[Rezension] „Zwölf Wasser – Zu den Anfängen“ – E.L. Greiff

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Goradt, die Stadt am Berg, könnte man fast lebensfeindlich nennen. Im Firsten (Winter) fehlt es an fast allem – auch an Brennholz, so dass sogar die Toten verbrannt werden müssen. Trotzdem ertragen die Welsen ihr Schicksal klaglos, obwohl sie vor vielen Soldern (Jahren) ein riesiges blühendes Reich besaßen und nach dem Krieg gegen Pram in die Berge verbannt wurden. Nur diese eine Stadt ist ihnen geblieben. Dazu ihr großer Stolz, ihre Sturheit und die Höhle der Undae, den hohen Frauen, die dem Wasser verbunden sind und darin lesen können.
Noch niemand hat die Undae je sprechen gehört. Die Bewohner von Goradt besuchen sie zwar und finden Trost bei ihnen, doch sprechen tun sie nicht. Bis zu diesem einen denkwürdigen Tag. Die Undae brechen ihr Schweigen und warnen die Welsen.
12 Quellen, die nie versiegen dürfen, da sonst die Menschlichkeit stirbt. 12 Quellen, die zu versiegen drohen.  3 Unda, die ausziehen werden, um Wasser zu den heiligen Quellen zu bringen. 3×3, die sie begleiten werden.
Mit dem großen Treck nach Pram am Ende des Firsten brechen auch Soldaten mit den Undae auf.  3 je Unda – ganz so wie verlangt. Doch schon auf dem Weg nach Pram werden sie überfallen von Tieren, die eigentlich die Menschen scheuen. Erste Vorboten der nahenden Katastrophe?

Anderer Schauplatz – andere Geschichte. Babu ist ein Hirte – ein sehr junger und vor allem erfolgreicher noch dazu. Seine Kafurherde ist größer, als die von manch anderen. Doch eines Tages bekommt er das Ei einer Szasla geschenkt. Fortan kümmert sich sein bester Freund um die Herde, Babu fast ausschließlich um das Ei und später um den riesigen Falken aus der alten Zeit. Doch eines Tages wird er verraten und muss fliehen. Zusammen mit Juhut, seinem Szasla, flieht er in die Berge und begegnet dem Soldaten Felt und der Unda mit dem Namen Reva. Jede der drei Unda wählte zusammen mit einem Soldaten einen anderen Weg, Felt und Reva sind auf dem Weg in Richtung Osten zu einer der am schwersten erreichbaren Quellen überhaupt. …

Zwölf Wasser - Cover

So ganz kann ich immer noch nicht glauben, dass dies das Romandebut von E.L. Greiff ist. Kaum ein Buch hat mich in den letzten Monaten so gefesselt und seit den vorletzten Harry Potter-Bänden habe ich nicht mehr so auf eine Fortsetzung gehibbelt.

Der Einstieg war komisch, aber dennoch leicht. Zumindest, wenn man logisch an die Sache rangeht, werden schnell viele Bedeutungen klar. Direkt erklärt werden sie im Anhang, den ich (leider) erst am Ende des Buches gefunden habe. Selbst Schuld, denn es gibt am Anfang sogar ein Inhaltsverzeichnis. Aber wer bitte liest das? ;) Ich zumindest nicht. Dafür habe ich auch nach Ende des Buches um so öfter in die Karte geschaut, Wege nachverfolgt und einiges viel besser verstanden.

Stellenweise fühlte ich mich gerade am Anfang ein bisschen an den Herrn der Ringe erinnert. Eine Aufgabe, die von einem erledigt werden muss, bei dem aber viele andere mithelfen, viele Gefahren, aber auch neue Freundschaften und einiges mehr. Trotzdem wurde schnell klar, dass das Buch hier besser ist als der Herr der Ringe. Und anders. Für mich jedenfalls. Ich habe im Internet immer wieder Vergleiche mit Tolkien gesehen und auch gelesen. Ich finde allerdings, dass man sie gar nicht wirklich vergleichen kann. “Zwölf Wasser” ist sehr viel menschlicher, näher dran und stimmt sehr viel nachdenklicher. Es gibt keine Orks oder Zwerge (zumindest bis jetzt noch nicht), die Undae und auch alle anderen Bewohner der Welt wirken (fast) menschlich und das Böse wird (meist) in Wölfen verkörpert. Es ist die perfekte Geschichte für alle, die der ständigen Zwerge, Elfen und Feen überdrüssig sind und endlich etwas Neues wollen.
E.L. Greiff bringt die Gefühle seiner Protagonisten perfekt rüber. Auf den Punkt genau und einfühlsam, ohne kitschig oder platt zu wirken. Trotzdem so deutlich, dass man jede Sekunde mitleidet, wissen will, wie es weitergeht und “Zwölf Wasser” am liebsten nie wieder aus der Hand legen würde. Ein Buch, dass in eine andere Welt versetzt. Eine Welt, die irgendwie besser ist als unsere, obwohl die Zeiten so viel schwerer sind. Ein Buch, das in gewisser Weise auch Hoffnung macht. Man möchte glauben, dass es auch hier, in unserer Welt jemanden gibt, der unsere Menschlichkeit am Leben erhält und für uns kämpft – auch wenn sie vielen von uns langsam verloren geht. Vielleicht sind es gerade diese Parallelen, die die Geschichte so spannend machen.

Wie bereits gesagt, zählt “Zwölf Wasser” für mich zu den besten Büchern der letzten Jahre. Ich warte bereits jetzt schon sehnsüchtig auf Band 2, der leider erst im Oktober 2013 erscheinen wird. Band 3 wird ein Jahr später folgen.
Lesen werde ich alle beide ganz bestimmt und freue mich jetzt schon auf eine spannende und gut durchdachte Geschichte, tolle Landschaften, einen grandiosen Schreibstil und ein bisschen Magie.

5/5 Sternen!!

Buchinfo

  • „Zwölf Wasser“
  • E.L. Greiff
  • dtv – premium
  • Taschenbuch
  • 608 Seiten
  • ISBN 3423249145
  • 16,90 Euro

 

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