Verletzungen im Garten – ein paar Verhaltenstipps

Wusstet ihr, dass jährlich rund 200.000  Unfälle im Garten passieren? Dies ist zumindest die Zahl, die man auf diversen einschlägigen Internetseiten findet, auch wenn sie vermutlich viel zu niedrig angesetzt ist. Aber was tut man eigentlich, wenn man sich im Garten verletzt? Gerade mit einer kleinen Schürfwunde gehen wohl die wenigsten zum Arzt und nach ein paar Stunden ist sie wahrscheinlich auch schon vergessen. Aber gerade diese kleinen Wunden können schnell gefährlich und ganz groß werden (sah man ja bei mir zumindest ansatzweise). Also – was tut man am besten?

Ich habe mich im Garten verletzt, was kann ich tun?

Gleich zu Beginn – ich übernehme natürlich keine Haftung, das ist keine medizinische Beratung und mir geht es hier um Bagatellen. Die kleinen Unfälle, wie eine Schnitt-, Quetsch- oder Platzwunde, wegen denen man vielleicht nicht unbedingt zum Arzt laufen würde. Wer sich zum Beispiel mit der Kettensäge ins nicht geschützte Bein schneidet, gehört je nach Schwere direkt mit dem Notarzt ins Krankenhaus!

In den meisten Fällen handelt man direkt nachdem es passiert ist, schon intuitiv. Man zieht sich den Splitter oder Zweig aus der Haut, drückt etwas auf eine blutende Wunde um sie zu stillen oder ähnliches. Im Nachhinein sollte man ein paar Dinge bedenken:

  • Holt oder ruft euch je nach Schwere der Verletzung möglichst schnell Hilfe. Der Schock kommt wahrscheinlich, auch wenn er nicht schwer sein muss. Auch gibt es so einige, die kein Blut sehen können und dann einfach umkippen. Ich bin nach meinem Unfall auch noch ein paar Minuten rumgelaufen und habe mich erstversorgt, bis mir plötzlich schwummerig wurde. War halt doch ein bisschen komisch, einen Zweig in der Hand stecken zu haben.
  • Setzt euch hin! Wenn es euch richtig komisch wird, dann legt euch flach hin, Beine hoch lagern – zum Beispiel die Unterschenkel auf die Sitzfläche eines Stuhls legen. Steht nach einer Weile langsam auf und bleibt erst einmal sitzen. Trinkt etwas Wasser!
  • Blutende Wunden sollte man gerade bei Verunreinigungen nicht sofort zuhalten, sondern erst ein kleines bisschen „auslaufen“ lassen. So reinigt das Blut beim heraustropfen gleich ein klein wenig die Wunde. Nicht auf der Wunde herumdrücken, um mehr Blut rauszuquetschen!
  • Wunde reinigen, dabei aber weder reiben, noch die offene Wunde mit Seife oder ähnlichem einreiben. Wir haben immer einen Vorrat an unsterilen Kompressen im Haus – damit kann man gut tupfen und sie hinterlassen keine Rückstände in der Wunde. Bitte nutzt kein Küchenpapier oder fusselnde Lappen!
  • Wenn im Haushalt vorhanden, dann auf die gesäuberte Wunde ein klein bisschen Jodsalbe auftragen (Betaisodona, PVP Jod oder ähnliches). Ein Pflaster darüber oder alternativ ordentlich verbinden – je nach Art und Schwere.
  • Nach der ordentlichen Versorgung sucht ihr bitte euren Impfausweis. Schaut, wann die letzte Tetantusimpfung war. Ist es erst kurz her, haltet vorsichtshalber Rücksprache mit eurem Arzt. Ist die Impfung 5 Jahre oder länger her, solltet ihr unbedingt zumindest mit dem Arzt telefonieren. Lasst euch hier nicht von der Arzthelferin abspeisen, denn auch wenn es so klingt – sie haben leider nicht immer die Ahnung.
    Ist die Impfung 10 Jahre her, muss sie sowieso erneuert werden. In dem Fall solltet ihr relativ zügig zum Arzt und bekommt dann eine herkömmliche Tetanusimpfung (Tetanol und co) und eine weitere Impfung mit fertigen Antikörpern (Tetagam). Die sorgt für den ersten Schutz, bevor euer Körper dank der Tetanusimpfung selbst wieder Antikörper gebildet hat. Ab wann Tetagam zusätzlich gespritzt wird, entscheidet der Arzt. Bei uns in der Praxis wurde es auch schon gespritzt, wenn die Impfung 9 Jahre her war.

Scheren

Wichtig: Viele Praxen arbeiten inzwischen sogar bei Impfungen nur noch mit Terminen. Ich hatte vor dem Unfall gerade erst den Arzt gewechselt und die neue Praxis wollte mir nach meinem Unfall einen Termin in 2 Wochen geben, obwohl ich sagte, dass ich keinen Impfschutz mehr habe, der Zweig pilzig war, usw. Die Helferin erklärte mir völlig überzeugt, dass das immer noch absolut ausreichen würde. Mein alter Arzt, zu dem ich statt dessen ging, nannte das einfach nur fahrlässig … Lasst euch also nicht abspeisen und geht notfalls zu einem anderen Arzt!

