[Rezension] „Sommer in St. Ives“ – Anne Sanders

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Sechs Wochen Familienurlaub in einem kleinen Fischerdorf mitten in Cornwall? Fast alle Mitglieder der Familie Lessing könnten sich wirklich schöneres vorstellen, doch wenn die resolute Großmutter Elvira ruft, dann tut man besser, was sie sagt. Keinem ist so richtig klar, warum Elvira sie alle für so eine lange Zeit um sich haben möchte, denn für einen letzten Wunsch ist sie eigentlich mit ihren 73 Jahren noch ein wenig zu jung und soooo eng sind die Familienbande nun auch nicht. Doch kneifen kommt nicht in Frage und so reisen die fünf, die sich zu Hause in München lieber aus dem Weg gehen, am ersten Todestag ihres Vaters bzw. Großvaters nach St. Ives.
Kaum angekommen staunen sie nicht schlecht, denn das vermutet winzige Cottage als Urlaubsherberge entpuppt sich als riesiges Haus mit noch viel größerem Garten. Doch das ist erst die erste von vielen weiteren Überraschungen, denn schon kurz nach ihrer Ankunft lässt Elvira eine Bombe platzen, die ihre Familie gehörig durcheinander bringen wird. ….

Die Lessings sind eine Familie, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnte. Da wäre zum Beispiel der tiefenentspannte Vater, der als einziger die Auszeit wirklich zu genießen scheint, auch wenn Tochter Lola (26), aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, sich nach und nach entspannt und es ihm gleich tut. Ganz anders ist da die 29jährige Lynda, die schon im Flieger nach England rumzickt und nur ihre Arbeit sieht. Sie scheint dabei ganz nach ihrer Mutter Samantha zu kommen, denn auch sie entpuppt sich im Laufe der Geschichte als furchtbar anstrengend. Bis auf den 17jährigen Luca verbirgt jeder seine Geheimnisse vor dem Rest der Familie, doch sechs Wochen sind eine lange Zeit.  ….

Sommer in St. Ives - Cover

Erholung und Entspannung sieht für die Mitglieder der Familie Lessing garantiert nicht so aus, wie diesmal in St. Ives. Immer auf Konfrontation mit den anderen, immer darauf bedacht, die eigenen Probleme zu verstecken und immer in Gegenwart von Großmutter Elvira. Und die ist nun wahrlich nicht gerade eine einfache Frau! In ihrer Kindheit sehr streng und fast ohne Liebe erzogen, ist sie heute ein sehr praktisch denkender und direkter Mensch, der andere auch gern mal vor den Kopf stößt, ohne es wirklich zu merken. So wie mit ihrer Offenbarung, die sie ihrer Familie schon am 2. Tag nach der Anreise macht. Wirklich feinfühlig war es nicht und eigentlich kümmert es sie auch gar nicht so recht, wie es ihrer Familie damit geht. Trotzdem konnte ich beim Lesen gar nicht anders und fand die resolute Frau, die in ihrem Leben so viel durchmachen musste, auf Anhieb sympathisch. Zu viel kann ich hier allerdings nicht erzählen, denn sonst würde ich die Geschichte und das Geheimnis schon vorweg nehmen….

Was auf den ersten Blick nach Familiendrama klingt, ist eigentlich eine sehr schöne und romantische Geschichte, die trotz vieler Sentimentalitäten überhaupt nicht kitschig rüberkommt. Obendrein ist sie sogar noch ziemlich lustig und gerade Elviras trockene Sprüche sorgten bei mir immer wieder für reichlich Lacher. Natürlich, wie es sich für einen schönen Sommerroman gehört, entwickelt sich auch eine Beziehung, bei der ich mich für Lola besonders gefreut habe. Wenn es einer verdient hat, dann sie!
„Sommer in St. Ives“ wird in zwei Strängen erzählt, die sich in der Regel abwechseln: Da ist zum einen die Gegenwart, die der Leser aus der Sicht von Lola erlebt. Dann ist da aber noch die Vergangenheit, in der man Elvira’s Geschichte erlebt und erfährt, welchen Bezug sie zu St. Ives und eben jenem Haus hat, in dem die Familie Lessing Urlaub macht.

Anne Sanders schuf eine wunderschöne Geschichte über Familienbande, die große Liebe und unvergessliche Orte. Es geht darum, Mut für einem Neubeginn zu haben, anderen zu verzeihen, aber auch sich selbst sein Glück zu gönnen. Es ist ein unglaublich vielschichtiger Roman, der sich so gut liest, dass man völlig in der Geschichte versinkt, lacht, weint und ihn am liebsten gar nicht aus der Hand legen würde. Man fühlt sich beim Lesen fast ein wenig in St. Ives zu Hause und schmeckt schon fast die salzige Luft, während man am Ende einfach glücklich zurückbleibt, dass man diese verrückte Familie mit ihren Ecken und Kanten eine Zeit lang begleiten durfte.

„Sommer in St. Ives“ ist ein großartiger Roman, den es sich wirklich zu lesen lohnt. Vor allem dann, wenn ihr nicht in den Urlaub fahren könnt. Dank der malerischen Beschreibungen der Umgebung gibt es das Urlaubsfeeling nämlich gleich mit dazu.

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Buchinfo

  • „Sommer in St. Ives“
  • Anne Sanders
  • blanvalet
  • broschierte Ausgabe
  • 416 Seiten
  • ISBN 376450546X
  • Erscheinungsdatum: 24. Mai 2016
  • 14,99 Euro

(Das Buch wurde mir für diese Rezension kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt. Meine Meinung beeinflusst das nicht.)
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2 Kommentare

  1. Klaus Sucher

    Das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen seltsam an, aber nach Ihrer Rezension habe ich mal nach St. Ives gesucht, Unterkunftsmöglichkeiten etc. Aber natürlich werden wir zuerst einmal lesen. Danke für diese Anregung. :-)

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  2. Lisa

    Den Rezensionen nach zu urteilen, ein tolles Buch. Werde es mir kaufen und berichten =) Vielen Dank!

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