Von Eifersucht und ganz viel Trotz

Das das Leben mit einem 3-jährigen nicht gerade einfach ist, davon werden wohl viele Eltern ein Lied singen können. Unser großer Sohn ist nun schon fast 3.5 Jahre und trotzt gerade mal wieder täglich, ja eigentlich stündlich mehrmals. Es ist anstrengend mit ihm – er ist anstrengend. Um so mehr fällt es auf, weil sein kleiner Bruder fast nie weint, fast immer grinst und auch sonst ein sehr pflegeleichtes kleines Kerlchen ist.

Schon morgens geht bei uns das Theater los, denn wenn man nicht sofort das macht, was er sich gerade denkt (und sei es nur die falsche Milchtasse), bricht er „theatralisch“ zusammen und heult los. Nicht, dass ich damit ein Problem hätte, aber ein schöner Start in den Tag sieht oft anders aus. Im Kindergarten ist er dann das liebste, netteste und tollste Kind, dass man sich nur vorstellen kann. Ich weiß ja aber auch, dass er das sein kann. Wenn er will. ♥
Mittags kaum zu Hause angekommen, feilscht er um mein Handy. Ich habe vor einiger Zeit eine sehr coole App gefunden (Draw free), mit der man nicht nur (auch in Regenbogenfarben) malen, sondern auch stempeln und verzerren kann. Sehr sehr coole App und nicht nur ich liebe sie. Inzwischen haben wir eine Absprache, dass er mein Handy haben darf, während ich seinen kleinen Bruder stille. Geklappt hat es genau einen Tag lang, nämlich den ersten. Seit dem nie wieder. Täglich heult, schreit, brüllt und tritt er wild um sich, wenn ich ihm lieb und nett sage, dass ich mein Handy nun wieder haben möchte, weil sein Bruder fertig getrunken hat. Und obwohl er genau weiß, dass er es nicht bekommt, versucht er es immer und immer wieder. An Schlaf ist dabei für den kleinen Bruder natürlich nicht zu denken.

brüder

Noch schlimmer ist es aber, wenn der Kleine etwas hat und der Große nicht. Im Moment fragt er ständig, ob etwas ihm gehört. Bestimmte Dinge tun das natürlich, wieder andere Dinge aber nicht (denn die gehören Mama oder Papa). Trotzdem hindert das den Großen nicht daran, seinem kleinen Bruder das Stillkissen beim Trinken unterm Hintern wegzuziehen, weil er meint, dass es seins ist und kein anderer es haben darf.
Holzbeißring-Ketten haben wir inzwischen übrigens 2 identische – eine für den kleinen, eine für den großen Sohn. Die braucht man mit 3.5 zwar nicht wirklich, aber seit der Kleine an allem nuckelt, will der Große auch unbedingt. Überhaupt ist es faszinierend, wie sehr sich die Großen „zurückentwickeln“, wenn ein Baby im Haus ist. Ich habe es schon öfter von mehr oder weniger genervten Eltern im Spielkreis gehört, dass ihre 3-jährigen plötzlich wieder gefüttert werden wollen, an allem lutschen und Babyspielzeug plötzlich wieder total toll finden.
Füttern müssen wir zwar nicht, aber das mit dem Babyspielzeug kann ich bestätigen. Sobald der Kleine etwas in der Hand hat, nimmt es ihm der (sonst sehr sozial eingestellte) Große weg, weil er jetzt damit spielen will und dann auch wirklich tut. Auch einen Schnuller möchte er unbedingt wieder haben, denn sein Bruder hat ja auch einen. Und als ich gestern endlich noch ein paar benötigte Dinge bei Baby Walz bestellte,  fragte er doch glatt, ob ich ihm auch einen Schnuller bestelle. So ein Schnuller für Fußballfans sollte es dabei aber bitte sein, denn die sind so schön bunt. Und außerdem mag Papa Werder Bremen – klar, dass man dann auch den passenden Schuller braucht.

Bestellt hab ich natürlich keinen, was uns gleich das nächste Drama einbrachte. Aber trotz allem will ich gar nicht meckern. Es gibt halt Tage, da sind alle Kinder unausstehlich, an wieder anderen sind sie zuckersüß, aber an den meisten Tagen sind sie irgendwie normal. Wenn man ein Leben mit Kindern überhaupt normal nennen kann. ;) Und oft genug sehe ich beide zusammen grinsen und manchmal bekommt der kleine Bruder sogar das Spielzeug gezeigt, mit dem er irgendwann bald selbst spielen wird.
Trotzdem frage ich mich immer wieder, ob eigentlich nur unser Kind so trotzig und manchmal auch anstrengend ist. Wenn ich in andere Eltern-Mütter-Kinderblogs schaue, sind deren Kinder immer nur die liebsten, süßesten und tollsten Kinder der Welt. Je nach Blog können sie (fast) alles – und das viel schneller und besser als andere. Lieb und süß sind meine beiden auch, perfekt aber sicher nicht. Will ich auch gar nicht. Warum auch, denn das Leben wäre dann ja viel zu langweilig.

1 Kommentar

  1. MestraYllana

    Endlich mal ein ehrlicher Bericht – toll! Ich hab ja lange genug die Nachbarskinder „gehütet“, ich weiß also, wie die Kleinen sind – klar, sie sind oft unausstehlich, aber jede herzige Geste wie beispielsweise, wenn sie eine Kastanie anbringen und die unbedingt hergezeigt will, oder als die Kleine mal versucht hat, meine uralte OP-Narbe zu „behandeln“, wischt dann jede Trotzreaktion wieder beiseite.

    Es wundert doch oft ein bisschen, wie brav „andere“ Kinder doch sind… begreifen sofort alles, können alles, sind die reinsten Engelchen…

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