Rosarot

Mama schnell, häng mir den Stoff um! Ich will eine Prinzessin sein!“ So tönte es vor einigen Tagen hier durch’s Wohnzimmer, als ein Paket mit bestellten Stoffen endlich eintrudelte. Das ungewöhnliche daran: Die Worte kamen nicht von einem Mädchen, sondern von unserem 4jährigen Sohn. Im Moment steckt er gerade in einer sehr „interessanten“ Phase, in der er teilweise einen wirklich großen Sprung nach vorn gemacht hat. So zählte unser Zahlenmuffel von einem Tag auf den anderen problemlos bis 10 und zeigte sich plötzlich in vielen Dingen einsichtiger, auch wenn er täglich wieder mindestens 30 Mal seine und unsere Grenzen austestet. Vor allem unsere.
Ganz neu ist auch seine Lieblingsfarbe – rosa! Schon seit einiger Zeit sucht er sich gezielt Dinge aus, die rosa oder pink sind, zuletzt zum Beispiel seine neue Armbanduhr. Er ist auch heute noch stolz wie sonstwas und findet die Farbe total toll. Eine blaue Uhr gab es zwar auch, aber die wurde sofort kategorisch abgelehnt. Mir persönlich ist es völlig egal, denn rosa ist schließlich eine Farbe wie jede andere auch.

kinderuhr

Was sollen die Leute bloß denken?

Rosa ist für viele eine typische Mädchenfarbe, doch viele wissen gar nicht, dass dies erst seit den 20er Jahren so ist. Vorher war es genau anders herum – rosa für Jungs und hellblau für Mädchen. Der Hintergrund dazu ist schnell erklärt, denn blau ist die Farbe von Maria, rot dagegen steht für den Kampf, die Leidenschaft und auch Blut – für Männer eben. Inzwischen hat sich die heutige Farbzuordnung allerdings so sehr eingebürgert, dass es für viele einfach befremdlich ist, wenn ein Junge zum Beispiel etwas rosanes trägt. Es soll ja sogar Leute geben, die befürchten, dass ein Junge später homosexuell wird, nur weil er als Kind in rosane Sachen gesteckt wurde. Meine Schwiegereltern gehen so weit zwar nicht (auch wenn sie es wahrscheinlich einfach nur nicht laut sagen), aber bestimmte Kleidungsansichten haben sie schon. Rosa darf da genauso wenig drin sein wie pink. Auch sind Beanies (diese „sackigen“ Mützen) nur Mädchen vorbehalten. Seins darf der Große bei ihnen nicht mehr aufsetzen, eben weil er damit wie ein Mädchen aussehen würde, sagen sie.

Ich weiß zum Beispiel auch, dass sie den aktuellen Wunsch des großen Sohnes nach einer Puppe nie tolerieren würden. Puppen sind ja nun wirklich nur etwas für Mädchen (sagen sie). Mein Mann kann es auch immer noch nicht so recht glauben, freundet sich so langsam aber dann doch mit dem Gedanken an. Seine einzige Bedingung: kein rosa Puppenbuggy und die Puppe darf nicht mit in den Kindergarten zum Spielzeugtag. So ein kleines bisschen peinlich ist es ihm dann glaub ich doch. ;)

Eine Puppe muß her

Dabei ist es etwas völlig normales, dass auch Jungs mit Puppen spielen. In seiner Kindergartengruppe ist es schon länger aktuell, dass Mutter-Vater-Baby gespielt wird – mit wechselnden Baby-Kindern natürlich. Dabei ist es ihnen völlig egal, ob die Babys in Wirklichkeit 2 oder 5 Jahre alt sind – sie haben einfach Spaß.
Genauso entspannt sehe ich auch den dringenden Wunsch nach einer Puppe. Vor einigen Monaten sprach er das Thema schon mal an, allerdings nur ein Mal und dann nie wieder. Ich vergaß es, er wahrscheinlich auch. Damit das diesmal nicht passieren kann, erinnert er mich täglich mehrfach, so dass ich mich wohl nun doch intensiver mit dem Thema befassen muss. Ich persönlich finde die Stoffpuppen von Haba total schön, unser Sohn wünscht sich allerdings leider eine „harte“ Puppe, die wie ein echtes Baby aussieht. Soll er haben, die Hauptsache ist, dass er sie dann auch mag. Ich habe gestern schon mal ein bisschen bei MyToys gestöbert um ein Gefühl für die Preise und die Auswahl zu bekommen und ich fühlte mich einfach nur völlig erschlagen. Die Auswahl ist wirklich riesig – sowohl im Preis, als auch in der Puppenart. Eigentlich wollte ich den Großen komplett selbst aussuchen lassen, aber jetzt werde ich ihm nur einige zur Auswahl stellen. Ich gebe zu – es werden dann wohl auch keine für 50 oder 60 Euro sein, denn diese Summe ist mir für das Experiment und die Gefahr, dass er die Puppe nach einer Woche doch nicht mehr möchte, einfach zu hoch. 20-30 Euro finde ich aber durchaus ok und angemessen und ich bin gespannt, was er sich aussuchen wird. Glücklicherweise gibt es ja immer irgendwelche Rabatte oder Sonderaktionen die man nutzen kann, so dass die Puppe inkl. ein klein wenig Zubehör im Endeffekt wohl gar nicht so sehr teuer wird.

Eigentlich kann ich es kaum noch erwarten und bin sehr gespannt, ob sich an ihm oder seinem Verhalten etwas ändern wird. Seinem kleinen Bruder gegenüber ist er zwar meist liebevoll, aber teilweise schon recht streitlustig. Wird er das auch bei der Puppe sein?
Auf jeden Fall werde ich für die Puppe später Kleidung nähen müssen – das hat der Große schon genau festgelegt. Mache ich natürlich gern, zumal fast immer kleine Reste übrig bleiben, die man gut nutzen kann. Und die können von mir aus dann auch sehr gern pink oder rosa sein. Nur einen Stoff bekommt er nicht, obwohl er deshalb schon einen Trotzanfall nach dem anderen schob – meinen grau/rosanen Kuschelfleece mit Sternen. Denn auch ich muss nicht immer teilen …

Habt ihr Empfehlungen für mich? Lieber Stoff und doch keine harte Puppe oder sonstige Dinge, an die ich denken sollte?

3 Kommentare

  1. Anja

    Hihi, mein Großer wollte gestern auch unbedingt die rosane Brotdose haben beim Einkaufen (gabs gerade bei Lidl ;-)) und nicht die blaue die daneben lag…Seine Erzieherin hats locker gesehen und meinte auch, ist ja auch ne Farbe. Puppen für Jungs sind super, nix ist schlimmer als wenn sie in dem Alter schon zu kleinen Machos erzogen werden und nur auf „Jungsfarben“ abgerichtet sind…das machen die Kids von ganz alleine unter sich aus ;) Gibt bestimmt auch schöne andere Farben als rosa-für den Puppenbuggy..lindgrün oder sandfarben mit Blümchen drauf :)

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    1. Sandra

      haha wenn Du wüsstest :D Den Puppenbuggy haben wir schon – in lila ;) Fehlt nur noch die Puppe ….

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  2. Pingback: (Un)Gesunder Egoismus › Sandra's Testblog

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