Verschätzt.

Seit fast 3 Wochen ist der 6jährige nun ein Schulkind, seit ein paar Tagen mehr der Kleine ein Kindergartenkind. Wie einfach hatte ich mir doch im Vorfeld alles vorgestellt! Die Kinder morgens „schnell“ in den Kindergarten und die Schule bringen, knappe 30 min. sporteln (Shred!), dann 30 min. in Ruhe einen Kaffee trinkend Zeitung lesen und danach je nach Tag entweder bloggen, durch’s Haus putzen oder ein paar lange aufgeschobene Restbauarbeiten am Haus erledigen. Gegen 14 Uhr wollte ich dann völlig entspannt die Kinder aus Kindergarten und Schule abholen und mit ihnen durch’s Haus oder Garten toben. Die 10 min. Hausaufgaben, die der Große täglich maximal bekommen sollten, hätte er dann sicher schon in der betreuten Grundschule erledigt, schließlich gibt es dort extra Zeiten für die Hausaufgaben.

Die Realität sieht leider etwas anders aus, denn bisher konnte ich gerade mal an 2 Tagen meine Sportklamotten rausholen. An den anderen Tagen hetzte ich von einem Termin zum nächsten und war dann gerade mal eine halbe Stunde zu Hause, bevor ich wieder los musste oder aber ich war so platt, dass ich nichts getan habe, außer die Füße hochzulegen und ein Buch zu lesen. In diesen knapp 3 Wochen hat sich bei uns eine ganze Menge getan und deshalb gibt es heute mal einen kurzen Einblick ins private Chaos.

Ein Schulkind.

Die Einschulung war toll und obwohl der Große gerade 7 Tage vor dem Stichtag der Schulpflicht geboren wurde, ist es für ihn genau richtig. Er ist total stolz und geht gern zur Schule. Und da ich bei Facebook schon die ersten Vergleiche von Lerninhalten gesehen habe: Nein, bei uns wird noch nicht geschrieben, was ich aber auch gar nicht schlimm finde. In Mathe gibt es die ersten leichten Rechenaufgaben, außerdem übt er das Zahlen schreiben. Erste Worte gab es noch keine, selbst Buchstaben werden noch keine geübt. Dafür schrieb er heute fehlerfrei „Tier“ aus dem Nichts auf – irgend etwas tut sich da also schon. Statt Buchstaben werden gerade ganz viele Laute geübt und immer wieder gibt es kryptische Arbeitsblätter mit nach Hause.
Genau diese hasse ich von Anfang an. Sie kommen in der Regel völlig ohne Text aus und enthalten dafür ganz viele Bilder. Kein Problem, allerdings ist allein das Raten der richtigen Bezeichnungen bei einigen Sachen ein reines Glücksspiel und nicht selten hört man unter Eltern Tipps wie „das heute da muss ein Mofa sein, sonst passt es nicht!“. Da hat man eine Tanne, die in einem Bild korrekt ist, auf dem nächsten Arbeitsblatt neben dem Weihnachtsmann muss sie aber Weihnachtsbaum heißen, damit die richtigen Silben gezählt und gefunden werden können. Oder eben das Motorrad, das ein Mofa ist. Mein Highlight war jedoch ein Zahn mit einem dicken schwarzen Fleck darauf. Karies? Zahnloch? Kopierfehler? Ich weiß es bis heute nicht. Wenn man jedoch die korrekte Bezeichnung des Bildes nicht kennt, kann man auch die Anfangs-, Mittel- oder Endlaute nicht richtig zuordnen und hat somit einen Fehler.
Auch die geplanten maximum 10 Minuten Hausaufgaben sind die Untertreibung des Jahrhunderts. 30 Minuten sind fast immer die Regel, oft sitzt er eine Stunde, in seltenen Fällen saß er auch schon zwei. Seine Lehrerin meinte, dass sie durchaus auch nach 20 Minuten Schluss machen sollen, wenn ein klarer Ansatz des Verstehens vorhanden ist. Wir Eltern sollten dann den Lehrern einen Hinweis geben, das mehr einfach nicht machbar war. Den Vorschlag selbst finde ich super, jedoch ist es für mich keine Option, meinem Sohn beizubringen, dass er auch nach den ersten zwei Zeilen Hausaufgaben schon aufhören darf. Und so muss er halt manchmal einen DIN A4-Schmetterling mit U’s und Kreisen voll- und auch ausmalen und dann noch ein Blatt voller 5en schreiben. Irgendwann wird er hoffentlich schneller. …

