bekam noch eine Stoffwindel auf den Schoß. Das klingt sicher total übertrieben, aber ich gebe zu – ich war faul. Ich hatte einfach keine Lust, mein Kind täglich nach dem Essen (später ja dann mehrmals pro Tag) komplett neu einzukleiden. Und gerade wenn ein Baby in der Babyschale liegt, geht schnell mal etwas daneben.
Ein paar Wochen später hatte er bei jedem Essen je einen Löffel in jeder Hand. Er fand es toll, fütterte sich immer wieder selbst, auch wenn die Löffel leer waren und aß in aller Ruhe und ohne Gezeter. Ab und zu musste mein Löffel fliegen oder rumspielen, aber diese Phase hat wohl jedes Kind mal.
Später fanden wir heraus, dass die Babyschale perfekt quer auf den Stubenwagen passte und so konnte der Kleine dann bei jedem Essen über uns und den Tisch wachen. Inzwischen sitzt er schon seit mehreren Wochen am Tisch und mag überhaupt keinen Brei mehr. Er stopft Toast, Nudeln, Würstchen und alles andere in sich rein, Hauptsache es hat keine breiförmige Konsistenz. Der Übergang war bei ihm recht drastisch, denn praktisch mit Ende der Babyschale konnte er plötzlich auch Kauen, ohne sich zu verschlucken.

Von Lust und Frust beim Essen

Und was koche ich heute? Täglich frage ich mich das und plane oft relativ spontan. In den vergangenen Jahren zeigte sich immer wieder, dass die einfachen Dinge oft die besten sind. Heute gab es Putenstückchen gebraten mit einer Soße aus gewürzten Pizzatomaten aus der Dose und dazu Ebly. Schnell gemacht, unglaublich lecker und simpel – der kleine Mann liebte es. Meinem großen Sohn bräuchte ich dagegen nur Nudeln und „Puderzuckerkäse“ (den Hartkäse aus der Dose) vorsetzen und er wäre glücklich. Eine Soße würde er sowieso nicht essen.

Natürlich achte ich beim Essen darauf, dass wir ausgewogen essen. Trotzdem darf der Große (später natürlich auch der Kleine) seine Wünsche äußern, auch wenn ich sie schon kenne: Nudeln, egal in welcher Form. Trotzdem ißt er aber mehr oder weniger gut mit, auch wenn es keine Nudeln gibt. Er wird nicht gezwungen, etwas zu essen, bekommt aber auch keine Ausnahmen. Die mache ich nur, wenn ich schon vorher genau weiß, dass er etwas überhaupt nicht mag und das ist extrem selten. Ich weiß aber, dass er seine Tage hat, an denen er kein Fleisch essen mag und wieder andere Tage, an denen er fast nur Fleisch in sich reinschaufelt. Ist halt so – warum soll ich ihm und mir Stress machen und ihn zwingen, dass er alles ißt? Das artet nur in einen Trotzanfall aus, der uns beiden nichts bringt.
Warum dem Baby langweiligen Brei reinzwingen? Seid kreativ und mixt querbeet durch das Obst- und Gemüseregal. Hier immer noch sehr beliebt zum Beispiel Möhre, Mango, Süßkartoffel und Lamm. Oder Lachs, Couscous und Brokkoli. Sehr bewährt hat sich hier für jede Art von Mittagessen unser Schnellkochtopf, mit dem alles richtig schnell und vor allem schonend geht.

Oft sind es schon Kleinigkeiten, die für ein missgelauntes Kind sorgen. Bei uns passiert das zum Beispiel sofort, wenn man alle Dinge auf dem Teller ineinander mischt. Trennt man alles fein säuberlich (auch die Soße), ißt er mehr oder weniger anstandslos.

Auch so ein Thema sind Süßigkeiten. Beim Großen versuchten wir noch, ihn davon fernzuhalten, aber das klappt sowieso nicht. Also bekommt er sie dosiert und wir versuchen, ihm das richtige Maß beizubringen (was leider nicht immer so klappt).

Weintrauben-Frischkäse-PinguineKreatives Essen

Vor 1.5 Jahren nahm ich während meiner Mutter-Kind-Kur an einem Vortrag teil, in dem uns erklärt wurde, dass wir das Essen für die Kinder kreativ gestalten müssten – dann würden sie es auch essen. In gewisser Weise ist es bestimmt auch so, aber es gibt auch Ausnahmen. Große Ausnahmen. Mein Großer untersuchte zum Beispiel die Pinguine oben im Bild, probierte den Frischkäse und auch einen Möhren-Schnabel. Letzteren spuckte er wieder aus, puhlte auch die Möhrenfüße ab und aß den Körper. Das wiederholte er dann bei allen weiteren Pinguinen.
Nur weil man sich ganz viel Mühe macht, heißt das nicht, dass Kind sofort begeistert ißt. Ich sehe es eher so, dass die Frustschwelle hier auf Elternseite sehr hoch ist, nämlich dann, wenn Kind das Meisterwerk nicht zu würdigen weiß und man sich die ganze Arbeit für umsonst gemacht hat. Auch läuft man immer wieder Gefahr, dass Kind gar nicht richtig weiß, wie das komplette Obst oder Gemüse überhaupt aussieht.

Trotzdem gibt es bei uns immer wieder kreatives. Man kann Obst schön anordnen oder auch aus einem Stück Gurke und ein paar Cocktailtomaten mit Zahnstochern ein Auto basteln. Das sind allerdings eher Ausnahmen, die Pinguine oben waren zum Beispiel für eine Faschingsparty.
Regelmäßig „kreativ“ wird es dagegen bei der Brotbox für den Kindergarten, denn hier gibt es Gurkenautos, Fleischwursthäuser und Brotschiffe oder -Busse. Der Große findet es total lustig, auch wenn es mir im Moment fast ein bisschen langweilig wird. Sind halt nur 4 verschiedene Brotformer, so dass ich mir wohl bald mal wieder neue kaufen werde.

