„Winterkartoffelknödel“ – Rezension

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Niederkaltenkirchen. Irgendwo im tiefsten Bayern, nicht weit entfernt von Landshut. Hier lebt und arbeitet Franz. Er lebt auf dem Hof seiner Familie – zusammen mit seiner schwerhörigen und schlagfertigen Oma und seinem Vater, der zu jeder Tag- und Nachtzeit die Beatles hört und ab und zu mal einen Joint raucht. Franz führt ein sehr ruhiges Leben als Dorfpolizist. Ab und zu mal eine Prügelei, nie was wirklich ernstes. Auch hinter den tragischen Unfällen in der Familie Neuhofer vermutet er nichts böses. Vater Neuhofer wurde wohl die Routine zum Verhängnis, als er beim Anschließen des neuen Herdes vergaß die Sicherung rauszudrehen. Und das Mutter Neuhofer starke Depressionen hatte, war bekannt. Also auch nicht ungewöhnlich, dass sie sich im Wald erhängte. Selbst als der älteste Sohn unter einem Container begraben wird, denkt sich Franz nichts böses. Erst als sehr kurze Zeit später das Haus der Familie verkauft ist, der jüngste Sohn ein neues Auto fährt und bald darauf eine Tankstelle auf dem Neuhofer-Grundstück gebaut wird, fängt Franz langsam an hellhörig zu werden…

winterkartoffelknödel

Die erste Seite des Buches war gewöhnungsbedürftig. Einerseits der bayrische Dialekt, andererseits der teils doch sehr derbe, aber auch einfach gehaltene Schreibstil. Doch bereits auf Seite 2 war ich total begeistert. Auch wenn der Erzählstil durchaus Geschmackssache ist – ich finde ihn gut und passend zum ganzen Buch. Ich könnte es mir mit einer normalen Erzählweise eigentlich gar nicht vorstellen. Die Geschichte wird sehr flüssig erzählt, immer wieder gespickt mit lustigen Anekdoten, die meist die Oma reißt. Die Charaktäre werden zwar nur sehr oberflächlich beschrieben, doch ich hatte recht schnell das Gefühl mitten in Niederkaltenkirchen zu sein. Für mich müssen Charaktäre nicht immer bis ins Letzte beschrieben sein. So macht es viel mehr Spaß sein eigenes Kopfkino laufen zu lassen. Schließlich gibt es wohl überall ein Niederkaltenkirchen. Immer wieder tauchen bayrische Worte auf. Sie stören den Lesefluss überhaupt nicht. Auch konnte ich als Norddeutsche alles problemlos verstehen. Sehr schön finde ich aber das Glossar am Ende mit einer Übersetzung aller wichtigen Worte. Super auch die Rezepte von der Oma, von denen ich sicherlich einige ausprobieren werde. Die Vita von Rita Falk fand ich unheimlich sympathisch. Etwas unpassend finde ich allerdings die Pfanni-Werbung – auch wenn es Kartoffelprodukte sind. Bin da altmodisch, für mich gehört einfach keine Werbeseite in ein Buch.

Der offizielle Untertitel heißt „Ein Provinzkrimi“. Provinz eindeutig, Krimi nur nebensächlich. Es kommt keine richtige Spannung auf, die für einen Krimi nötig wäre. Ich hatte schon nach der Hälfte des Buches eine Vermutung, wer denn der Mörder sein könnte – und so kam es dann auch. Trotzdem habe ich mich kein Stück gelangweilt. Im Gegenteil. So oft wie bei diesem Buch habe ich selten gelacht. Rita Falk schreibt kurzweilig, amüsant, charmant aber auch sarkastisch. Wer gute Unterhaltung mit Witz, Charme und ein bisschen Spannung sucht, ist hier genau richtig. Für eingefleischte Krimi-Fans, denen es nicht grausig genug sein kann, sind die Winterkartoffelknödel wahrscheinlich eher nichts.

Ich bin ein bisschen traurig Niederkaltenkirchen schon verlassen zu müssen. Aber ich werde mit dem nächsten Teil garantiert zurückkehren!

Von mir gibt es 5 von 5 Sternen!

(Die Winterkartoffelknödel wurden mir von dtv für diese Rezension kostenfrei zur Verfügung gestellt. Meine Meinung beeinflusst das jedoch nicht.)

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