[Rezension] „Fingerhut-Sommer“ – Ben Aaronovitch

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Dies ist der nun schon fünfte Teil rund um die Abenteuer des Polizisten und Zauberlehrlings Peter Grant. Hier findet ihr die anderen Bücher.

Das Leben auf dem Land ist ruhig, beschaulich und vor allem kinderfreundlich – so zumindest die Theorie. Die Praxis dagegen sieht im kleinen Dörfchen Rushpool gerade ganz anders aus, denn dort suchen Polizisten und Freiwillige nach zwei 11jährigen Mädchen, die mitten in der Nacht aus ihren Elternhäusern verschwunden sind. Obwohl es auf den ersten Blick nichts magisches an diesem Fall gibt, wird auch Peter Grant nach Rushpool geschickt. Sicher ist sicher und vielleicht hat ja sogar der in der Nähe lebende, früher praktizierende, Hugh Oswald damit zu tun? Peter macht sich also auf den Weg und besucht erst Oswald in seinem mehr als seltsamen Bienenstock-Turm und reist dann weiter nach Rushpool, um seine Hilfe anzubieten. Und tatsächlich nimmt der Fall eine interessante Wendung, als die beiden Handys der Mädchen gefunden werden. Denn anders als zuerst gedacht, ist bei beiden nämlich keineswegs der Akku leer, sondern wurden sie durch Magie zerstört.

Hat der Fall tatsächlich einen magischen Hintergrund? Oder wurden sie vielleicht von Außerirdischen entführt, wie einige gern glauben mögen? Oder waren es doch eher Gaukler und Schausteller, die die beiden Mädchen entführt haben? Peter begibt sich zusammen mit dem Dorfpolizisten Dominic und der Flussgöttin Beverley auf eine abenteuerliche Reise quer durch das englische Hinterland und erlebt dabei mehr als nur eine Überraschung. …

Fingerhut-Sommer - Cover

Dies ist der nun schon 5. Teil rund um den englischen Zauberlehrling Peter Grant und der Teil, mit dem ich mich bisher am schwersten tat. Ich freute mich unglaublich, als ich es im August letzten Jahres im Briefkasten fand, begann fast sofort und legte es schon nach 20 Seiten wieder weg. Über die Monate begann ich ein paar Mal, aber so wirklich konnte mich der Anfang nicht mitreißen. Wo war der trockene Humor geblieben, wo die bissigen Sprüche? Auf mich macht es auch heute noch ein wenig den Eindruck, als wäre mit Lesley auch der Witz und die Leichtigkeit aus der Geschichte verschwunden.
Trotzdem – es lohnt sich am Ball zu bleiben, denn ab dem ersten Drittel entwickelt sich die Geschichte, nimmt Fahrt auf und irgendwann war ich dann doch wieder so gefesselt wie früher und wollte das Buch auf gar keinen Fall zur Seite legen.

„Fingerhut-Sommer“ ist ein bisschen ein Misch-Masch aus Fortsetzungs- und Einzelgeschichte. Es gibt kaum Verbindungen zu den vorherigen Bänden und es dreht sich im Buch fast alles nur um die verschwundenen Kinder. Ein wirkliches, in sich abgeschlossenes, Ende gibt es allerdings genauso wenig wie einen richtigen Cliffhanger. Für mich blieben am Ende viele Fragen offen, was diesmal einen etwas „unrunden“ Gesamteindruck hinterlässt.
Nightingale, Molly und auch Lesley sind in diesem Buch eher Randfiguren und gerade Lesleys Auftauchen mutet ein bisschen so an, als sollte sie bloß nicht vergessen werden.

Obwohl der Schreibstil wie immer sehr gut ist, stellte sich meine Begeisterung erst spät ein. Der Fall kommt erst nach ca. einem Drittel bis der Hälfte des Buches so richtig in Fahrt und zieht den Leser dann in seinen Bann. Vorher plätschert die Story recht träge dahin und erinnert eher an einen langweiligen 0815/Kriminalfall in der tiefsten Provinz, als an die früher so lustig-chaotischen Ermittlungen des Londoner Folly. Aber wenn sie dann läuft, findet Peter nicht nur zu seiner alten Bissigkeit, sondern auch seiner alten Form zurück. Er ist dann nicht nur ein scharfzüngiger Polizist, sondern auch ein Zauberer, der es mit Einhörnern, Feen und unsichtbaren Männern aufnimmt – egal was sich ihm da gerade in den Weg stellt.
Wäre die letzte Hälfte des Buches nicht gewesen, hätte ich die Fälle von Peter Grant wohl für immer zu den Akten gelegt. So aber hoffe ich auf den nächsten Band, der zumindest in englischer Sprache schon bald erscheint. Vielleicht beginnt der nächste Band ja so fulminant, wie der letzte aufgehört hat.

Von mir gibt es diesmal keine uneingeschränkte Leseempfehlung. Eher eine für alle Fans von Peter Grant, die gern ein paar zusätzliche Hintergründe wissen möchten, denn auch davon werden einige im Buch geklärt. Zum Beispiel was es mit Ettersberg auf sich hatte und was genau Molly eigentlich ist, um nur einige zu nennen. Und für alle die, die gern komplette Serien lesen und sich auch von einem eher ruhigeren Anfang nicht abschrecken lassen.
Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt auf den nächsten Teil!

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Buchinfo

  • „Fingerhut-Sommer“
  • Ben Aaronovitch
  • Taschenbuch
  • dtv
  • 416 Seiten
  • ISBN: 3423216026
  • Erscheinungsdatum: 21. August 2015
  • 9,95€

(Das Buch wurde mir für diese Rezension kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt. Meine Meinung beeinflusst das nicht.)
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