[Rezension] „Hamish und die Weltstopper“ – Danny Wallace

*Werbung*

Eigentlich ist Hamish Ellerby ein ganz normaler Junge. Er geht zur Schule, liebt Süßigkeiten, hat einen pubertierenden Bruder und lebt in einer kleinen, wenn auch furchtbar langweiligen Stadt in England. Doch so ganz normal ist sein Leben dann doch nicht, denn Hamish’s Vater verschwand vor fünf Monaten spurlos. Kam einfach nicht mehr nach Hause. Und noch etwas ist an ihm anders, denn er ist ein Pausenwandler! Du weißt nicht was das ist? Hamish wusste es bis vor einiger Zeit auch nicht und fand es erst heraus, als plötzlich, mitten im Unterricht, die Welt stehen blieb. Alles stand still – Kinder, Lehrer und alle anderen Leute auf den Straßen bewegten sich nicht mehr. Selbst die ekligen Spucketropfen von Mr. Longblather blieben reglos in der Luft hängen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er weder eine Ahnung, warum die Welt stehen blieb, noch warum ausgerechnet er sich weiterhin bewegen konnte.
Eine ganze Weile passiert nichts, doch eines Tages auf dem Schulhof, als zwei gemeine Mädchen ihn schon wieder ärgern wollen, blitzt es plötzlich erneut und wieder blieb alles stehen. Bis auf Hamish natürlich und auch die Explorer, die Uhr seines Vaters, die er an diesem Tag zufällig trägt, zeigt sich von der Pause unbeeindruckt. Ab diesem Zeitpunkt beginnt er die Pausen genau zu planen und trägt immer ein kleines Notfallpaket bei sich, mit Kreide zum Markieren seines Standpunktes zum Beispiel und mit Schokolade.
Schnell merkt Hamish, dass die Pausen immer länger werden und er beginnt, sie zu seinem Vorteil zu nutzen. Er besucht die sonst immer so gemeine Madame Couscous in ihrem Süßigkeitenladen, fährt eine Runde mit Mr. Slackjaw’s Vespa oder spielt seinem Feind Grenville einen Streich. Auch wenn er immer noch Angst hat, so findet er die Pausen eigentlich ganz cool.

Eines Tages erlebt er allerdings eine Pause, die ihm das Blut in den Adern gefrieren lässt. Alles beginnt recht harmlos, doch dann ziehen mit lautem Getöse plötzlich Monster durch die Stadt. Eklige, schleimige und stinkende Monster, die die stillstehenden Menschen ärgern oder sie sogar verschleppen und dabei das totale Chaos hinterlassen. Kurze Zeit später sind sie schon wieder verschwunden und die Welt dreht sich weiter. Doch keiner der Erwachsenen wundert sich so richtig über das Chaos!
Was war das? Und warum konnte sich das Mädchen, dass neben ihm stand, noch bewegen, während die anderen um ihn herum eingefroren waren? Fragen über Fragen, auf die Hamish leider keine Antwort hat. Noch dazu ist das Mädchen viel zu schnell verschwunden.
Und so beginnt Hamish seine Suche nach dem Mädchen und den Antworten auf seine vielen Fragen. Was die Monster sind und was sie von Starkley wollen zum Beispiel. Und warum viele Erwachsene plötzlich so bösartig und gemein zu Kindern werden. Vielleicht haben die Monster ja sogar seinen Vater entführt?

