Verdummte Hausmütterchen?

Sieht man mal von den 2 Wochen Krankheitsvertretung ab, bin ich inzwischen fast 5 Jahre zu Hause. Fünf Jahre! Obwohl es mir natürlich bewusst ist, so klingt die lange Zeit gleich viel erschreckender, wenn man die Zahl vor sich sieht. Ein Jahr Elternzeit bleibt mir noch, bevor ich mich wieder ins Berufsleben stürzen werde – denn das will ich auf jeden Fall.
Fünf Jahre, in denen sich alles um die Kinder drehte. Zwei Schwangerschaften, Hausbau, Haushalt, Kinderbetreuung. Für viel mehr blieb da gar keine Zeit.

Hausfrau = dumm?

Bösartige Zungen behaupten gern, dass Hausfrauen dumm wie ein Stück Brot sind. Sie wissen zwar alles, was in der Küche oder dem Haushalt vor sich geht, kennen sich aber im Weltgeschehen und der Allgemeinbildung überhaupt nicht (mehr) aus und interessieren sich vielleicht auch gar nicht mehr dafür. Für sie dreht sich alles um Kuchen, Küche und Kinder. Schaut man aber genauer hin, dann verschiebt sich das Bild ein bisschen.
Hausfrauen kennen in der Regel den kompletten Inhalt des Terminkalenders, des Vorratsschranks und die Einkaufsliste auswendig. Sie haben ein ziemlich gutes Gedächtnis, sind in der Regel rund um die Uhr multitaskingfähig und um einiges stressresistenter als mancher Arbeitnehmer. Es erfordert einiges an Talent, gleichzeitig dem 5jährigen Fragen zu beantworten, den 2jährigen davon abzuhalten, Blödsinn anzustellen, die imaginären Kochkünste der Kinder zu loben und nebenbei ein neues Rezept zu studieren und den dazu gehörenden Kuchen zu backen. Klingt banal? Denkt mein Mann auch immer, verzweifelt aber schon bei einem Bruchteil der Aufgaben – an gleichzeitiges Erledigen ist bei ihm nicht zu denken.
Soll heißen – Hausfrauen setzen ihre Interessensgebiete und Prioritäten einfach anders. Für sie ist in dem Moment der Haushalt ihre Welt. Was interessiert der berühmte Sack Reis in China, wenn das Kind in der Küche gerade den Inhalt des Tiefkühlschranks direkt in die Spülmaschine räumt, damit „das Weiße da drauf“ weggeht?

Man kommt leicht in einen Trott, in dem alles andere einfach egal wird. Dabei würde ich morgens liebend gern in Ruhe Zeitung lesen, aber ich weigere mich, dafür eine Stunde früher aufzustehen, um allein zu sein. Und abends, wenn die Kinder im Bett sind, bin ich einfach viel zu kaputt. Die Nachrichten im Radio zu hören wäre toll, wenn eins der Kinder nicht ständig währenddessen reden, kreischen oder schreien würde oder aber das Radio gleich ganz ausschaltet. Selbst das Wetter verpasse ich fast immer.

Ist man ohne Kinder wirklich schlauer?

Stimmt sicher bedingt. Noch vor der ersten Schwangerschaft las ich viele Biographien, hatte ein Abo der National Geographic und steckte meine Nase gern in alle möglichen Wissensbücher. Schon mit dem großen Sohn ließ es stark nach, spätestens mit dem zweiten Kind fehlt nun endgültig die Lust und Zeit, mich durch die ägyptische Geschichte oder sonstige spannende Dinge zu lesen und mir diese vor allem auch zu merken. Mein Kopf ist vollgestopft mit Kinderthemen, den Freunden der Kinder, Kinderkrankheiten, den nächsten Kleidungsstücken, die die Kinder brauchen und und und. Wenn ich dann noch ein bisschen Luft habe, steckt da bestimmt der Elternbeirat oder aber der Sportverein mit drin. Früher hielt ich mich mit dem Spielen von Wordament auf dem Handy „fit“, aber in der letzten Zeit habe ich das doch sehr schleifen lassen und lese lieber ein bisschen was triviales zum Abschalten.

