Von Kindern, Vereinen und Übermüttern

Montags Mutter-Kind-Turnen, am Mittwoch zum Schimmkurs und am Freitag in die Musikschule. Sieht so eine perfekte Kindheit aus? Klar haben die Kinder bestimmt Spaß in den Kursen und lernen viel. Aber muss es wirklich sein? Brauchen Kinder schon so viel Förderung und Beschäftigung, das fast jeder Tag in der Woche verplant ist? Müssen sie nicht auch mal erfahren, was Langeweile ist und lernen, sich ein Stück weit selbst interessante Dinge zum Beschäftigen zu suchen?

Ich kenne viele Mütter, deren kleine Kinder schon ein richtiges Pensum haben. Für sie ist es normal, denn es begann schon mit Pekip und Babyschwimmen, ging weiter mit Eltern-Kind-Turnen und jetzt eben mit Sport für die Größeren. Ich habe das nie für meine Kinder gewollt. Wir gehen lieber spontan auf den Spielplatz oder verabreden uns. Auch will der Große ganz oft mit zum Kindertraining meines Mannes, aber immer nur zum zuschauen. Wäre er sowieso noch zu jung für.
Doch seit einiger Zeit merke ich, dass ich wohl doch nicht um das Thema herum komme.

Sportschuhe und -Sachen

„Mama, ich will auch zum Sport.“

Da wäre zum Beispiel ein Schwimmkurs, denn wenn der Große im August in die Schule kommt, sollte er schwimmen können. Den richtigen Verein brauchten wir dabei gar nicht suchen, denn sein Kumpel fängt im Januar auch einen Kurs an und dem haben wir uns einfach angeschlossen. So richtig hat er das glaube ich noch gar nicht realisiert, ist ja auch noch eine Weile hin. Noch dazu haben wir Eltern das einfach beschlossen, ohne ihn groß zu fragen. Gibt halt Dinge, die müssen einfach sein.
Ganz anders sieht es dagegen mit einem „Auspower“-Sport aus, den er gern machen würde. Einige seiner Freunde machen Mutter-Kind-Turnen, einige Mädchen gehen zum Ballett, einer geht zum Judo und dann wären da noch Fuß- und Handball. Alles ganz verschiedene Dinge, mit denen er sich aber nicht so richtig anfreunden kann. Mit dem Eltern-Kind-Turnen vielleicht noch am ehesten, aber aus dem Alter ist er mit 5 1/2 nun einfach raus. Trotzdem würde er gern etwas tun und so suchte ich mich in den letzten Wochen durch das Internet und telefonierte rum. Gar nicht so einfach, den richtigen Verein zu finden, denn viele kümmern sich nicht richtig um ihre Internetpräsenz oder haben eine veraltete Telefonnummer in ihrem Eintrag. Wie will man so neue Mitglieder bekommen, wenn man nicht erreicht werden kann?

Nach schier endlosem Telefonieren landeten wir also schließlich in der letzten Woche bei einem Verein zum Ballspiele-Training. Es war super – zumindest für meinen Sohn. Der Trainer war total nett und engagiert, die Mütter am Rand leider ebenso.
„Mathes, nun lauf doch mal schneller!“ 
„Die rechte Hand, du musst die rechte Hand nehmen. Nicht die linke. Kuck doch mal hin!“
„Du Sonja, hast du die Hose von dem Kind da gesehen? Die ist ja viel zu klein!“
Nach nur 10 Minuten auf der Bank hätte ich am liebsten meinen Sohn geschnappt und wäre gegangen. Ging natürlich nicht und so spielte ich mit dem kleinen Bruder Ball und versuchte die Gespräche über fremde Kinder, richtige Trainingstechniken und perfekte Kuchen auszublenden. Wieder mal konnte ich meinen Mann verstehen, bei dem so nervige Eltern mit ihren klugen Ratschlägen einfach beim Training mitmachen müssen. Das hilft oft besser als ein einfaches Ermahnen.

Gestern nun hatten wir ein zweites Probetraining in einem anderen Verein. Kleinere Gruppe, nicht so hochnäsige Kinder und nette und zurückhaltende Eltern. Eine Wohltat! Und auch wenn der Große am Anfang nur zuschauen wollte (was ich Übermutter natürlich nicht zuließ), so hatte er doch riesigen Spaß und erklärte direkt, dass er wiederkommen wolle. Ich auch.
So wird er nun doch zumindest 2 Tage in der Woche verplant sein. Dann aber, weil er es will und freiwillig so entschieden hat. Zeit zum Spielen hat er dabei immer noch ausreichend und genau so muss es auch sein. Finde ich zumindest.

