Vom Schlafen, Verwöhnen und durch die Gegend hopsen

Noch vor ein paar Monaten sagte ich irgendwann mal zu meinem Mann, dass unser jüngster ein total pflegeleichtes Kind sei, ganz anders als unser Großer in dem Alter. Heute bereue ich diesen Satz, denn mein Mann reibt ihn mir fast täglich unter die Nase. Passenderweise immer genau dann, wenn der kleine Mann mal wieder die Nacht zum Tag macht und entweder einfach nicht schlafen will oder aber nur zu mir will. Mamakind nennen es die einen, verwöhnt wieder andere.

Warum auch immer, unser Jüngster ist immer abends bzw. nachts teilweise schon sehr speziell und braucht immer ganz viel Kontakt. Schon als Baby kuschelte er sich in seinem Beistellbett am liebsten ganz dicht an mich. Irgendwann vor ein paar Monaten fing es an, dass er mitten in der Nacht nach dem Trinken plötzlich weinte und nichts und niemand ihn beruhigen konnte, außer Papa. Er musste ihn dann eine Weile tragen und schon war die Welt für den Kleinen wieder in Ordnung. Eine Phase, die auch wieder vorbei geht, so dachten wir noch. Doch nur wenige Tage später wachte er schon kurz nach dem Einschlafen auf und immer musste Papa ihn tragen. Einige Zeit später legten wir ihn gar nicht mehr ins Bett, sondern direkt in den Hängesessel. Mit durchgehendem Schaukeln schlief er so immerhin bis gegen 23 Uhr und wir waren happy, dass wir den Abend (mal abgesehen vom Dauer-Schaukeln) wieder für uns hatten.
Inzwischen schlafen der Kleine und ich Nachts auf unserer Matratze im Spielzimmer, denn ins Bett ist der Kleine überhaupt nicht mehr zu bekommen. Wir haben alles probiert. Mit Schlafsack, ohne Schlafsack, warmes Zimmer, kaltes Zimmer, händchenhaltend, auf dem Schoß, in seinem Bett weiter weg – alles, was zu ändern ging, haben wir versuchsweise geändert. Nur seinen großen Bruder, den können wir schlecht aus dem Bett verbannen, denn auch er fordert sein Recht und will jede Nacht bei uns im Bett schlafen. Also blieb nur die Matratze und siehe da – er schläft! Abends bringe ich ihn ganz normal zu Bett in den Hängesessel und wenn ich Schlafen gehe, nehme ich ihn raus und lege ihn neben mich. Es klappt super, er schläft endlich wieder ohne zu weinen und wir alle können stressfreier und entspannter schlafen. Und auch wenn es sich für manche komisch anhören mag – für uns ist es die perfekte Lösung. Sicher keine Dauerlösung, aber im Moment ist sie genau richtig.
Das sich die Situation irgendwann auch wieder ändern wird, merkt man auch schon daran, dass er sich inzwischen den Hängesessel selbst abgewöhnt hat und inzwischen direkt auf der Matratze schlafen möchte. Ohne Schaukeln. Dafür am liebsten durchgehend mit Körperkontakt zu mir. Bin ich mal nicht da, sondern Papa kümmert sich, merkt er das früher oder später. Er kann noch so fest schlafen, aber er wacht dann garantiert auf, weint und beruhigt sich erst wieder, wenn ich da bin und ihn in den Arm nehme oder er an mein Bein gekuschelt schlafen kann.

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Ihr verwöhnt das Kind zu sehr!

Würde ich auf meine Schwiegereltern hören, dann müsste unser Kind tagtäglich abends verzweifelt schreien und weinen, denn schließlich muss ein Kind auch einfach mal schreien können, damit es später besser singen kann. Kennt ihr den Spruch? Ich hasse ihn, schon seit ich ihn beim großen Sohn das erste Mal gehört habe.
Demnach würden wir den Kleinen auf jeden Fall verwöhnen und es wäre total unnormal, dass ein Kind abends nicht in seinem Bett schläft. Inzwischen verzichte ich schon darauf, den beiden zu erklären, das wir natürlich alles versucht haben und der Kleine ganz bestimmt nicht alles bekommt, was ihm gerade so einfällt, denn das habe ich schon zu oft getan. Zu sehr nerven die guten Ratschläge, was wir alles noch tun oder lassen sollen.