Nachdem die ersten zwei Wochen völlig chaotisch waren, kontrolliere ich inzwischen immer die Hausaufgaben in der Schule, noch bevor ich den kleinen Bruder abhole. So kann er neben mir und halbwegs ruhig und entspannt die restlichen Aufgaben erledigen, die er in der halben Stunde Hausaufgabenzeit in der Betreuten nicht geschafft hat. Für uns aktuell die beste Lösung, denn zu Hause kann er einfach nicht in Ruhe arbeiten.

Ein Kindergartenkind.

Pünktlich am 1.8. startete der 3jährige stolz wie Bolle in den Kindergarten. Er liebte die erste Woche und fand alles toll – inklusive der zwei Kindergeburtstage, die in der Gruppe gefeiert wurden. Danach ging der Kindergarten 3 Wochen in die Ferien und danach war alles aus. Er weinte, motze, tobte und tat sich richtig schwer. Selbst abends vor dem Einschlafen erklärte er mir, dass er morgens auf gar keinen Fall in den Kindergarten gehen wolle. Eine gute Woche dauerte es, bis er sich halbwegs eingefunden hatte. Inzwischen liebt er seinen Erzieher abgöttisch, singt zu Hause Kindergartenlieder und besteht auf einen Tischspruch vor dem Essen. Er hat sich eingefunden und geht inzwischen wirklich gern in den Kindergarten.
Und während er im Kindergarten seinen Platz neu finden muss, hat er sich das für Zuhause anscheinend auch vorgenommen. Die meiste Zeit ist er unausstehlich und bringt uns und alle in seiner Nähe breit grinsend immer wieder an sämtliche Grenzen. Er klaut dem Großen das Spielzeug, ärgert alle die er sieht, kneift, haut und kommt im nächsten Moment heulend angerannt, weil er sich ungerecht behandelt fühlt, wenn der Große sein Spielzeug zurückverlangt.
Und so habe ich seit einiges Zeit ein neues Mantra, denn es ist alles nur eine Phase ….

Und ich.

Manchmal ist es schon lustig, welche Wege das Leben geht. Seit Monaten beobachte ich den Arbeitsmarkt, war jedoch allein durch die Kinder nicht vermittelbar. Dann erhielt ich irgendwann im Juli eine SMS, hatte nicht einmal eine Woche später ein Vorstellungsgespräch und durfte zum Probearbeiten. So positiv wie alles klang, folgte einige Zeit später die Ernüchterung, wenn auch keine Absage. Vertröstet auf später irgendwann. Vielleicht. Ich gebe zu – mein Weltbild bekam damals einen kleinen Knacks, denn ich habe bisher tatsächlich bei jedem meiner Vorstellungsgespräche den Job auch bekommen, teilweise hatte ich direkt die Auswahl zwischen verschiedenen Stellen. Die Ausbildungsstelle, die Praxis danach, bei meinen Nebenjobs, nur halt jetzt nicht. Na ja, nicht gleich. Denn inzwischen habe ich die Zusage und darf bald wieder arbeiten gehen. Ich freue mich total auf die neue Herausforderung. Neue Kollegen, ein neues Fachgebiet – es wird bestimmt toll!
Einen Großteil der letzten 3 Wochen verbrachte ich jedoch trotzdem bei der Arbeitsagentur, mit meiner Bewerbungsmappe und dem Studium diverser Weiterbildungsmöglichkeiten. Ich hoffe sehr, dass ich das Wissen darüber nicht mehr brauche!

Auch hoffe ich, dass die nächsten Wochen endlich ein wenig ruhiger werden. Eine große Umstellung wird für beide noch einmal mit ihren neuen Brillen kommen, die der Große nur zum Lesen und Arbeiten, der Kleine aber dauerhaft tragen muss. Aktuell hoffe ich sehr, dass die beiden sie nach den unglaublichen 3 Wochen Bearbeitungszeit von Apollo Optik überhaupt noch leiden mögen. Das hat man davon, wenn man am Stadtrand wohnt und nicht extra in die Innenstadt zu Fielmann fahren möchte. Aber das ist dann wieder eine andere Geschichte. …

Und was ist bei euch alles so in den letzten Wochen passiert? 

