[Rezension] „Erwartung“ – Jussi Adler-Olsen

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Der 15jährige Marco möchte im Leben gar nicht viel, außer zur Schule gehen, ein geregeltes Leben führen und eine Familie haben, die ihn liebt und hinter ihm steht. Die Realität sieht leider völlig anders aus, denn sein Leben als gezwungener Taschendieb ist alles andere als sicher und geregelt und zu Hause, in Zola’s Clan, erfährt er keine Geborgenheit. Er muss funktionieren, der Rest ist seiner „Familie“ völlig egal, auch wenn sie seinen Wissensdurst sehr kritisch sehen.
Als er eines Tages zufällig mit anhört, dass er zu einem Krüppel gemacht werden soll, um dem Clan auch langfristig Einnahmen zu sichern, flieht er Hals über Kopf und versteckt sich in einem nahegelegenen Waldstück. Doch damit fangen seine Probleme erst so richtig an, denn sein Versteck teilt er sich mit einer Leiche. Einer Leiche, die er nie hätte sehen dürfen und die dafür sorgt, dass nicht nur Zola’s Clan will, dass Marco schnell verschwindet. Doch wo soll er hin? Schließlich kennt er in Dänemark niemanden außer Zola’s Leuten. Und wer würde einem kleinen Zigeunerjungen schon helfen? Zur Polizei kann er erst recht nicht, denn ohne Papiere und ohne Aufenthaltsgenehmigung ist sein Wort wohl kaum etwas Wert. Und so beschließt er, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, der Polizei wenn nötig kleine Hinweiszettelchen in die Taschen zu stecken und Zola selbst zur Strecke zu bringen. Ein Plan, der sogar funktionieren könnte, wenn da nicht schon die halbe Stadt hinter ihm her wäre ….

Auch im Leben von Carl Mørck läuft nicht alles rund. Sein Liebesleben bereitet ihm Herzschmerzen und auch die Situation im Dezernat ist alles andere als entspannt. Fast von heute auf morgen erfährt er, dass sein Vorgesetzter in Rente geht und Carl ab sofort vom ihm verhassten Lars Bjørn seine Befehle bekommt. Der ist zwar der Gründer des Sonderdezernates Q, aber für Carl macht ihn das kein Stück sympathischer. Erst recht nicht, als Bjørn ihm ein neues Teammitglied zur Seite stellt – den Jurastudenten Gordon. Der mischt sich dann auch promt in Carls neuen Fall ein und bringt damit eine regelrechte Lawine ins Rollen. …

erwartung

Was schreibt man über ein Buch, dass praktisch mit Veröffentlichung schon auf der Bestsellerliste stand? Ein Buch, dessen Serie Kultstatus erreicht hat und bei dem ich tatsächlich lange überlegte, ob ich es nun lese oder nicht? Die letzten beiden Bände gab ich jeweils für eine Rezension an andere Blogger – weil das Thema nicht so meins ist, dachte ich. Heure ärgere ich mich darüber, denn ich bin total begeistert von „Erwartung“. Selbst jetzt, einen Tag nachdem ich es ausgelesen zur Seite gelegt habe, klingt die Geschichte noch nach und hält mich völlig gefangen. Eigentlich könnte ich mir problemlos vorstellen, das Buch direkt noch mal zu lesen. Einfach so, weil es so gut war. So spannend. So mitreißend. So ehrlich.

Der Untertitel „Der Marco-Effekt“ passt perfekt, denn tatsächlich übt die Geschichte um Marco eine ganz besondere Anziehung auf mich als Leserin aus. Man möchte den kleinen Jungen, der er ja trotzdem noch irgendwie ist, beschützen und ihm helfen. Mehr als ein Mal fragte ich mich, wie viel Leid jemand ertragen kann, ohne daran zu zerbrechen. Oder ist es gerade das Leid, dass ihn stark machte, um das alles durchzustehen? So oder so – Marco hat einen unglaublich starken Willen und er lässt sich nicht so leicht unterkriegen. Schlussendlich sorgt genau dieser kleine Junge für den Schmetterlingseffekt und beschwört einen Orkan herauf, dessen Wirkungen bis hinein in hohe Regierungssitze in Dänemark und Kamerun reichen.

Adler-Olsen hat einen genialen und sehr eigenen Schreibstil. Er schreibt kurz und prägnant, bringt dabei aber trotzdem unglaublich viele Emotionen und auch Hintergründe mit in die Geschichte ein. Mit nur wenigen Sätzen schafft er ein Szenario, dass einem die Haare zu Berge stehen lässt und man es kaum erwarten kann, endlich zur nächsten Seite zu blättern, um zu wissen, wie es weitergeht. Trotzdem ist jede Einzelheit gut ausgearbeitet – egal ob es die Kindersoldaten oder aber der Hintergrund zum Betrug in der Entwicklungshilfe ist.

Ich könnte noch unglaublich viel schreiben, aber schlussendlich würde alles nur auf eins hinauslaufen: Das Buch ist einfach nur richtig gut und spannend. Wer temporeiche Thriller ohne großes Blutvergießen oder Foltern mag, ist mit „Erwartung“ auf jeden Fall gut beraten. Klar, dass es von mit auch eine unbedingte Leseempfehlung gibt, oder?
Und ich für meinen Teil werde mich jetzt erst einmal nach den anderen Teilen rund um Carl Mørck umsehen und auch sonst gibt es ja noch einige andere Bücher mehr von Jussi Adler Olsen.

Buchinfo

  • „Erwartung“
  • Jussi Adler-Olsen
  • dtv
  • gebundene Ausgabe, später auch als Taschenbuch erhältlich
  • 576 Seiten
  • ISBN: 978-3423280204
  • Erscheinungstermin: 13. September 2013
  • 19,90 Euro

 

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