Wie Mr. Rosenblum in England sein Glück fand – Rezension

Jakob Rosenblum, seine Frau Sarah und ihre Tochter Ilse fliehen 1937 nach England. Um so britisch wie möglich zu werden, wird aus Jakob Jack und aus ihrer Tochter Elisabeth. Kaum in England angekommen erhält die Familie ein kleines Heft, um sich besser in England zurechtzufinden. „Neu in England: Nützliche Informationen und freundliche Anleitung für jeden Flüchtling“ Ab sofort versucht Jack alles, um ein perfekter Engländer zu werden. So hält er sich nicht nur an die Liste, er ergänzt sie auch. Am Ende werden aus den 8 Punkten insgesamt 151. Fünfzehn Jahre später hat Jack eine eigene Teppichfabrik, fährt ein teures Auto und besitzt ein kleines Haus. Er versucht alles, um ein richtiger Engländer zu werden. Bis zur Selbstaufgabe tut er alles, um sich anzupassen. Sarah dagegen will sich nicht einfügen. Sie vermisst Deutschland und ihre Familie. Sie leidet unter starken Depressionen und zieht sich zurück. Ihr einziges Vergnügen scheint es für lange Zeit zu sein, ihren Mann zu ärgern. Ein Punkt auf seiner Liste will Jack jedoch nicht gelingen. Mitglied in einem englischen Golfclub zu werden. Kein Club will einen Juden aufnehmen. Also zieht er mit seiner Frau nach Dorset um sich dort seinen eigenen Golfclub zu bauen. Mit unerschütterlichem Willen geht er ans Werk und lässt sich durch keinen noch so großen Schicksalsschlag unterkriegen…

Laut Buchinhalt hatte ich eigentlich etwas lustiges erwartet. Doch bekommen habe ich etwa viel besseres. Ein sehr gefühlvolles und charmantes Buch. Natasha Solomons schreibt sehr flüssig und lässt ihre Leser komplett in die Geschichte eintauchen. So fühlte ich mich sofort mittendrin und ein bisschen wie ein Familienmitglied der Rosenblums. Ich lachte und weinte mit ihnen, verstand, wie sie sich als ewig Außenseiter fühlten. Ich litt mit Jack, wenn wieder einmal etwas seinen Plan durchkreuzte. Aber nicht nur die Charaktäre, auch die Landschaft wurde so gut beschrieben, dass ich mich direkt hineinversetzt fühlte.

Genauso liebevoll wie die Geschichte wirkt das Buch selbst auf mich. So ist es heute ja leider keine Selbstverständlichkeit mehr, ein Hardcover-Buch mit Lesebändchen zu bekommen. Der blumige Druck auf den Außen- und Innenseiten spiegelt ein bisschen den blumigen Schreibstil wieder.  Eine sehr schöne Idee finde ich den Platz für einen Ex libris-Eintrag.

Fazit: Ein wunderschönes Buch zum lachen, weinen und nachdenken. Ein Buch, dass auch einige Zeit nach dem Lesen immer noch einen schönen Nachklang hinterlässt. Und so werde ich garantiert zu Familie Rosenblum, dem Bulberrow Hill, Curtis und all den anderen zurückkehren und die Geschichte erneut lesen.

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