[Rezension] „Stimmen in der Nacht“ – Laura Brodie

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Emma Greene ist Literaturprofessorin am College. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter Maggie relativ abgeschieden in einem hübschen kleinen Häuschen auf dem Land. Ein Leben, dass sie liebt – das aber eines Tages jäh zerstört wird.
Eines Abends verirren sich 3 Studenten auf das Grundstück der Familie. Ausgerechnet an dem Abend ist Emma’s Mann nicht zu Hause und sie mit ihrer 5jährigen Tochter allein. Nach einigen Wortgefechten mit den Studenten kommt es zur Katastrophe. …

9 Jahre später lebt Emma mit ihrem Vater zwar in der Stadt, aber immer noch in der gleichen Gegend. Die beiden haben sich mit ihrem Leben arrangiert, auch wenn Maggie mit dem starken Beschützerinstinkt ihres Vaters nicht wirklich einverstanden ist und sich deshalb sogar für ihn schämt.
Maggie ist im ersten Jahr an der Highschool. Sie ist eine gute Schülerin und vor allem Mathe lag ihr immer. Doch seit Schulbeginn ist alles anders. Träume aus vergangenen Zeiten quälen sie und lassen sie nicht zur Ruhe kommen. Ihre neue Lehrerin Grace Murdock ist ihr unheimlich, auch wenn sie nicht sofort weiß, warum. Nie sieht sie Maggie in die Augen und auch sonst scheint sie sich eher von ihr fernzuhalten.

Doch eines Tages fällt es Maggie wie Schuppen von den Augen. Das Gesicht ihrer Lehrerin hat sie schon einmal gesehen. Vor 9 Jahren, als sie zusammen mit 2 anderen Studenten in das Haus ihrer Familie kamen. …

Und auch wenn dies alles noch nicht mal bis zum ersten Drittel des Buches passiert – mehr kann ich leider nicht verraten, ohne euch den kompletten Lesespaß zu nehmen. …. 

"Stimmen in der Nacht" - Cover

Wie oft geht man mit einer vorgefassten Meinung an ein Buch? Man liest den Klappentext und meint schon im Vorfeld, die groben Strukturen erkannt zu haben und das wichtigste zu wissen. So geht es mir ja auch sehr oft  – so auch dieses Mal. Doch ich musste erkennen, das nichts so ist, wie es scheint – vor allem nicht in diesem Buch. Ich würde gern so viel sagen, denn es gibt auch viel zu sagen. Aber leider würde ich damit schon den kompletten Plot verraten. Eine Geschichte, die voller Wendungen ist.

Erzählt wird in 3 großen Kapiteln, die jeweils eine andere Person betreffen. Gestartet wird jedoch im Prolog mit einem Teil der Geschehnisse aus eben jener Nacht. Den Rest erfährt man häppchenweise im Laufe der Geschichte. Und auch wenn es in einem Großteil des Buches um die Vergangenheit geht – spannend ist es trotzdem von der ersten bis zur letzten Seite.

Selten hat mich ein Buch so in seinen Bann gezogen. Trotzdem ich dank 2er Kinder kaum noch zum Lesen komme, brauchte ich nur wenige Stunden für die 333 Seiten. Ich konnte es einfach nicht weglegen, fühlte mich fast wie in einer anderen Welt. Einer Welt voller Abgründe, Spannung, Schmerz und Schuldgefühlen, aber auch der Kraft weiterzumachen. Nicht nur Maggie und ihr Vater leiden, auch Grace Murdock leidet unter starken Schuldgefühlen. Sie war in jeder Nacht dabei und kann erst jetzt – inzwischen selbst Mutter – erahnen, wie Maggie sich die ganzen Jahre gefühlt haben muss. Und doch scheint sie in all den Jahren nicht wirklich reifer geworden zu sein, wie ihre Denkweise immer wieder durchblicken lässt.

Laura Brodie erzählt nicht nur eine großartige Geschichte, die spannend und einfühlsam ist. Sie schafft damit auch perfekte und authentische Charaktäre. Egal ob die sanfte und einfühlsame Maggie, ihr Vater, der im Nachhinein alles tut, um seine Tochter zu beschützen oder Mrs. Murdock in ihrer recht eigenen, fast kindlich naiven Art.

„Stimmen in der Nacht“ ist ein sehr intensives Buch, dass sich zwar sehr schnell und gut liest, aber den Leser auch nachdenklich hinterlässt und zeigt, dass Rache nicht alles ist.

Von mir gibt es 5 von 5 Sternen und eine unbedingte Leseempfehlung!

Buchinfo

  • „Stimmen in der Nacht“
  • Laura Brodie
  • dtv premium
  • Taschenbuch
  • 336 Seiten
  • ISBN: 978-3423249126
  • Leseprobe (Seite des dtv)
  • 14,90 Euro

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