[Rezension] „Frank Einstein – Die Entführung der Roboter“ – Jon Scieszka

*Werbung*

Frank Einstein als einen normalen Jungen zu bezeichnen, wäre wohl die Untertreibung des Jahrhunderts. Viel eher ist er ein Wissenschaftler, Tüftler und Bastler, der nicht nur 1.000 Ideen im Kopf hat, sondern sie auch wirklich alle umsetzt. Immer mit von der Partie ist sein bester Freund Watson, der zwar nicht so genial wie Frank, dafür aber ein echter Freund ist. Zusammen werkeln sie in der Werkstatt von Frank’s Großvater und bauen eine grandiose Maschine nach der anderen. Große Erfolge erzielten sie damit bisher nicht und manchmal führen die wirklich abenteuerlichen Kreationen auch zu Verletzungen. Aber wenn man ein Düsentriebwerk am Babybuggy befestigt, kann halt schon mal etwas daneben gehen, oder?
Frank’s neuste Erfindung ist grandios und wenn sie gelingt, könnte er damit den Wissenschaftswettbewerb von Midville gewinnen – sein großes Ziel! Als Preisgeld winken immerhin 100.000€, mit denen sein Großvater endlich seine Schulden bezahlen könnte. Und so werkeln die beiden eines Abends wieder in der Werkstatt und schrauben Staubsauger, Toaster, reichlich Kupferkabel und viele weitere Dinge zu einem SmartBot zusammen. Der Zeitpunkt seiner Fertigstellung ist perfekt, denn das Gewitter tobt über ihnen und der Plan, den Roboter von einem Blitz treffen zu lassen, scheint zu gelingen. Doch wieder einmal läuft nicht alles so, wie Frank es vorher geplant hat.

Ein paar Stunden später jubelt Frank, denn Klink ist genau so, wie Frank es sich erhofft und ihn gebaut hatte. Anstatt auf einfache Programmierbefehle zu reagieren, verfügt er über eine Art künstliche Intelligenz, die mit jeder neuen Anforderung wachsen kann. Klank dagegen ist, nun ja, anders. Sein Gehirn wurde aus einem „Umarme mich!“-Äffchen entnommen, sein Speicher stammt aus einer billigen Digitaluhr und das Herz aus einem Keyboard mit 100 verschiedenen Rhythmen. Chaos und ganz viel Spaß sind also vorprogrammiert!
Trotz der Freude über das geglückte Experiment bleibt den Vieren nicht viel Zeit, denn schon in zwei Tagen findet der Wissenschaftswettbewerb statt und Frank fehlt immer noch das passende Objekt. Großartig und noch nie da gewesen muss es werden, schließlich muss er damit gegen seinen Erzfeind T. Edison antreten und vor allem auch gewinnen.
Doch dann, plötzlich, ist es im Labor eigenartig still und sowohl Klink, als auch Klank nicht mehr auffindbar! ….

Frank Einstein - Entführung der Roboter - Cover

Ich gebe zu – in Physik und auch Chemie war ich immer eine Niete. Ich musste stundenlang lernen, um komplexe Zusammenhänge zu verstehen und gab irgendwann genervt auf. Als ich dann das lustige Kinderbuch sah, dachte ich, gleich mehrere Dinge unter einen Hut bringen zu können. Zum einen natürlich ein witziges Buch lesen, dabei so ganz nebenbei ein paar Basics wieder in mein Hirn bekommen, aber auch dem Großen früher oder später ein tolles Buch zum Lesen zu geben, dass auch ihm ein bisschen Wissen vermittelt. Bis dahin wollte ich es ihm vorlesen, denn allein die Geschichte ist eigentlich absolut sein Ding! Außerdem ist allein schon das Cover so genial, dass ich gar nicht daran vorbeigehen konnte. Witziger weise erging es dem Mann ähnlich, auch wenn er mit Technik noch nie ein Problem hatte. Eines Tages sah er das Buch, blätterte kurz darin und war plötzlich damit verschwunden. Lesen!

Die reine Aufmachung erinnert ein wenig an ein Erstleser-Buch. Große Schrift in verschiedenen Schriftarten, viele lustige Bilder, kurze Kapitel. Eigentlich perfekt für jüngere Leser und selbst unser 3jähriger ist völlig fasziniert davon, auch wenn er wohl nicht mal einen Bruchteil davon versteht. Der Schreibstil dagegen ist gerade am Anfang gewöhnungsbedürftig, denn kurze wechseln sich mit sehr langen und verschachtelten Sätzen ab. Selbst mir fiel es zu Beginn schwer, den ewig langen (und absolut faszinierenden!) Kettenreaktionen zu folgen – wie schafft das dann erst ein 10jähriger?
Die Wissenschaft nimmt natürlich einen großen Raum ein und so sollte man schon über ein gewisses Grundwissen verfügen, auch wenn es am Ende eine Begriffserklärung gibt. Aber wer will da schon immer nachblättern? Da ist die Rede von Atomen, Molekülen, Materie und Antimaterie, künstlicher Intelligenz und vielem mehr. Zum besseren Verstehen gibt es neben den lustigen Comiczeichnungen von Frank, Watson und den Robotern auch viele technische Zeichnungen und nähere Erklärungen. Den Querschnitt einer Kuh zum Beispiel, um die Herkunft von Kuhpupsen zu erklären, Frank’s komplizierte Konstruktion zum Öffnen der Jalousien beim Weckerklingeln, genaue Zeichnungen inklusive aller Einzelteile von Klink und Klank, aber auch den Unterschied zwischen Halb- und Menschenaffen und viele, viele mehr.
Man sollte beim Lesen schon ein wenig Liebe für die Wissenschaft mitbringen und manchmal die Geschichte nicht zu genau auseinandernehmen. Es ist halt ein Kinderbuch, die Geschichte muss in erster Linie lustig und fesselnd, aber nicht immer absolut glaubwürdig und in die Realität übertragbar sein.