Leider erweisen sich jedoch die Großeltern des Kleinen als genauso hartnäckig bei dem Thema, wie der Kleine selbst. So versuchte Schwiegermama mich erst vor wenigen Wochen davon zu überzeugen, dass wir den Kleinen doch ganz normal mit ins Bett nehmen sollten und wenn er schreit (was er ganz sicher tun wird, wir haben es erst gestern ausprobiert), dann sollten wir uns mit ihm auf so einen großen Fitnessball setzen und ein bisschen hin- und herwippen, schaukeln, hopsen und was auch immer. Dann würde er sich ganz schnell beruhigen und damit auch das Bett wieder toll finden.
Ich bin auch heute noch stolz auf mich, dass ich ihr darauf eine recht freundliche Absage erteilt habe und nicht das sagte, was ich wirklich dachte. Doch leider war die wohl nicht gut genug, denn vor 2 Wochen drückte sie meinem Mann ein kleines Päckchen in die Hand. Darin: Ein Fitness Ball! Solche Momente können das Ehefrau-Schwiegermama-Verhältnis wirklich belasten und so war ich froh, dass der Mann es öffnete. Immerhin kuckte er genauso sparsam wie ich beim Auspacken und fragte sich, was der Quatsch denn sollte. Seine Mutter ließ sich jedoch nicht davon abbringen, dass ihre Idee toll wäre. Eine Mutter aus der Nachbarschaft würde auch immer mal wieder mit dem Kind auf dem Ball durch die Gegend hopsen. Danach wäre das Kind angeblich tiefenentspannt und würde richtig gut schlafen. Und außerdem wäre er ein toller Gymastikball, auf dem man sich die restlichen Schwangerschaftspfunde abtrainieren könnte. Sie selbst würde den ja auch so gern für ein paar Übungen nutzen. Während ich versuchte, sie mit Blicken zu töten, erklärte sie mir noch, dass man mit den Bällen ja soooo günstig trainieren könnte. Womit ich ihr diesmal sogar Recht geben muss.

Es ist sicher überflüssig zu erwähnen, dass sie darauf bestand, ihre Idee auszutesten, oder? Nur einen Tag später hopste ich also mit dem kleinen Mann durchs Wohnzimmer. Es war Tag, er war wach und er quiekte und quietschte vor Vergnügen. Sein großer Bruder, der das ganze mit ansah, rief ständig „ich auch, ich auch!“ Und ich fand es einfach nur anstrengend, die ganze Zeit ein sich windendes, fröhliches Kind festzuhalten, sich gleichzeitig auf dem Ball zu halten und irgendwie den großen Bruder abzuwehren, der versuchte, auf meinen Schoß zu klettern. Es ist mir schleierhaft, wie jemand Nachts schlaftrunken freiwillig damit durch die Gegend „hüpfen“ kann, ohne gleich auf dem Fußboden zu landen. Noch dazu mit Baby auf dem Arm.

Ich jedenfalls werde den Fitness Ball ganz sicher nicht zum Einschläfern meines Kindes benutzen. Aber er lässt sich bestimmt prima in ein paar Fitness-Übungen einbauen ….

1 Kommentar

  1. Anja

    Hihi-die selben „Ratschläge“ hab ich von meiner Schwiegermama auch gehört:“Ihr verwöhnt den Kleinen, du musst ihn abstillen und in sein Bett legen…“etc etc..
    Und was war? Hab ihn noch laaange gestillt und er hat fast 1,5 Jahre bei uns im Bett geschlafen und heute ein Jahr später schläft er ohne alles in seinem Bett-durch bis morgens..
    Haben auch alles mögliche probiert, mal weinen lassen, tragen, weg von unserem bett, ein Shirt von mir ins Bett legen etc..
    Macht weiter so und das was für euch richtig ist!

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