[Rezension] „Krieg ich schulfrei, wenn du stirbst?“ – Jess Jochimsen

Werbung

Warum müssen es immer todlangweilige Erziehungsratgeber sein? In „Krieg ich Schulfrei, wenn du stirbst?“ geht Jess Jochimsen einen etwas anderen Weg. In diversen Kurzgeschichten – alle nicht viel länger als 2-3 Seiten – erzählt er von Tom, Tom’s Vater und den Umgang mit dem Chaos. Und Tim stellt immer etwas an: Er füttert Parkuhren mit seinem eigenen Taschengeld, vergräbt Mama’s Ohrringe beim Pirat spielen in der Baugrube nebenan. Er schmeißt Kleidung und Lebensmittel in den Müllcontainer der Schule, damit die ältere Frau, die die Container durchsucht, etwas zu essen und zum Anziehen hat. Er betreibt einen regen Handel mit den kleinen Fußball-Sammelbildchen – der einzig wahren Währung auf dem Schulhof. Er fragt seine Oma aus heiterem Himmel, ob er eigentlich Schulfrei bekommt, wenn sie stirbt, besucht mit seinem Vater eine wildfremde Beerdigung und sagte Tante Gundel, dass er sie überhaupt nicht mag. Man soll ja auch nicht lügen. Egal was er anstellt, sein Vater ist (fast immer) stolz auf ihm. Auch wenn er es so vielleicht nicht zugibt. Kann man auch schlecht, wenn der eigene Sohn den Müllcontainer mit der eigenen Kleidung und Lebensmitteln füttert. Aber in Gedanken ist er stolz.

Cover

Wie gesagt – es muss nicht immer der biedere und ernste Erziehungsratgeber sein. Jess Jochimsen macht mit seinen Kurzgeschichten zu verschiedenen Begebenheiten nicht nur gute Laune, sondern auch Mut. Er zeigt, dass auch andere Väter oft kurz vorm Rande des Nervenzusammenbruchs stehen und oft nicht weiterwissen oder sich als Versager fühlen, weil sie vielleicht nicht alles im Einzelnen erklären können. Aber er macht auch Mut, mit seinen Kindern mitzulachen und stolz auf sie zu sein. Schließlich hat man ja schon einiges richtig gemacht, wenn der eigene Sohn die Kleidung der Familie einer armen Frau schenkt oder wildfremden Menschen sein Taschengeld in die Parkuhren opfert. Klar, dass man natürlich auch schimpfen muss und nicht alles eitel Sonnenschein ist.

Und so ganz nebenbei bekommt der Leser gleich noch ein paar praktische Tipps mit auf den Weg. So habe ich gelernt, dass man fehlende einzelne Sammelbildchen auch bei den Herstellern kaufen kann (es sogar können muss, damit es kein Glücksspiel ist) und ich weiß endlich, was eine stumme Karte ist. Ich hoffe nur, dass ich mich auch noch daran erinnere, wenn meine Kinder in der Schule sind.

„Krieg ich schulfrei, wenn du stirbst?“ ist zwar nicht lang und liest sich sehr schnell, aber es macht richtig Spaß. Die Länge der Geschichten und auch des Buches selbst ist ideal für den typischen, nicht-lesenden Mann. Doch auch Frauen werden ihren Spaß damit haben. Man muss nicht mal Kinder dafür haben, wobei es mit einem gewissen Hintergrund gleich noch mehr Spaß macht. Zugegeben – einige der Geschichten sind in ihrer Art nicht neu. Aber wen interessiert das? Mich nicht, denn ich habe mich prächtig amüsiert. Und inzwischen liest mein Mann das Buch. Freiwillig.

Von mir gibt es 5/5 Sternen!

Buchinfo:

  • „Krieg ich schulfrei, wenn du stirbst?“
  • Jess Jochimsen
  • dtv
  • Taschenbuch
  • 160 Seiten
  • ISBN 3423347155
  • Erscheinungstermin: 1.9.2012
  • Leseprobe (Angebot des dtv)
  • 7,90 Euro

Übrigens wird auch Jess Jochimsen auf der Frankfurter Buchmesse 2012 sein!

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.