[Rezension] „Lied der Wale“ – Daniel Thomas

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Eigentlich könnte Leah’s Leben richtig entspannt sein, schließlich hat sie einen tollen Sohn, ihren Job beim „Washington Chronicle“ und ihren mehr-oder-weniger-Freund Geoffrey. Doch die Arbeit nervt oft, Geoffrey drängt sie zu viel mehr, als sie zu geben bereit ist und auch sonst nagen Dinge aus der Vergangenheit an ihr. Ihre Blamage vor David McGregor zum Beispiel treibt ihr auch heute noch die Schamesröte ins Gesicht. Schon allein dafür hasst sie ihn, für etwas anderes allerdings noch viel mehr.

McGregor war einst ein gefeierter Wall-street-Guru, aber wie sie alle scheiterte er irgendwann und verschwand von der Bildfläche. Nicht lange allerdings, denn inzwischen schützt er auf oft recht unkonventionelle Art die Natur, anstatt seinen Anlegern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wenn man Gerüchten glauben darf, rammt er dabei nicht nur andere Schiffe, sondern bereichert sich auch an Spendengeldern – ein gefundenes Fressen für die ehemalige Wirtschaftsjournalistin Leah. Sie will McGregor auf den Zahn fühlen und begibt sich an Board seines Schiffes. Zusammen mit seiner Mannschaft will sie einige Tage im Golf von Alaska verbringen und dabei angeblich über Wale und die Arbeit der Crew schreiben.

Doch es passieren Dinge, mit denen Leah nicht gerechnet hätte. Der Mann, den sie abgrundtief hasst, lässt sie immer noch nicht kalt. Genauso wenig wie die Dinge, die die Männer Tag für Tag auf See erleben. Am Ende kommt es, wie es kommen musste. Leah verlässt völlig verändert das Schiff. …

das Cover von "Lied der Wale"

Perfekt getimt zum Beginn der Sommerferien kommt mit „Lied der Wale“ ein wunderschöner Frauenschmöker mit einem sehr wichtigen Thema auf den Markt – die Rettung der Wale. Was im ersten Moment vielleicht abgedroschen klingt, wurde perfekt in das Buch integriert, ohne dabei den mahnenden Zeigefinger zu erheben. Eher so ganz nebenbei wird der Leser an das Thema „Walrettung“ und vor allem Fisch(bei)fang herangeführt – immer integriert in die Geschichte um Leah und um McGregor.

Der Anfang des Buches war für mich recht holperig, denn ich persönlich mag es einfach nicht so gern, direkt mit sehr vielen Personen konfrontiert zu werden. Im Laufe des Buches relativiert es sich allerdings ganz schnell wieder, denn viel mehr werden es nicht und es bleibt bei Leah’s Redaktion und der Crew der „SeaSpirit“.
Viel größere Probleme als mit den Personen hatte ich allerdings mit dem Schreibstil der beiden Autoren. Hinter Daniel Thomas stecken eigentlich Daniel Maximilian und Thomas Pauli – beide schrieben in der Vergangenheit viele erfolgreiche Drehbücher für Spielfilme und Fernsehserien und ich finde, das merkt man auch im Buch. Die Überblenden auf das nächste Kapitel wirken teilweise drehbuchartig, was am Anfang einfach sehr ungewohnt und teils sogar ein bisschen nervig ist. Auch ist die Wortwahl in der ersten Hälfte des Buches oft seltsam und teils auch anstrengend. Wer sagt schon „Filius“ statt „Sohn“ oder aber „ausbedungen“ anstatt „fordern“? In einem normal geschriebenen Roman fallen solche Worte schon extrem auf, sind aber immer noch in Ordnung, so man sie denn versteht. Bei wenigen Worten musste ich allerdings auch passen, so wusste ich nur aus dem Zusammenhang, dass „Adlatus“ sicherlich „Gehilfe“ oder ähnliches bedeuten musste. – Alles Dinge, die den Lesespaß zumindest zeitweise trüben.
Im krassen Gegensatz zu diesen sprachlichen Schnörkeln steht dagegen allerdings auch wieder die oft recht platte und sehr einfache Ausdrucksweise vor allem der Dialoge, die auch aus der Feder eines 14-jährigen Schülers stammen könnten. Einzig die Erzählungen mit direktem Bezug zu den Walen und vor allem ohne Dialoge finde ich wunderschön geschrieben. Teilweise lesen sie sich auch völlig anders. Besser irgendwie.
Aber ich will gar nicht so viel meckern, denn eigentlich ist es ein wirklich schönes Buch, dass sich etwa ab der Hälfte, wenn man die kurzfristige lateinische Phase der Autoren überstanden hat, wirklich gut liest. Was vorher eher verkrampft wirkte, läuft plötzlich von ganz allein und nicht nur die Beziehung zwischen David und Leah nimmt Fahrt auf. Schlussendlich wurde es doch noch so spannend, dass ich das Buch gar nicht mehr zur Seite legen konnte und wollte.

Die beiden Autoren genießen meinen höchsten Respekt, dass sie sich an das schwierige Thema Walfang herangetraut haben und daraus eine wirklich schöne Geschichte mit Nachklang geschaffen haben. Die Tierszenen sind durchweg wirklich gut geschrieben, auch wenn sie erschreckend offen und erschütternd sind.
Für mich hat das „Lied der Wale“ trotz der kleinen sprachlichen Schwierigkeiten einen absolut positiven Nachklang – sowohl der Geschichte, als auch der Botschaft wegen. Das heißt nicht, dass sich nun alle Leser sofort für Wale engagieren müssen. Vielmehr sollte jeder von uns zusätzlich auch auf Kleinigkeiten achten, zum Beispiel wo man seinen Fisch kauft oder aber auch auf die FOS- bzw. MSC-Siegel. Die sind zwar leider auch nicht wirklich zuverlässig (hier gibt es mehr zum Thema), aber es ist immer noch besser als Fisch ohne nachhaltige Fischerei.

Also – Taschentücher und den Liegestuhl schnappen, das „Lied der Wale“ dazu und lesen! Von mir gibt es für das Thema selbst 5 Sterne. Die Story bzw. eher der Schreibstil hätte definitiv mehr Potenzial gehabt, deshalb gibt es für die Umsetzung nur 3 – macht aber insgesamt 4 Sterne und immer noch ein „Lesenswert“!

Buchinfos

  • „Lied der Wale“
  • Daniel Thomas
  • dtv premium
  • Taschenbuch
  • 416 Seiten
  • ISBN 3423249625
  • Erscheinungsdatum: 1. Juli 2013
  • 14,90 Euro

1 Kommentar

  1. Danny

    das hört sich alles sehr interessant an und als kleiner wal fan kommt das buch nun auf meine wunschliste

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