Zurück im Arbeitsleben – ein kleiner Rückblick

Stellt euch vor, ihr arbeitet den ersten Tag und müsstet schon eine Überstunde dranhängen. Klingt nach Frust? Mitnichten! Ohne Kinder wäre ich sicher ein wenig genervt gewesen, aber im Dezember wusste ich genau, dass mein Mann sich um beide Kinder kümmert und ich „frei“ habe. Kurz dachte ich sogar noch darüber nach, mein Arbeitstempo ein klein wenig zu verlangsamen, um noch später nach Haus zu kommen. …

Ein kleiner Rückblick

Im November erhielt ich plötzlich einen Anruf meines Chefs, ob ich in der Woche vor Weihnachten vielleicht als Krankheitsvertretung einspringen könnte. Ich war happy und wir organisierten hier alles so, dass ich arbeiten und der Mann meinen Part übernehmen würde. Für ihn hieß das Haushalt, Kochen, Kinder, Streitereien schlichten und so weiter. Für mich bedeutete es Ruhe, Entspannung und eine Auszeit. Ich liebe meine Kinder wirklich, aber rund um die Uhr gefordert zu werden, ist oft nicht ganz einfach. Und wenn man dann den ganzen Tag zu Hause ist und kein anderes Betätigungsfeld hat, ist der Lagerkoller oft nicht mehr weit.
Neulich erzählte mir eine Freundin, dass ihr Chef sie und die anderen Mitarbeiter immer per Gutschein motiviert und sie das braucht. Allerdings hat sie auch noch keine Kinder – dann würde sie es vielleicht anders sehen. ;) Allein der Gedanke, mal rauszukommen, war hier Motivation genug.

Den großen Sohn ließen wir bis zuletzt im Unklaren. Er wusste weder, dass Papa Urlaub haben, noch das ich statt dessen für eine Woche arbeiten gehen würde. Ich hätte es ihm zwar erzählen können, allerdings hätte er mir dann wohl täglich ein Ohr abgekaut und gejammert, dass er unbedingt mit möchte. So war doch alles bis zuletzt erstaunlich entspannt.

lavendel_entspannungsbad

Viele Baden gern zur Entspannung – ich geh lieber Arbeiten.

Endlich Dezember

Die Vorweihnachtswoche kam viel schneller als geplant und während ich ihr recht entspannt entgegenblickte, wurde der Mann zusehends nervöser. Da ich es ihm nicht zu schwer machen wollte, kochte ich im Laufe der Zeit ab und an ein bisschen mehr und fror diverse Portionen ein, so dass er kaum frisch kochen musste. Der restliche Tagesablauf reichte für ihn sicher auch so, denn allein den Großen morgens angezogen in den Kindergarten zu bekommen, ist an manchen Tagen schon eine Meisterleistung.

Schon der erste Tag war für mich Entspannung pur. Morgens um 7.15 Uhr losfahren? Perfekt, denn dann geht es hier zu Hause sonst heiß her. Selbst der ewige Stau und die immerhin fast 45min. Autofahrt (statt normalen 15 min.) störten mich kein Stück, schließlich saß niemand auf der Rückbank und fragte ständig, wann wir denn endlich da sind. Ich konnte Radio hören so laut ich wollte, konnte mitsingen, ohne das jemand nörgelte und überhaupt fand ich alles ganz furchtbar toll.
Auch die ganzen Tage in der Praxis waren toll, denn erstaunlich viele Patienten kannten mich noch und freuten sich, mich zu sehen. Ich hatte zwar 11 Jahre in der Praxis gearbeitet, war allerdings nun auch schon 4.5 Jahre raus – nicht gerade eine kurze Zeit.
Ich dachte den ganzen Vormittag tatsächlich kein einziges Mal an meine Kinder, bis da dieser eine Anruf kam. „Du Schatz, ich bekomm die Kindersicherung am Herd nicht aus! ...“

Die eine Woche und auch die spontan dazugearbeiteten zwei weiteren Tage vergingen eigentlich viel zu schnell, aber sie brachten mir doch reichlich Erkenntnisse. So wurde mir da erst so richtig bewusst, wie sehr eigentlich die Kommunikationsfähigkeit mit kleinen Kindern leidet. Gewähltes Ausdrücken ist bei Kindern nicht gerade angesagt – bei Patienten einer Arztpraxis sollte man das schon können. Doch während ich als einzige Angestellte einer kleinen Praxis in den 11 Jahren ein Meister im Small Talk wurde, fiel es mir jetzt manchmal ganz schön schwer, die richtigen Worte zu finden.
Erstaunlich fand ich aber, wie wenig man doch verlernt. Im November schon arbeitete ich einen halben Tag mit und stand bei vielen Dingen zuerst mit riesigen Fragezeichen da. Kaum war ich jedoch wieder allein in der Praxis, lief alles recht problemlos und völlig automatisch. Die 11 Jahre lassen sich dann wohl doch nicht so einfach verdrängen.

Job, Haushalt und Kinder = entspannteres Leben?

Rund um die Uhr zu Hause zu sein hat noch einen weiteren Haken – man ist an manchen Tagen viel schneller genervt vom Lärm oder den Quengeleien. Während der Arbeitstage kam ich allerdings schon tiefenentspannt nach Hause und ertrug alles mit einem Lächeln im Gesicht. Ich war täglich fast 7 Stunden ohne Kinder, hatte Ruhe und Gespräche in einer normalen Zimmerlautstärke – mehr brauchte es gar nicht. Die Kinder freuten sich natürlich jedes Mal riesig, wenn ich nach Hause kam und tobten gefühlt noch viel lauter als sonst, doch mir war das egal. Ich freute mich, sie freuten sich, der Rest war egal.