7 Kommentare

  1. Susi

    Ein toller Beitrag in den ich mich voll und ganz reinversetzen kann!

    Unsere Tochter ist auch zur Schule gekommen Hausaufgaben Betreuung im Hort ist relativ, Fehler werden nicht korrigiert also schauen wir alles nochmal durch meistens machen wir dann einiges nochmal kann bis zu einer Stunde dauern :(

    Einzelne Buchstarben wurden schon geschrieben wie auch Zahlen jede Woche übers Wochenende muss ein neues kurzes Gedicht gelernt werden zu einem neuen Buchstarben.

    Unser Sohnemann ist ja nun ohne seine Schwester im Kindergarten, gebocke „er will nicht gehen“ die ersten 2Wochen leider auch aber es legt sich nun endlich langsam.

    Der Stresspegel hat sich mitlerweile etwas gelegt es hat sich relativ gut eingespielt mit Kinder weg bringen an die Arbeit fahren nachhause schnell einkaufen alle abholen dann etwas auf den Spielplatz und dann zuhause Hausaufgaben machen und Abendessen.

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    1. Sandra

      Oh wow, das klingt auch anstrengend! Ich glaube, wenn unser Großer noch jede Woche ein Gedicht lernen müsste, würde er streiken :D

      Grundsätzlich finde ich die Hausaufgaben und auch das tägliche Arbeiten gut und sinnvoll, sie müssen sich ja daran gewöhnen. Aber es muss halt immer zu schaffen sein. Bei uns führte es in den letzten Tagen leider immer wieder zu reichlich Frust, der wohl nicht da wäre, wenn die Hausaufgaben auch überschaubar wären.

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  2. Frank

    Hallo Sandra, ich bin zunächst hier nur über Umwege gelandet. Ich möchte dir viel Glück und vor allem Durchaltevermögen für die nächsten Schulmonate wünschen. Mit Sicherheit wird nicht immer alles rund laufen und es gibt auch mal schlechte Noten, Verweise etc. Aber das geht vorbei. Glaub mir. Ich spreche da aus Erfahrung, unser Großer ist jetzt in einem dreiviertel Jahr mit der Schule fertig. Wir sind also quasi schon durch ;)

    Manchmal hatte ich in all den Jahren das Gefühl als würde ich eher wieder zur Schule gehen als er… Aber wie gesagt, das geht vorbei.

    Viel Glück

    Frank

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    1. Sandra

      Verweise? Ich hoffe eigentlich, dass er die nicht mitbringt :D
      Ansonsten aber dankeschön, ich denke das wird schon. Heute gab es auch wieder ein riesiges Pensum, aber so langsam arbeitet er sich zügiger durch. Das Schreiben klappt immer besser, so dass er schon deshalb auch schneller wird. :)

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  3. shadownlight

    wow bei dir ist ja so einiges los!
    aber erst einmal freue ich mich sehr, dass du eine arbeit gefunden hast, das ist ja so wichtig und gibt einem auch ein gutes gefühl :)
    liebste grüße!

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    1. Sandra

      Ohhhh ja, hier tobt irgendwie immer der Bär :D Ich könnte jetzt noch was über einen Nummernflohmarkt erzählen, aber das lass ich lieber ;)

      Danke! ♥ :) Es ist toll, wieder eine Arbeit zu haben und ich freue mich schon richtig drauf, endlich wieder eigenes Geld zu haben. Klingt komisch, aber nach 6 Jahren Ohne mit dem eigenen Konto immer auf Null ist es toll, auch mal einfach so ne Kleinigkeit zu kaufen, ohne es gleich vom Haushaltsgeld abziehen zu müssen…
      Außerdem ist es super, wieder rauszukommen aus diesem ewigen Haushalt-Kinder-Dunstkreis. Noch dazu werde ich dann ständig mit dem Rad fahren. Alles irgendwie positiv also :)

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  4. Alexandra

    Das klingt sehr anstrenged.
    Aber sei dir sicher, dieser Stress wird sich auch wieder legen.
    Es ist unglaublich toll, dass du uns solch tiefe Einblicke in dein Leben gewährst.

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