[Rezension] „Sehet die Sünder“ – Liv Winterberg

Werbung

Saint Mourelles in der Bretagne. Das Leben der Dorfbewohner ist nicht einfach, schon gar nicht in diesem harten Winter im Jahre 1440. Als der erste Junge verschwindet, glaubt man noch, dass er weggelaufen ist. Zusammen mit den Spielleuten, die er so bewunderte, weitergezogen. So schwer es für die Eltern ist, versuchen sie doch, damit zu leben. Doch schon kurze Zeit später wird erneut ein Mädchen vermisst. Inzwischen glaubt keiner mehr daran, dass der Junge weggelaufen ist, sondern alle befürchten das Schlimmste – spätestens, als eine Leiche gefunden wird. Und dann noch eine und noch eine.
Das dörfliche Leben kommt fast völlig zum Erliegen, denn jeder beschuldigt den anderen, der Mörder zu sein. Bauer Mathis jedoch glaubt, dass der Täter in Richtung des Schlosses zu suchen ist. Dem Schloss des Barons Amédé de Troyenne, dem nachsichtigen und beliebten Lehnsherren der Dorfbewohner. Keiner im Dorf ahnt, dass der Baron, der gern rauschende Feste feiert, eigentlich an akutem Geldmangel leidet. Seide Ausgaben deckt er regelmäßig über Grundstücksverkäufe, von denen nicht einmal seine Frau Bérénice immer etwas weiß.
Doch auch der Pfarrer des kleinen Dorfes ist nicht untätig und bittet seinerseits den Bischof von Nantes um Hilfe. Auch wenn man hier den Ernst der Lage lange verkennt, kommt die Rettung doch von Seiten der Kirche.

Wenn man schon mit dem ersten Buch einen Volltreffer landet, hängt die Messlatte beim zweiten Buch oft um so höher. Auch meine Erwartungen waren nach Liv Winterberg’s erstem Buch „Vom anderen Ende der Welt“ sehr hoch. Ich fand es toll – es war locker und leicht geschrieben, vermittelte historisches Wissen, war spannend und einfach gut geschrieben. Ähnliches zumindest erwartete ich nun auch bei „Sehet die Sünder“.

Die grobe Aufteilung ist ähnlich dem ersten Buch, denn auch hier startet man wieder mit einer Personenauflistung, um sich in der Geschichte selbst besser zurechtzufinden. Am Ende des Buches folgt dagegen wieder der historische Hintergrund, denn auch diese Geschichte ist in Teilen so oder so ähnlich passiert. Und schlussendlich darf auch wieder das Glossar nicht fehlen.

Anders als im ersten Buch brauchte ich hier eine ganze Weile, um überhaupt in die Geschichte reinzukommen. Nun sind historische Romane zwar Bücher, die ich lese, aber sie werden nie zum Lieblingsgenre gehören. Hierfür würde ich der Autorin also noch nicht mal einen Vorwurf machen. Jedoch fehlte mir die Leichtigkeit aus dem ersten Band und die tolle Erzählweise, die mich oft glauben ließ, ich wäre direkt dabei. Und auch wenn die Geschichte recht langsam mit der Liebesgeschichte von Mathis und Catheline beginnt, tat ich mich recht schwer. Ich schwankte regelmäßig zwischen Langeweile und Verwirrung, denn gerade bei den vielen Namen, die fast sofort eingeführt werden, musste ich oft nachlesen.
Etwa ab der Mitte des Buches kommen die Ermittlungen und Verwirrungen rund um die Vorkommnissen in Saint Mourelles doch in Schwung. Gerade zum Ende hin hatte ich jedoch oft das Gefühl, dass sich die Dinge nun überschlagen und im Vergleich zum Rest des Buches und seinem Tempo viel zu schnell unterwegs sind. Für mich passte es nicht so richtig, obwohl es am Ende wirklich eine runde Geschichte ergibt.

Liv Winterberg schreibt hier längst nicht so locker und unbekümmert wie in „Vom anderen Ende der Welt“. Teilweise wirkte es so, als wollte sie möglichst viel historischen Hintergrund an den Leser bringen und verlor sich zwischendrin in fast belehrend klingenden Begebenheiten und Erklärungen. Trotzdem ist eine sehr nette Geschichte rund um das Leben und Denken im 15. Jahrhundert entstanden. Fans historischer Romane finden es bestimmt ein tolles Buch, von mir gibt es jedoch nur 3 Sterne.

Buchinfo:

  • „Sehet die Sünder“
  • Liv Winterberg
  • dtv premium
  • Taschenbuch
  • 432 Seiten
  • ISBN 3423249404
  • Erscheinungstermin: 1. 1.2013
  • Preis: 14,90 Euro

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.