Neben der Arbeit fiel natürlich trotzdem noch ein „bisschen“ Haushalt für mich an und auch die Renovierung unseres Obergeschosses wollte erledigt werden. Trotzdem machte mir die Mehrarbeit keine Probleme und auch das gerade wieder sehr häufige nächtliche Aufwachen vom kleinen Sohn störte mich nicht wirklich. Ich war hoch motiviert und schaffte eigentlich sehr viel mehr als sonst. Der Ausflug in die Arbeitswelt tat mir tatsächlich richtig gut und war ein Stück weit wie Urlaub für mich. Denn auch wenn meine Familie meine Arbeit anerkennt, so ist es doch etwas ganz anderes, ob Patienten sich ein kleines Loch in den Bauch freuen, dass man wieder da ist – und sei es nur für eine Woche. Auch mein Chef freute sich aufrichtig und nicht nur, weil er sich keine Vertretung über’s Jobcenter suchen musste. Es gab sogar ein kleines Weihnachtsgeschenk für mich, was ich total lieb fand. Einfach weil es gar nicht nötig gewesen wäre und eine sehr nette Geste war.

Blauäugiges Hausfrauengeschwafel?

Natürlich sehe ich die Arbeitswelt ein klein wenig blauäugig, schließlich war mein „Ausflug“ befristet. Ich hatte im gewissen Rahmen eine Schonfrist, die ein normaler Angestellter irgendwann nicht mehr hat und konnte sogar alles, was ich nicht erledigen wollte, auf meine erkrankte Nachfolgerin abschieben (was ich natürlich nicht tat). Trotzdem war es gut zu sehen, wie entspannt es sein kann, einfach mal eine gewisse Zeit von zu Hause weg zu sein. Ohne Kinder zu sein. Trotz der Arbeit tiefenentspannt nach Hause zu kommen und von ganz anderer Stelle Wertschätzung zu erfahren.

Für mich waren die 7 Arbeitstage eine sehr interessante Bereicherung, die mir ganz viel gebracht haben. Tun würde ich es immer wieder, auch wenn der kleine Sohn auch heute noch seiner vielen Zeit mit dem Papa nachtrauert und ihn vormittags regelmäßig zu Hause sucht.

5 Kommentare

  1. Manu

    Oh wie kann ich dich verstehen :)
    Endlich raus, so habe ich es auch gedacht, aber ich bin da keine Vertretung wie du, ich bin mittlerweile fest im Betrieb :)
    Pass auf, eines Tages wird es bei dir auch wieder ganz so sein. Ich habe meine Kinder (und tue es natürlich heute noch) alle geliebt, aber nur zu Hause, das hat nichts. Glaubs mir, ich wusste nicht wie toll das doch alles war und ist :))
    Und da man ja noch die meiste zeit via Tastatur schrieb, musste ich echt bei manchen Buchstaben überlegen *LOL* wie peinlich :D

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    1. Sandra

      Ha, mit dem Überlegen hatte ich keine Probleme, dafür ist meine Handschrift im Laufe der Jahre wirklich saumäßig geworden. :(

      Früher habe ich auch immer gedacht, dass der Unterschied doch gar nicht so groß sein kann, aber es ist wirklich ein riesiger Unterschied. Schlussendlich war es in der Zeit sogar so, dass auch die Kinder entspannter waren, weil ich entspannter war. Arbeiten gehen ist also auch für Kinder gar nicht so schlecht :D

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  2. Regina

    Wenn man Job, Haushalt und Kinder unter einen Hut bekommen möchte, muss man in jedem Fall ein paar Abstriche machen. Und wichtig ist es, sich Zeit für sich selbst zu nehmen.

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  3. Romy Matthias

    Seh ich auch so. Mit 2 Kindern und meinen Job, für den ich auch noch jeden Tag pendele, seh ich auch manches nicht mehr so eng. Da liegt eben Staub auf der Schrankwand. Stress auf Dauer geht eben auch nicht. LG Romy. Und ein Entspannungsbad am Abend ist unbezahlbar:-)

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  4. Merida Mamoru

    Hallo Sandra,

    wenn ich das Bild mit dem „Weleda“ Levandel Entspannungsbad so betrachte, möchte ich auch gleich in die Badewanne steigen und so richtig schön ausspannen.
    Hast Du vlt. noch mehr so tolle Tipps wie ich mein Badeerlebnis steigern kann? Habe mir vor einiger Zeit schon mal Badesalze in einer Apotheke bestellt, das war recht angenehm, aber probiere auch gerne neue Dinge aus, um dann die perfekte Entspannung erreichen zu dürfen. Was auch noch schön kommt – wenn auch etwas klischeehaft ^^ – sind Kerzen im Bad aufzustellen .

    Übrigens kenne ich da noch einen Geheimtipp von meiner Freundin, wie man trotz Streß im Job immer jung und frisch aussieht….sie schwört auf eine Gesichtsmaske aus Joguhrt, Salz & Früchten…….nach dem Baden trocknet sie sich nicht ganz ab und reibt ihre Haut dann mit Olivenöl ein…glaubt mir, das bewirkt Wunder :D

    Wünsche Dir noch ganz viel Spaß und natürlich auch viel Energie um alle deine Herausforderungen zu meistern.

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