bertelsmann_kalender

Ein paar Tipps, um sich geistig fit zu halten

Gerade mit Kindern im Kindergartenalter kann man sich prima selbst fit halten und viel dazulernen! Lange Zeit stellte der große Sohn nur ganz wenige Fragen, dafür kommen sie inzwischen um so öfter. Ich versuche seine Fragen nicht nur so weit zu beantworten, wie ich es kann, sondern mir dazu auch immer noch ein wenig mehr anzulesen. Sei es, um ihm ein klein wenig mehr zu erklären oder aber um selbst einfach mehr zu lernen. Schaden tut es ganz sicher nicht, auch wenn ich einen Teil davon bestimmt wieder vergesse. Allerdings merkt man sich diese winzigen Häppchen ja oftmals viel besser, als eine geballte Ladung Wissen.

Sehr beliebt ist bei uns der Wissenskalender für Kinder oben im Bild. Er stammt zwar noch aus dem letzten Jahr, wurde da allerdings nur sehr selten gelesen – den Großen interessierte es einfach auf Dauer nicht. In diesem Jahr allerdings klappt es prima und der Kalender wird sicher auch im nächsten Jahr zu einem festen Bestandteil hier werden. Die kurzen Erklärungen sind schnell gelesen und können bei Bedarf immer noch vertieft werden.

Auch habe ich mir „Wordament“ immerhin schon auf meine Lumia-Startseite gepinnt. Es ist eine kostenlose App, bei der man so viele Worte wie möglich im Buchstabenchaos finden muss. Hat mit Allgemeinbildung zwar jetzt nicht so viel zu tun, hält aber geistig trotzdem fit und macht Spaß. Auf meinem letzten Handy hatte ich noch eine kostenlose App mit ganz vielen Quizfragen, aber leider habe ich die im Store nicht mehr wiedergefunden. Statt dessen beantworte ich jetzt täglich ein paar Fragen beim Wissens Quiz und lerne so auch fast täglich etwas dazu.
Und für den Blick auf die Geschehnisse in der Welt reicht es oft schon, die mails nicht von Outlook, sondern direkt beim Anbieter online anzuschauen. Zumindest bei meinen lande ich dann immer zuerst auf einer mit Nachrichten vollgepackten Startseite und kann mich einfach und schnell durch interessante Artikel klicken.

Schlussendlich liegt es an jedem selbst, ob man nebenbei etwas für sich und seinen Geist tut. Ich habe es in den 2 Wochen Krankheitsvertretung durchaus gemerkt, dass mir einfach der Umgang mit erwachsenen Menschen fehlt. Es ist etwas ganz anderes, ob man ständig nur seine Familie und Freunde um sich hat oder eben auch Fremde. Schon deshalb freue ich mich sehr darauf, in einem guten Jahr wieder arbeiten zu gehen. Bis dahin genieße ich aber meine Zeit als Hausfrau und arbeite ein bisschen daran, nicht dümmer zu werden. ;)

Übrigens habe ich vor einiger Zeit einen sehr schönen und hier sehr passenden Artikel über Hausfrauen auf Lebenszeit und als Lebensmodell gelesen. Er zeigt eigentlich recht gut die verschiedenen Hausfrauen-Typen. Die einen, für die es mit kleinen Kindern Erfüllung war, denen jetzt aber die Decke auf den Kopf fällt und die anderen, die sich auch weiterhin nichts schöneres vorstellen können. Zu finden hier bei der Zeit.

6 Kommentare

  1. blogARTig

    Aloha,

    wir haben deinen Beitrag auf unserer Facebookseite „blogARTig“ verlinkt.
    Solltest du etwas dagegen haben, bitte laut schreien.

