[Rezension] „Puppenhaus“ – Sabine Friedrich

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Doris lebt mit ihrem Mann Bertram mitten auf dem Dorf, irgendwo an der Grenze zu Thüringen. Idyllisch ist es, aber auch langweilig. Für ihrem Mann gar kein Problem, schließlich ist er da geboren und findet als Tierarzt reichlich Arbeit vor. Doris dagegen, die ursprünglich aus Hamburg stammt, trauert ihrem alten Leben hinterher. Niemand hat sie damals gefragt, ob sie überhaupt umziehen will. Und so ist sie alles andere als glücklich und lässt dies Bertram immer wieder durch ihre bissige Art spüren. Gefangen in Einsamkeit und ihren Depressionen ist der einzige Lichtblick in ihrem Leben ihr großes Puppenhaus. Einen Großteil der Sachen bastelt sie selbst, sogar einen Lebenslauf hat jede Figur! Täglich verkriecht sie sich so für ein paar Stunden in eine andere Welt. Eine heile Welt.
Eines Tages zieht in das leerstehende Haus gegenüber eine neue Mieterin ein. Lea. Auch wenn Lea und Doris sich vom Alter her nicht so sehr unterscheiden – zwischen ihren Ansichten liegen Welten. Doris könnte man fast als spießig bezeichnen, während Lea mit ihren Selbstfindungs- und Yogakursen fast das komplette Gegenteil ist. Und doch freunden sie sich im Laufe der Monate an, was sicher auch an Lea’s kleiner Tochter Laura liegt. Doris kümmert sich eine Zeit lang täglich um die Kleine und schließt sie in ihr Herz.
Alles könnte so langweilig und beschaulich bleiben wie es war, doch da ist Lea’s Ex-Mann, wegen dem sie aus München floh. Ist er es, der Lea auch jetzt beobachtet und verfolgt? Oder ist es vielleicht einer der Männer aus dem Dorf, die plötzlich alle nur noch Augen für Lea zu haben scheinen?
Und dann findet man eines Tages eine Leiche im Dorf. Die Situation droht zu eskalieren  …

Puppenhaus

Mit Büchern, bei denen man schon während der ersten 10 Seiten Tränen lacht, ist das so eine Sache. Dieses Niveau zu halten, ist nicht immer einfach, schließlich erwartet man als Leser, dass das Buch auch so weitergeht, wie es begann. Sabine Friedrich ist das halbwegs gut gelungen. Es gibt zwar ein paar „längere Phasen“, aber nie wird es langweilig, immer bringt einer der Protagonisten wieder einen der oft so trockenen Kommentare.

Die Beschreibung „ein Roman mit Morden“ trifft es eigentlich ziemlich gut, denn auch wenn der Krimi-Teil eine ganze Zeit lang im Vordergrund steht und auch für reichlich Spannung sorgt, geht es doch hauptsächlich um Doris und ihre Beziehung zum Rest der Welt. Vor allem um Doris und Lea. Die frustrierte Hausfrau kommt durch Lea endlich aus ihrem Schneckenhaus und trifft, dank Laura, sogar endlich ein paar Entscheidungen.

„Puppenhaus“ ist ein locker-leichter Frauenroman, der sich angenehm schnell und einfach liest. Und auch wenn man es gar nicht unbedingt erwarten würde – der Roman hat sogar eine gewisse Tiefe. Vermittelt es uns doch, dass man sich nur trauen muss, aus sich rausgehen muss. Und das Veränderungen nicht unbedingt etwas schlechtes sind – egal wie groß oder klein sie sind. Sie können sogar vieles besser machen.

Wer auf ein bisschen Spannung, viel Heimatgefühl und witzige Bücher steht, wird „Puppenhaus“ ganz sicher mögen!

Von mir gibt es 4/5 Sternen!

Buchinfo

  • „Puppenhaus“
  • Sabine Friedrich
  • dtv
  • Taschenbuch
  • 432 Seiten
  • ISBN: 3423209364
  • Erscheinungstermin: 1.11.2006
  • 9,90 Euro

 

Übrigens wird Sabine Friedrich auch auf der Frankfurter Buchmesse 2012 sein!

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