Natürlich habe ich es auch unserem Sohn vorgelesen, stockte allerdings schon beim ersten Kapitel, weil ich es einfach viel zu wissenschaftlich für ihn fand. Nach einer kurzen Erklärung an ihn zu den Hintergründen begann ich, beim Vorlesen die Geschichte in Teilen zu vereinfachen. Bestimmte Kettenreaktionen ließ ich drin, las sie nur sehr viel langsamer vor. Mein Mann dagegen kennt da ja nichts und las ihm eines Tages die originale Version vor. Wirklich gestört hat es den 6jährigen nicht. Er meinte hinterher, dass er zwar manchmal nicht so viel verstanden hätte, aber Klink und Klank so lustig wären und er die ganze Geschichte sehr cool fände. Da würde es ihn nicht stören, wenn er nicht alles versteht.

Für ein Kinderbuch finde ich Frank Einstein erstaunlich gut durchdacht und auch designt. Verschiedene Schriftarten zeigen sofort, ob Klink oder Klank gerade etwas sagen und auch die technischen Dinge sind sofort durch einen karierten Hintergrund zu erkennen. Aufgelockert wird es durch lustige Bilder zum Geschehen, die häufig sogar die komplette Seite einnehmen. Die Altersempfehlung von 10 Jahren finde ich grenzwertig und würde sie gefühlt wohl eher bei 12 ansiedeln. Da es allerdings auch immer auf den Wissensstand des Kindes ankommt, lässt sich das so pauschal wahrscheinlich gar nicht sagen.

„Frank Einstein – Die Entführung der Roboter“ ist ein sehr witziges und vor allem auch lehrreiches Buch. Jon Scieszka nimmt seine Leser mit auf eine Reise quer durch die Wissenschaft und bringt ihnen dabei nicht nur die Materie, sondern so ganz nebenbei auch noch das Geheimnis der Sonnenuntergänge und die Unterscheidung von Affen bzw. Halbaffen und viele andere spannende Dinge näher. Klink und Klank lockern durch ihre Art die ganze Geschichte auf und sorgten so auch bei mir für den einen oder anderen Lacher.
Für halbwegs technisch interessierte ist dieses Buch sicher eine großartige Geschenkidee (ich sag nur „Roboter!!“), denn die Geschichte ist wirklich völlig anders und wie wir hier finden, sehr lesenswert!

*

Buchinfo

  • „Frank Einstein – Die Entführung der Roboter“
  • Jon Scieszka, Illustrationen von Brian Biggs
  • Heyne Verlag (heyne fliegt)
  • 240 Seiten
  • ISBN: 3453269780
  • Altersempfehlung: ab 10 Jahren
  • Erscheinungsdatum: 27. April 2015
  • 12,99 €

(Frank Einstein wurde uns kosten- und bedingungslos für diese Rezension überlassen. Unsere Meinung beeinflusst das nicht.
* Affiliate-Link

4 Kommentare

  1. Pingback: [Rezension] „Frank Einstein – Die Jagd nach dem Blitzfinger“ – Jon Scieszka › Sandras Testblog

  2. Beatrix Petrikowski

    Mir ist das Buch für Kinder zu vollgepackt mit Informationen und es wirkt chaotisch, weil vieles nur kurz angerissen wird und damit letztlich unverständlich ist.

    Antworten
    1. Sandra (Beitrag Autor)

      Finde ich eigentlich gar nicht, aber zum Glück dürfen Meinungen ja unterschiedlich sein ;)

      Klar stecken viele Infos im Buch, aber es ergibt im Großen und Ganzen alles durchaus einen Sinn. Vollgepackt mit Infos ist es, aber es passt insgesamt in die Geschichte und durch die lustigen Hintergründe dazu (Kuhpupse!) interessieren sich die Kids auch dafür. Unverständlich finde ich es überhaupt nicht, aber es ist halt nichts für kleine Kinder.

      Antworten
  3. Luke

    Finde ich lustig, dass hier ein Kind nach dem großen Einstein benannt wird :) Kannte das Buch bisher nicht, aber werde is mir für meinen kleinen Rabauken mal anschauen!

    Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.