[Rezension] „Immer wieder das Meer“ – Natasa Dragnic

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Roberta, Lucia und Nannina – 3 Schwestern, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Verbunden durch ihre Eltern und die Liebe zu ihnen und der Liebe zum Meer. Zerstritten durch die Liebe zu einem Mann.

Roberta war verlobt, als sie Alessandro das erste Mal begegnete. Für ihn verließ sie ihren schwer erkrankten Freund und fuhr allein nach Florenz, um dort Alessandro wiederzutreffen, den sie erst einen Tag vorher kennengelernt hatte. Eine Beziehung begann, die Jahre anhalten sollte – auch wenn Roberta dabei nicht immer glücklich war. Oft trennte sie sich von ihm, war zu enttäuscht, dass er sich wochenlang nicht bei ihr meldete.
Irgendwann während einer Trennungsphase lernte Lucia ihn kennen und nach einiger Zeit auch lieben. Aber was sah er in ihr? Für ihn vergaß sie alles, selbst ihren damaligen Freund, der sie unbedingt heiraten wollte. Er dagegen meldete sich auch bei ihr immer weniger, irgendwann gar nicht mehr.
Die einzige, die ihm nicht erliegt, ist Nannina. Die jüngste der drei lernt ihn erst spät kennen – sehr spät. Zu dieser Zeit wohnt Roberta bereits in den Staaten, weit weg von Alessandro. Auch zwischen Lucia und ihm läuft nichts mehr und doch sagt ihm Nannina ganz klar, dass er sie nicht bekommen wird. Zu groß ist die Angst vor einem erneuten Familienstreit. Einem Streit, wie er bereits zwischen Roberta und Lucia entbrannt ist – obwohl Roberta zu dem Zeitpunkt schon keinerlei Ansprüche mehr auf Alessandro hatte.

Die Begegnungen ziehen sich über Jahre hin. Jahre, in denen es glückliche, aber auch zerstrittene Tage gibt. Tage, an denen gefeiert und an denen getrauert wird. Erst um die Mutter, wenig später über den Vater. Tage der Verzweiflung und Tage der Verwirrung. …

immer wieder das meer

Verwirrung ist genau das richtige Wort. Wer bereits Jeden Tag, jede Stunde von Natasa Dragnic gelesen hat, weiß in etwa, was ihn hier erwartet. Kurze Sätze, nur wage gezeichnete Charaktäre, teils verwirrende Dialoge, die sich später aufklären. Die Kapitel selbst teilweise genauso verwirrend. Lässt man sich nicht auf das Buch ein, ist man verloren und hat kaum eine Chance, ihm und der Autorin zu folgen. Findet man aber einen Zugang, wird man mit einem tollen Roman belohnt.

Mit „Immer wieder das Meer“ bleibt Natasa Dragnic ihrem Stil treu. Die Kapitel sind noch verwirrender, springt man als Leser doch zwischen der Gegenwart in Ich-Form, Erzählungen aus der Vergangenheit und mindestens einem weiteren Strang zur Pflege der Eltern hin und her. Wer die Hauptperson in der Ich-Form spielt und damit auch Alessandro heiratet, bleibt bis zum Ende verborgen – auch wenn ich es mir recht bald denken konnte. Auch wer die Eltern pflegt, bleibt verborgen – einzig im Strang der Vergangenheit werden Namen genannt. Vor allem am Anfang fand ich es sehr anstrengend und konnte mich eigentlich erst auf den letzten Seiten damit anfreunden. Trotzdem mochte ich die kurzen Gegenwarts-Kapitel, den sie erzeugen Spannung. Eine Spannung, die dem Roman sonst fehlt.

Es ist eine Geschichte über den Verlust. Nicht nur den Verlust eines geliebten Menschen, auch dem der Eltern. Dem stückweisen Abschied bei Krankheit. Dem Verlust von Freunden und Familie, dem Gefühl des Alleinseins. Eigentlich ein sehr tragischer Roman, auch wenn die Anlass der Hochzeit ein sehr schöner ist. Doch der Weg dahin war steinig, führte über viele Streitereien und entfremdete die drei Schwestern noch mehr, als es ihre unterschiedlichen Lebenswege bereits taten.
Um die Handlungen der Schwestern zu verstehen, darf man nicht viel nachdenken. Man könnte sich fragen, was sie in Alessandro sehen – dem Mann, der immer mal wieder da und dann wochenlang weg ist. Dem Mann, der ihnen keine Hoffnungen macht und der in der Geschichte fast unbeschrieben bleibt, den sie aber trotzdem so sehr lieben, dass er DER eine Mann für sie ist. Ein Mann, dem Roberta selbst nach 20 Jahren noch nachtrauert.

Mir fiel es zugegeben diesmal eher schwer, mich auf die Geschichte einzulassen. Zu chaotisch fand ich die Kapitel am Anfang, zu langatmig das ganze Buch. Auch wenn die Geschichte im letzten Buchdrittel etwas gestrafft vorwärts geht, ist es bis dahin doch ein weiter Weg.
Anders als „Jeden Tag, jede Stunde“ hinterlässt „Immer wieder das Meer“ bei mir leider keinen so starken Nachklang. Zu wenig kann ich mich mit der Philosophie des Buches „Nur wenn man leidet, lebt man“ identifizieren. Im Nachhinein habe ich das Gefühl, ein nettes Buch gelesen zu haben, fühle mich aber mit keiner der Alessi-Schwestern tiefer verbunden. Für mich bleibt es ein netter, aber trauriger Familienroman, den ich wahrscheinlich trotzdem noch einmal lesen werde. Dann mit dem Wissen um das Ende, was sicher vieles klarer machen wird. Ich bin gespannt, wie es dann sein wird.

Buchinfo

  • „Immer wieder das Meer“
  • Natasa Dragnic
  • Deutsche Verlags-Anstalt
  • gebundene Ausgabe
  • 368 Seiten
  • ISBN 978-3421045829
  • Erscheinungsdatum: 22. April 2013
  • 19,99 Euro

2 Kommentare

  1. Beatrix Alfs

    Bei vielen Büchern macht es Sinn, die mit dem entsprechenden Hintergrund ein zweites Mal zu lesen. Dieser Roman ist auf jeden Fall ungewöhnlich und eher nicht für junge Mädchen geeignet.

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    1. Sandra (Beitrag Autor)

      ich denke schon, dass ihn auch junge Mädchen lesen können. Allerdings kommt es, wie überall eigentlich, auf den Hintergrund der Leserin an. Denkt sie mit oder kann sie in die Story hineinfühlen? Dann sollte das schon recht gut klappen.
      Vielen steht auch einfach ihr Kopf im Weg, denn manchmal muss man sich einfach in eine Geschichte fallen lassen können, ohne sie beim Lesen gleich auseinanderzunehmen. Etwas, das nicht viele können und sich damit selbst im Weg stehen oder auf der anderen Seite aber auch deshalb oft ein Buch doof finden, obwohl es eigentlich sehr gut ist.

      Antworten

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