Hamish und die Weltstopper - Cover

Hamish will so sehr glauben, dass sein Vater nicht einfach so weggelaufen ist, sondern wirklich von den Monstern entführt wurde. Als Leser spürt man förmlich seine Traurigkeit und leidet mit Hamish mit. Man zittert bei den Monstern und ekelt sich bei der Würmer-Haarkur oder als eines der Monster seinen langen Finger in Hamish’s Nase bohrt.
Doch auch wenn Hamish der Protagonist des Buches ist, so kommen die anderen Kinder darin nicht zu kurz. Danny Wallace erschuf in seiner Geschichte viele witzige und vor allem gut durchdachte Charaktäre, die man in ihrer Art einfach liebhaben muss. Sogar Madame Couscous, die inzwischen sehr böshafte alte Dame, der der Süßigkeitenladen von Starkley gehört.
Die Geschichte von Hamish liest sich flüssig und immer wieder geht Wallace auf seinen Leser ein. Er nutzt Vergleiche, die der lesende Jugendliche so vielleicht auch aus der Schule kennt und bezieht ihn auch sonst immer wieder mit winzigen Kleinigkeiten ein – und sei es nur das zustimmende Nicken. Immer wieder neu hervorgehobene Wörter oder Sätze machen das Lesen abwechslungsreich, die vielen Bilder tun dabei ihr übriges.

Das komplette Buch wurde von Jamie Littler illustriert. Er schuf nicht nur dieses wunderschöne Cover, sondern auch einen Stadtplan von Starkley und viele viele Bilder auf den einzelnen Seiten. Manchmal sind sie nur klein, manchmal gehen sie über die ganze Seite und immer vermitteln sie noch mehr das Gefühl, mitten in der Geschichte zu sein. Mehr als ein Mal habe ich mich (lächelnd) geekelt, wenn eins der Monster etwas abartiges tut, aber oft musste ich auch einfach nur breit grinsen, weil die Bilder witzige Szenen nur noch verdeutlichen. Mein 6jähriger fand die Bilder übrigens großartig – selbst die der Monster! Leider ist er auch immer noch etwas angefressen, dass ich ihm die Geschichte noch nicht vorlesen will. Aber dafür ist er einfach noch zu jung.

Während man viele Bücher für (etwas) ältere Kinder auch schon den Kleineren vorlesen kann, sollte man das bei diesem Buch nicht tun und die Altersempfehlung von 10 Jahren unbedingt einhalten. Grob gesagt geht es darum, dass Monster am Tag und in der Nacht kommen und früher oder später die Welt übernehmen wollen. Eltern verschwinden, Erwachsene werden böse. Welcher 5 oder 6jährige würde das verstehen? Meiner garantiert nicht! Selbst für sehr sensible 10jährige würde ich das Buch vielleicht nicht unbedingt empfehlen.

Trotzdem ist das Buch ein riesiger Spaß. Ich habe mich lange nicht mehr so gut amüsiert und selbst mitgezittert – das schafft nicht mal manches Buch für Erwachsene!
„Hamish und die Weltstopper“ ist ein großartiges Buch mit einer tollen Story und einer sehr witzigen Umsetzung. Es ist fesselnd, schön anzuschauen und zeigt, dass die Macht von Vielen eben doch etwas erreichen kann.

Übrigens ist die Geschichte in sich zwar abgeschlossen, jedoch blieb ein letzter Erzählstrang offen und es klang ganz so, als würde man in Zukunft noch mindestens ein weiteres Mal von Hamish lesen. Auch die englische Homepage von Hamish lässt hoffen, denn in der Navigationsleiste steht „Books“ – und dafür ist eins definitiv zu wenig. Ich hoffe es auf jeden Fall sehr!

*

Buchinfo

  • „Hamish und die Weltstopper“
  • Danny Wallace, Illustrationen von Jamie Littler
  • Heyne Verlag
  • gebundene Ausgabe
  • 336 Seiten
  • ISBN 345327007X
  • Altersempfehlung: ab 10 Jahren!
  • Erscheinungsdatum: 31.8.2015
  • 14,99 Euro

(Das Buch wurde mir für diese Rezension kostenfrei und bedingungslos zur Verfügung gestellt. Meine Meinung beeinflusst das nicht.)
* Affiliate-Link

1 Kommentar

  1. Beatrix Petrikowski

    Witzig und spannend zugleich, wirklich gut, aber auch erst ab einem Lesealter von zehn Jahren zu emfpehlen.

    Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.