Nun muss ich nur noch etwas für den kleinen Bruder suchen, denn der will nun auch regelmäßig zum Sport …

Ein paar Tipps zur Vereinssuche für Kinder:

  • Internetsuche – Sie ist natürlich die erste Anlaufstelle. Aber Achtung, nicht bei allen Sportarten gibt es Kindergruppen!
  • Telefonieren – Das macht auch bei Vereinen Sinn, bei denen die Altersgrenze höher liegt. Oftmals können sie auch Tipps zu Vereinen mit einer Kindergruppe oder auch sinnvolle Alternativen für eine andere Sportart geben.
  • Umhören – Viele Kinder sind in Sportvereinen angemeldet. Einfach mal im Kindergarten oder der Schule umhören und/oder einfach mitgehen. So fühlt sich das eigene Kind vielleicht auch gleich viel sicherer, wenn jemand dabei ist, den es schon kennt.
  • Zeitung lesen – Bei uns gibt es einen kostenlosen „Wochenspiegel“ mit einer Rubrik „Mitglieder gesucht“. Hier können Vereine völlig kostenlos eine Info einstellen lassen, welche Mitglieder sie wofür suchen. Oftmals findet man hier kleine Vereine, von denen man im Normalfall nie gehört hätte.

Und weil ich es ja oben schon anriss und einiges an eigenen Erfahrung habe:

Ein paar Tipps für Vereine:

  • Sorgt für eine Homepage! Pflegt sie und haltet sie aktuell, so dass potenzielle Interessenten alle wichtigen Informationen finden.
  • Adresswechsel? Sorgt dafür, dass alle eure neue Adresse oder Telefonnummer kennen. Ein Eintragsdienst, wie zum Beispiel www.omnea.de kann hier helfen. Sie suchen, berichtigen und korrigieren fehlerhafte Einträge, sind allerdings auch kostenpflichtig.
  • Meldet euch bei Zeitungen und fragt nach Rubriken wie „Ein Verein stellt sich vor“ oder „Mitglieder gesucht“. Gerade Wochenzeitungen bieten für gemeinnützige Vereine einiges kostenfrei an.
  • Plant Werbeaktionen wie zum Beispiel „Jeder bringt einen Freund zum Training mit“ oder verteilt Handzettel. Wenn jedes Mitglied nur 10 Zettel in seiner Nachbarschaft verteilt, habt ihr schon reichlich Werbung gemacht und kaum Zeit dafür investiert. Sicher bringt das keine Massen ein, aber es kann für stetig neue Mitglieder sorgen.

Sind eure Kinder im Sportverein oder haben sie regelmäßige Termine?

3 Kommentare

  1. Oliver

    Ich selbst finde es als Vater wichtig, dass Kinder ab einem Gewissen Alter anfangen sollten Sport zu treiben. Völlig egal, was es für eine Sportart ist. Wichtig ist, dass sich in Bewegung bleiben und sportlich etwas errechen wollen. Das lenkt das Kind gut ab und tut gleichzeitig etwas Gutes für die eigene Gesundheit.

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  2. Sprintis

    Sei froh, dass deine Kinder noch zum Sport gehen und genügend Abwechslung haben. Es gibt auch Fälle, da reicht den Eltern die Playstation und die Kinder haben weder Kontakt zu Sportvereinen und nehmen auch nicht am „normalen“ Leben teil. Dies hat viel mit Bequemlichkeit der Eltern zu tun, ist jedoch auch immer eine Frage des Budgets.

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  3. Anja

    Das Problem bei solchen „netten Kursen“ ist oft meist, zumindest bei uns das die Wochentags so um 14-15 Uhr sind…Sorry, aber ich arbeite o_O Da kann ich nicht mal eben Dienstags 14:30 an der musikalischen Früherziehung mitmachen und mein Kind wird bestimmt dumm….
    Ich finde es völlig ausreichend sich mit seinem Kind zu beschäftigen, es in den Kindergarten zu schicken, sich mit den Freunden der Kinder zu verabreden, auf den Spielplatz/Ausflügen zu gehen, zu Kindergeburtstagen etc..da muss es nicht der oft teure, unnötige „ich habe ein Instrument-in-der-Hand-Kurs“ sein..

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