    Liebste Grüße
    blogARTig

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    1. Sandra (Beitrag Autor)

      Hab ich natürlich nicht, danke ♥ :D

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  2. Frank

    Also ich persönlich sehe immer wieder das viele „Hausfrauen“ vom alltäglichen Leben nicht viel verstehen. Das liegt aber nicht daran das sie als Hausfrauen verdummen, oder durch ihre Kinder nur noch Kindersendungen sehen oder ihr Hirn nicht auf Trab halten, das liegt daran das diese Frauen, teilweise auch Männer, einfach dumm sind, bzw. dumm gewesen sind bevor sie „Hausfrauen“ geworden sind. Das hat nichts mit dem hausfrauendasein zu tun.

    Im übrigen bemerkt man meist in den ersten Minuten eines Gesprächs wie intelligent der Gegenüber ist, ohne das man weiß was der/die-jenige vorher gemacht hat.

    Als Hausfrau hat man sicherlich anderes Schwerpunktwissen. So kann eine Hausfrau mir sicherlich nur selten etwas über die Bundesliga erzählen, was mich auch nicht interessieren würde im übrigen, oder über die neuesten Änderungen in den Lieferbedingungen von Exporthändlern. Dafür werden mir Hausfrauen aber eher alles über Hundesteuern (wenn sie einen Hund haben), über Städische Verordnungen, zum Beispiel zum Thema: „Saufen auf dem Spielplatz“ und so weiter erzählen können. Ich erlebe das doch mit meiner Frau genauso (übrigens selbst gewählte Hausfrau…), sie kann mir durchaus erzählen wo gerade geblitzt wird, wieviel Hundesteuer ich wo bezahlen muss, was wir wann, wo und wie zu bezahlen haben, wo es gerade die besten Angebote gibt.

    Das ist keine Dummheit nur eine Verlagerung von Wissen. Das unterschätzen viele leider. Eine Hausfrau muss in der Regel mit ein, oder zwei Kindern, ein richtiges Organisationstalent sein. Bei geringem Einkommen auch eine Planungsexpertin. Sie muss aufgrund ihrer Rolle ganz andere Dinge wissen und durchführen können. Eine Hausfrau auf Putzmittel und Kochen zu beschränken wäre dumm und unangemessen.

    Sicherlich hilft ein regelmäßiges training, ab und an mal Zeitunglesen. Einen gewissen Wissensstand kann man sich immer erarbeiten, aber in den meisten Fällen bin ich persönlich der Meinung ist eine Hausfrau die neben dem Haushalt noch den Einkauf managed, Mann und Kinder unter einen Hut bringt, evtl. noch Haustiere zu versorgen hat wesentlich mehr beschäftigt als ein Mann der nach 8 Stunden arbeit nach Hause kommt. Der hat sicherlich in den 8 Stunden wesentlich mehr geackert, aber der kann sich auch nicht aussuchen was er, wann zu tun hat, die Hausfrau kann/muss sich das alles einplanen und kann Ruhepausen einlegen fast wann sie möchte, aber dafür ist das Gesamtpensum deutlich höher…

    Gruß Frank

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  3. Comeso

    Dumm ist man ganz sicher nicht! Schließlich hat man bevor man schwanger wurde und Kinder bekommen hat etwas gelernt. Dass man nur irgendwann nicht mehr ganz so fit ist, wie man es beispielsweise in der Schule war oder in der Ausbildung ist ja klar – dort wird man schließlich auch jeden Tag gefordert und gefördert. Passiert dies nicht mehr, schaltet sich auch die Lernleistung des Gehirns um. Es dauert zwar eine Weile, aber auch das Lernen kann man sich wieder aneignen – dumm ist kein Mensch!

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  4. Pingback: Darf es ein bisschen mehr Wissen sein? › Sandras Testblog

  5. Sterni

    Ich würde das nicht so pauschal sagen. Klar hat man als Mutter oft nicht die Zeit sich noch großartig weiterzubilden, aber viele andere lassen sich nach der Arbeit auch nur vom Fernseher berieseln. Solange man weiterhin soziale Kontakte pflegt und die eigenen Interessen nicht total zu kurz kommen, sehe ich da kein Problem.

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