Zeitreise

Es gibt Tage, da schwelgt man in Erinnerungen. Mir geht es im Moment gerade so, denn beim Wühlen in unseren noch verpackten Umzugskisten habe ich ein paar alte Fotoalben gefunden. Mit dabei auch die Fotos meiner letzten Kur auf der Insel Usedom in Ückeritz. Zugegeben – Ückeritz selbst war nicht soooo toll. Der Ort war damals (1997) eher langweilig, vor allem, wenn man erst 17 ist. Aber doch war es dank der Leute, die ich dort kennenlernte, super. Wir hatten viel Spaß und blieben sogar nach der Kur noch kurz in Kontakt. Wobei „kurz“ relativ ist, denn mit einer „Mit-Insassin“ blieb ich immerhin rund 5 Jahre in Verbindung, bis wir uns aus den Augen verloren.

Aber so alte Fotoalben sind toll. Leider habe ich von meinen anderen beiden Kuren keine, aber zumindest bei der ersten war ich einfach zu jung. 1. Klasse, DDR – da hat man keine Kamera. ;) An so viel erinnere ich mich auch nicht mehr. Ich weiß noch, dass ich damals in Kölpinsee war. Wie bei meinen anderen Kuren auch, war ich dort wegen meiner Neurodermitis. Die Behandlung unter anderem: 5x täglich (!) eincremen! Das ist neben der Wespe, die mich damals stach und der großen verglasten runden Sporthalle so ziemlich das einzige, woran ich mich erinnere. An das Seebad Kölpinsee selbst leider überhaupt nicht mehr. Und dabei klingt das, was ich im Internet fand, doch richtig gut. Direkt an der Ostsee gelegen (ok, das wusste ich auch noch)  bekam es seinen Namen aber von dem 34ha großen See, an dem es liegt.

alte Postkarte von Usedom

5 Jahre später ging es dann nach Ahlbeck. Ich war älter, durfte viel mehr machen und mich vor allem freier bewegen. Diese komischen Cremekuren gab es allerdings immer noch. Ich weiß noch, dass man sich im Bademantel in einer Reihe aufstellen musste und dann eingecremt wurde. Immerhin hinter einem Vorhang und für die anderen nicht sichtbar. Andere nennen es Massenabfertigung, dort hieß es Therapie.
Bei Ahlbeck fällt mir natürlich zuerst die ewig lange Seebrücke ein. 280m ist sie lang und gut 100 Jahre alt. Auf halbem Weg ins Meer befindet sich der Pavillon mit Restaurant drin. Wir drückten uns damals immer die Nasen platt, trauten uns aber kein Stück ins Gebäude rein. Dafür trieben wir uns um so öfter auf der Seebrücke oder an der richtig schönen Promenade rum.
Während es in Kölpinsee noch riesige Schlafsäle gab,  waren die Zimmer hier schon kleiner. Viel leiser war es trotzdem nicht, denn dafür gab es Musik. In den Zimmern lief ganz viel Bad Boys Blue von in Polen gekauften Kassetten, der Macarena war in Mode und aus Raider wurde Twix.
Absolutes Highlight damals für uns war sicher die Fahrt zum Markt nach Swinemünde/Polen. Mit Pferdekutschen ging es vom Parkplatz bis zum Markt selbst. Damals waren die Preise dort noch sehr günstig, heute soll das schon anders aussehen.

Während 1990 noch überall „DDR-Zustände“ herrschten, hatte sich 1997 schon sehr viel geändert. Ahlbeck sah schöner aus, vieles war frisch renoviert und restauriert. Neue Kurkliniken und Hotels waren aus dem Boden geschossen. In der Kurklinik in Ückeritz sah man davon allerdings nicht viel, denn die liegt mitten im Wald bzw. direkt am Steilufer. Ich weiß noch, dass wir den Strand fast komplett für uns allein hatten und die Treppen nicht so ganz ohne waren. Als Ausgleich unternahmen wir einige Radtouren, unter anderem nach Ahlbeck und Heringsdorf, fuhren auch wieder als Gruppe nach Swinemünde und hatten ganz viel Spaß. Vom Schlafsaal hatte ich es hier immerhin schon in ein Einzelzimmer geschafft und die Cremekuren gab es natürlich auch nicht mehr. Dafür aber ein hauseigenes Schwimmbad, auch wenn wir das nie genutzt haben. Warum auch, wenn man die Ostsee vor der Tür hat.

