[Rezension] „Venedig sehen und stehlen“

Harry Oldenburg ist eigentlich Deutscher, floh aber vor Jahren schon nach einem missglückten Kunstraub in die USA. Nach einem großen Streit mit seiner Freundin reist er kurzerhand zurück nach Europa, besser gesagt nach Venedig. Das passiert natürlich nicht ohne Grund. Einer ist sicherlich, dass er diese Stadt einfach liebt. Doch der andere ist, dass er zusammen mit seiner Freundin Zoe einen neuen Kunstraub geplant hatte, den er nun zumindest allein anfangen will. Schon an seinem ersten Tag lernt er eine Gruppe Kunstbegeisterter kennen, darunter auch die gutaussehende Francesca. Es kommt wie es kommen muss und schon am ersten Abend findet sich Harry mit ihr ihn ihrem Bett wieder. Als ob das nicht schlimm genug wäre, findet Harry in ihrem Atelier eine Leiche. Zusammen mit Franca beseitigt er denn Mann – nicht freiwillig, sondern weil sie ihn mit einer Waffe bedroht.
Alles beruhigt sich ein bisschen, als Zoe ihm doch nach Italien nachreist. Zusammen mit ihr plant der den Kunstraub im Guggenheim-Museum und spontan werden aus einem Stück gleich zwei. Abends treffen sie sich weiter mit den Kunstbegeisterten, die Tage verbringen sie im Museum. Franca geht er dabei so gut es geht aus dem Weg. Allein schon weil sie sich immer mehr in Zoe verwandelt, wird sie Harry mehr und mehr unheimlicher.
Der geplante Raub beginnt mit einer kleinen Katastrophe, denn die Kunstfreunde haben die beiden zu einer Vorstellung in Guggenheim-Museum eingeladen – genau am gleichen Abend. So kommt es, dass Zoe Übelkeit vortäuscht, statt dessen auf Raubzug geht und alle anderen gebannt die musikalisch recht laute Vorstellung verfolgen. Doch es kommt wie es kommen muss – der Raub zumindest des Miró wird bemerkt. ….

Direkt am Anfang des Buches erhält man bereits einen kleinen Vorgeschmack auf das Buch:

„…
So viele japanische Touristen gibt es in Venedig gar nicht. Der Geruch aus den Kanälen im Sommer ist halb so wild. Es gibt auch schönes Muranoglas. Und die moderne Kunst ist in Wahrheit eine ernste Angelegenheit.“
aus „Venedig sehen und stehlen“ von Krischan Koch

Direkt danach steigt man direkt in eine wilde Verfolgungsjagd ein, in der Harry vor der venezianischen Polizei flieht. Angesichts der Menge an Touristen, die Venedig oft bevölkern, trifft man natürlich viele Deutsche. Harry schafft es ausgerechnet, auf eine ganze Truppen Sachsen zu treffen – geschrieben natürlich in breitestem Sächsisch, so das reichlich Lacher garantiert sind ;)
Ein bisschen enttäuscht war ich, dass sich das anfänglich Lustige nicht durch das ganze Buch zieht. Immer wieder sind zwar witzige Kleinigkeiten eingebaut, aber das euphorisch lustige Lesen verflog relativ schnell. Kaum beginnt die Geschichte von Harry von Anfang an (denn der Einstieg ist nach dem Raub), ist es mehr oder weniger nur ein normaler Roman. Spannend ist er trotzdem und vor allem zum Ende hin dreht Krischan Koch noch mal richtig auf.

Der Schribstil ist super, das Buch liest sich einfach nur so weg. Die Charaktäre sind schon recht schräg, vor allem die der Kunstliebhaber in Venedig. Die ganze Zeit erhält man eine kleine Stadtführung durch Veneding und Tipps zu Restaurants. Alles erfolgt natürlich perfekt in den Roman eingebunden als Restaurants, die in Harrys Geschichte besucht werden. Am Ende des Buches findet sich jedoch eine zusätzliche Übersicht mit den Adressen, Telefonnummern und Ruhetagen. Sehr angenehm fand ich, dass zwar die Plätze und Kanäle mit den Namen genannt werden, zusätzlich aber auch so beschrieben werden, dass man sich auch ohne Venedig zu kennen, ein Bild machen kann. Ein Fakt, der mir gerade in letzter Zeit oft in Büchern fehlte.

Auch wenn das Buch vielleicht nicht durchgehend so lustig ist, wie gedacht, ist es doch absolut spannend. Die Mischung aus schrägen Typen, Stadtführung und allem, was bei Harry schief läuft ist einfach perfekt. Ich wollte das Buch gar nicht wieder aus der Hand legen und freue mich jetzt schon auf eine hoffentlich kommende neue Geschichte über Harry Oldenburg.

Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung und 5/5 Sternen!
Hier gibt es noch mal alle Infos zum Buch selbst.



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