Ich will auch!

Die wohl sicherste Methode, das Kind auch das Essen mag, ist das Helfen. Schon mit 2 Jahren durfte der Große unter Aufsicht mit einem scharfen Messer umgehen und Obstsalat machen. Wir saßen beide am Tisch, ich bereitete das Obst vor und er schnitt es klein. Er bekam zu jedem Obst von mir eine Einweisung und ein Schnittmuster und durfte völlig frei arbeiten. Um ehrlich zu sein hätte ich damals nie gedacht, dass mein eher grobmotorischer Sohn das so gut machen würde, aber es klappte richtig gut. Auch wenn er sonst sehr wild ist, saß er da ganz ruhig und schnitt alles klein. Wenig später war er total stolz, als wir alle seinen Obstsalat aßen. Auch heute noch darf er helfen und bekam auch schon recht früh sein eigenes Messer zum Brot schmieren in die Hand.

Traut euren Kindern etwas zu! Ihr steht ja immer daneben (hoffentlich), könnt also immer eingreifen.

Rituale sind wichtig

Bei uns gibt es auf den ersten Blick vielleicht eine Menge Regeln, aber sie haben sich bewährt. Klar gibt es immer mal Ausnahmen und man muss immer ein Stück weit flexibel bleiben. Aber trotzdem sorgen sie für ein harmonisches Miteinander beim Essen.

  • Es wird erst mit dem Essen begonnen, wenn alle am Tisch sitzen.
  • Es wird sich nicht quer über den Tisch geschmissen um an die Butter am anderen Ende des Tisches zu kommen (vermeidet, das das ganze Essen vor dem Kind am Pulli klebt)
  • Es darf viel und fröhlich geredet werden, so lange man auch zwischendurch isst. Bei den Großeltern darf man zum Beispiel beim Essen gar nicht Reden.
  • Nachtisch gibt es nur, wenn auch „richtiges“ Essen gegessen wurde.
  • Es gibt immer nur das, was auch auf dem Tisch steht.
  • Ab dem 3. Lebensjahr wird nicht mehr (großartig) mit dem Essen gespielt.
  • Besteck ist kein Spielzeug und darf auch nicht am Tisch oder am Brett/Teller ausprobiert werden.
  • Jeder hat das Recht zu sagen, wenn er etwas nicht mag und dieses auch nicht zu essen.
  • Alles darf vorher als kleines Stück probiert werden (und sollte auch ab und an)
  • Wurst/Käse darf auch ohne Brot gegessen werden, dafür muss dann aber das Brot auch ohne Belag (bis auf Butter) gegessen werden.

Lange Rede, kurzer Sinn

Essen kann Spaß machen, wenn man es locker angeht. Ich bestehe nicht auf 5 tägliche Obst-/Gemüseportionen, weil ich weiß, dass der Große sie sowieso nicht essen würde. Und mal ehrlich – halten wir uns selbst immer an diese Empfehlungen? Lieber achte ich darauf, dass das Essen ausgewogen ist und arbeite mit kleinen Tricks. So häcksle ich zum Beispiel Zucchini immer sehr fein, weil alle 3 Männer sie überhaupt nicht mögen. Ungeliebter Eintopf wird mit ein bisschen Kartoffel zum Andicken zur Cremesuppe und schon wird alles mit Heißhunger gegessen. Sucht euch maschinelle Hilfe und tobt euch aus. Und dann verlangt nichts von anderen, was ihr auch nicht selbst tun oder essen wollen würdet.

2 Kommentare

  1. Drapegon

    Bei unserem Jüngsten koche ich auch wieder Brei selbst. Beziehungsweise Zutaten die ich schlecht bekomme oder für unterwegs ist es schon mal ein gekauftes. Dieses mal probierten wir es erst mit Kartoffelbrei nur hatten wir so viel gekocht – das ich schon gleich 3 Gläschen einfror für später. Klappte recht gut in der zweiten Woche habe ich mal Kürbis versucht- (gekauft Dm) schmeckt sogar mir. Jetzt hätte ich auch wieder Pastinaken als nächstes zum Ausprobieren. Da bin ich ja sehr gespannt. Mein ältester hat diese leider auch nicht gemocht.

    Bei gekauften Gläschen sollte man als Erwachsener auch auf die Zutaten aufpassen. Ich denke da gehen viele zu sorglos mit dem Thema um, die hinterfragen das nicht und denken was die Hersteller anbieten ist immer gut. Ich glaube nämlich nicht das ein Gläschen mit Aufschrift „Pflaumen-Zimt“ ab 4 Monate! so gut ist fürs Baby. Gewürze sollten ja noch nicht mit drin sein. Auch Schokolade-Griesbrei finde ich wohl übertrieben so früh mit Süßem anzufangen. Nur mit der Ausrede schließlich mögen sie es ja- klar Süßes mag wohl jeder gern ist aber in dem Alter schon schlecht für die kommenden Zähne.
    LG Petra

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    1. Sandra (Beitrag Autor)

      Um diese ganzen künstlich gewürzten Sachen haben wir auch immer einen großen Bogen gemacht – auch um die Schokodinger. Dafür gab es hier öfter Maisgries mit „Schoko-Geschmack“. In die Milch habe ich einfach ein klein wenig Kochkakao gegeben und am Ende ein bisschen zermuste Banane untergerührt. Schmeckte richtig gut!

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