Ich hatte jedes Mal das Glück, dass ich im Sommer nach Usedom durfte und ich liebe diese Insel einfach. Die Strände sind weit und auch breit, der Sand weiß und fein. In Kölpinsee wurden wir damals immer mit Bernsteinsuchen beschäftigt. Wenn man „ein bisschen“ Geduld mitbringt, wird man am Strand auf jeden Fall fündig. Ich weiß noch, dass ich das erste Mal stolz wie sonstwas war und ein perfektes Elterngeschenk hatte.
Auch heute noch gibt es einige Dinge, die sich nicht geändert haben. So gibt es zum Beispiel immer noch eine Unterteilung in Textilstrände, FKK- und Hundestrände. Wo sonst gibt es das schon, noch dazu in so beliebten Urlaubsorten?

Vielleicht sollten wir unseren geplanten CenterParcs-Urlaub einfach verschieben und statt dessen lieber an die Ostsee fahren. Immerhin ist Usedom die sonnenreichste Gegend ganz Deutschlands und ich habe hier und auch hier richtig tolle Wellness-Angebote gefunden.
Wir könnten den Großen nach Bernsteinen suchen lassen. Unser Junior kann dann mit ein bisschen Glück vielleicht schon laufen, aber zumindest sitzen. Für seine Beschäftigung ist damit auch gesorgt, denn welches Kind liebt es nicht, im Sand zu buddeln?
Und bevor ich jetzt weiter in Erinnerungen versinke und mich dabei wundere, was für Blödsinn doch alles im Laufe der Jahre hängen bleibt, werde ich wohl lieber mal Adressen suchen gehen. Vielleicht finde ich die Freundin von damals ja per Internet wieder. ….

2 Kommentare

  1. kiko

    Weniger schön …
    Erinnere mich noch an meine Kur zu DDR-Zeiten in Kölpinsee, war wegen Psoriasis dort (1981 für vier Wochen). Im Netz suche ich immer mal wieder nach „Betroffenen“. Bis heute – obwohl ich damals erst 10 Jahre war – erinnere ich mich an den fast militärisch geführten Kuralltag. Für alles gab es Punkte – Bett machen, Betragen, Ordnung … Abends gab es Umfragen unter den Kindern, wer sich wie benommen hatte – das förderte natürlich nicht den Zusammenhalt. Schlimm waren die Duschen, morgens aufstellen, mit kaltem Schlauch abgeduscht werden. Bis heute belastend die Erinnerung, dass mich eine Erzieherin im Duschraum vor allen Kindern beschämt hat, weil ich mich angeblich falsch wasche … und einmal wurde mir die Zahnbürste weggenommen. Meine Briefe und Postkarten von damals an meine Verwandten dokumentieren dies bis heute. Nicht schön das alles. Ach, und aus meinem Geburtstags-Päckchen wurden die Süßigkeiten entfernt.

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  2. Wolfgang Hofmann (Welke)

    Also ich meine mich noch daran zurück zuerrinnern ,das es auf der Mitte von den ganzem Komplex ein rundes Gebäude gab wo wir die Sachen die wir hatten reinstellen mussten.
    Wir mussten uns jeden Tag frei machen ,und uns gegenseitig mit einer Bürste über den Rücken wischen.
    Uns wurde gesagt das ist gut für die Durchblutung des gesamten Körper.
    Außerhalb von dem Gebäude war dann immer Wassertreten angesagt.
    Ich weiß noch das ich dort das erste Mal Müsli gegessen habe ,aber weil ich Hunger hatte und es nichts anderes gab.

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