  • Vorausgesetzt das mit dem Impfschutz alles passt und ihr nicht zum Arzt müsst, behaltet die Wunde immer im Auge. Überprüft regelmäßig, ob die Stelle oder die nähere Umgebung warm ist oder auch rot wird (wenn auch nur ein kleines bisschen). Tut sie es, geht zum Arzt! Fühlt ihr euch sonst irgendwie komisch, geht zum Arzt. Breitet sich eine eventuell vorhandene, kleine Rötung aus, geht zum Arzt! Bedenkt hierbei das eventuelle Wochenende mit Notdiensten, längeren Fahrzeiten usw.
    Meine Stelle war ein paar Tage nur minimal rot, innerhalb von nur rund 3 Stunden wurde sie allerdings richtig dick und rot. Es kann also plötzlich alles ganz schnell gehen, auch wenn es vorher alles recht entspannt aussieht.
  • Die gängige Meinung, dass eine Blutvergiftung immer mit einem typischen roten Strich einhergeht, ist veraltet!
  • Geht lieber ein Mal mehr zum Arzt und lasst ihn raufschauen.

Was passiert beim Arzt?

  • Die Wunde wird untersucht und je nach Arzt und Bedarf auch geöffnet. Bei mir puhlte der Chirurg direkt mit einer Pinzette drin rum, um noch Splitter zu finden.
  • Euer Impfschutz wird geprüft, aber das hatten wir ja oben schon.
  • Ist die Wunde entzündet, bekommt ihr ein Antibiotikum.
  • Alles weitere ergibt sich aus dem Verlauf heraus. Heilt alles ab, ist es gut. Eventuell muss aber auch ein (kleiner) Eingriff unter einer örtlichen Betäubung durchgeführt werden (geht normalerweise problemlos in der chirurgischen Praxis).

Eine Wunde eincremen?

  • Generell sorgen Cremes eher dafür, dass eine Wunde schlechter zusammenwächst. Das kann bei offenen Wunden allerdings gewollt sein, damit eventuell vorhandener Eiter abfließen kann.
  • Ich bin altmodisch, ich mag Jodsalbe. Sie ist zwar gelb-braun, aber wenn man wenig nimmt, hält auch ein Pflaster alles von Kleidung und Co. weg. Man kann die Creme auch in warmem Wasser auflösen und das betroffene Körperteil darin baden – auch wenn es dafür Jodlösungen zu kaufen gibt.
  • Inzwischen gibt es aber diverse andere Wirkstoffe in Cremes, die desinfizierend und antibakteriell wirken. Hier kann euch euer Arzt oder auch der Apotheker weiterhelfen.
  • Zusätzlich ist es aber immer sinnvoll, eine normale Wund- und Heilsalbe im Haus zu haben, sie ist perfekt für alle Abschürfungen oder leichten oberflächlichen Kratzer. Sie spendet in der Regel Feuchtigkeit und tut der Haut gut.
  • Keine Fettcremes verwenden, denn sie decken die Haut ab und verstopfen die Poren!
  • Grundsätzlich tut es einer Narbe zwar gut, eingecremt zu werden, aber es ist kein Muss. Und wer keinen Aufwand betreiben will, für den reicht auch problemlos die herkömmliche Körperlotion.

Wenn man ein paar Dinge beachtet, bleiben kleine Wunden auch ungefährlich. Am besten ist es natürlich, sie erst gar nicht entstehen zu lassen und sich bzw. vor allem die Hände bei der Gartenarbeit zu schützen. Ich für meinen Teil habe mir inzwischen sogar neue Gartenhandschuhe gekauft. ;)

6 Kommentare

  1. sebastian

    echt ein toller beitrag, finde ich sehr interresant was du hier schrebst. Und ja du hast recht ,also wenn ich mal nen splitter im finger habe , rufe ich niemanden an…eher rufe ich nach meiner „FRAU“ ;-)….nein also es sind kleinigkeiten, doch hatte es auch schon gehabt das ein kleiner Kratzer zu einer großen entzündung gekommen ist. aber das weiß man nicht vorher. Es sollte jeder für sich entscheiden wann er ärztliche hilfe aufsucht.
    Gartenzeit geht nun los…also auf frohes unfallfreies garten schön machen.

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  2. Markus

    Meine Erfahrung sagt: So lange man sich nicht mit der Kettensäge den Arm abschneidet, hat man die Situation in aller Regel noch recht gut unter Kontrolle. Also aufpassen, dass das nicht passiert. Alles andere lässt sich noch regeln ;)

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  3. Christopher

    Da kann ich meinem Vorredner nur zustimmen, auch wenn mir das sogar schon passiert ist… Mit einer Kettensäge ist echt nicht zu spaßen, glaubt mir das. Auch wenn es bei mir damals nur ein kleinerer Schnitt war, sitzt der Schock bis heute tief und ich säge nur noch mit Schutzkleidung. Guter Artikel übrigens, dass die Wunde mit Cremes schlechter zusammenwächst wusste ich bisher auch noch nicht.

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  4. Sandra

    Ich habe mir einmal mit einer Gartenkralle in den Fuß gestochen, es sind also nicht nur die vermeintlich gefährlichen Geräte vor denen man sich in Acht nehmen sollte…

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  5. Paul

    Einen Verbandskasten haben wir immer griffbereit in der Garage stehen zusammen mit Desinfektionsspray. Es passiert ja leider immer etwas mit Kindern im Garten… ;)

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    1. Sandra (Beitrag Autor)

      oder mit uns Erwachsenen ;)

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