[Rezension] „Und zum Frühstück heller Sirup“

Hier geht es noch mal zu allen Infos über das Buch selbst.

Jarle ist 25, wohnt in Bergen und ist Literaturstudent. Schon seit Jahren steckt er mit seinem Kopf tief in der Literatur und hat dabei mehr oder weniger alles um sich herum vergessen. Auch kann er schwer etwas hinnehmen, ohne darüber tiefschürfende Gedanken zu fassen. Sich einfach über etwas ärgern oder freuen? Nein, das geht nicht.
Eines Tages im Jahre 1997 bekommt er einen Brief von der Polizei. Er soll sich zu einem Vaterschaftstest einfinden. Etwa eine Woche nach dem positiven Ergebnis und nachdem er erfahren hat, dass er eine fast 7jährige Tochter hat, steht sie nun vor ihm. Ihre Mutter macht Urlaub am Mittelmeer und Jarle soll das erste Mal Vaterpflichten übernehmen.
Doch Jarle will gar kein Kind. Und so sträubt er sich total dagegen, geht auf Sauftour, während seine Tochter bei den Nachbarn ist und macht sich auch sonst keine Gedanken. Ein Kind passt einfach nicht in sein Leben, vor allem nicht jetzt – wo seine „FastFreundin“ gerade mit ihm Schluss gemacht hat.
Erst nachdem er am Tag nach der Sauftour völlig verkatert aufwacht und seine Tochter nirgendwo zu finden ist, kommt er zur Besinnung.

Proust’sche Onomastik – ein Wort, dass ich auf den ersten fast 100 Seiten noch hätte im Schlaf buchstabieren können. So kompliziert das Wort ist, so steht es doch für den kompletten ersten Teil, den Schreibstil und auch den Inhalt. Langweilig wäre übertrieben, aber es kommt dem sehr nahe. Ich musste mich regelrecht zwingen, das Buch weiterzulesen. Jarle’s Gedanken waren teilweise viel zu abschweifend. So wurden aus dem Augenblick, als er seine Tochter das erste Mal sieht, glatt 18 Seiten abschweifende Gedanken über das Leben, ihren Namen und Prinzessin Di – erst dann geht es mit der eigentlichen Geschichte weiter. Für mich war es oft zu viel des Guten.
Auch wenn Jarle’s plötzliche Erleuchtung und sein Bestreben, sich zu ändern, sehr plötzlich kommen, so möchte man es doch glauben. Es macht ihn sympathisch und ab dem Moment ändert sich auch das Buch. Die Literatur und Philosophie tritt in den Hintergrund, Lotte und seine Beziehung in den Vordergrund. Als noch Jarle’s Mutter überraschend auftauscht, nimmt das ganze Buch sehr angenehme Züge an und lässt sich einfach und oft sogar mit Freude lesen. Ich konnte plötzlich sogar die Bewertung der „Aftenposten“ nachvollziehen: „Amüsant, ironisch und warmherzig“. Vielleicht fehlte mir für die Ironie der intellektuelle Zugang, denn ich habe sie nicht so erkannt. Mit den anderen beiden Beschreibungen gehe ich jedoch mehr oder weniger mit. Warmherzig ist es auf jeden Fall, denn Lottes Geschichte ging mir schon sehr nah.

So anstrengend der Schreibstil am Anfang ist, so locker und erfrischend wird er ab der 2. Hälfte des Buches. Leider ist die Geschichte etwas vorhersehbar und wirkt konstruiert. Auch ist die Idee schon relativ alt. Vielleicht habe ich auch das Grundkonstrukt schon zu oft gehört. Auch hat sich mir nicht wirklich erschlossen, warum das Buch unbedingt in 1997 spielen muss. Ok, der Unfalltod von Prinzessin Di. Aber warum muss man dann immer wieder das Jahr erwähnen? Es klingt fast so, als wolle T. Renberg  den Leser immer wieder in die Vergangenheit zwängen. In ein Jahr, an dass sich die jüngeren Leser vielleicht gar nicht mehr unbedingt erinnern können.

Für mich ein Buch, bei dem „Durchhalten“ ganz oben auf der Liste steht. Durchhalten, denn ab der 2. Hälfte wird es besser.

Von mir gibt es 3/5 Sternen.

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