[Rezension] „Ein Herzschlag bis zum Tod“ – Sarah J. Henry

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Troy mag es in ihrem Leben am liebsten einfach und unverbindlich. In ihrem Haus wohnen nur Männer zur Untermiete, denn Frauen sind ihr zu kompliziert. Statt einer richtigen Beziehung trifft sie sich ab und an mit Thomas, doch Gefühle hat sie für ihn keine. Und statt eines festen Jobs schreibt sie als selbständige Journalistin für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften. Kurzum – ihr Leben ist völlig normal, auch wenn sie manchmal das Gefühl hat, als würde etwas fehlen.
Doch eines Tages ändert sich alles. Auf der Fahrt nach Burlington sieht sie, wie etwas von einer anderen Fähre fällt. Sie ist sich nicht mal ganz sicher ob es wirklich ein kleiner Junge war und doch springt sie ins Wasser, findet und rettet ihn. Statt ihn zur Polizei zu bringen, nimmt sie den 6-jährigen Paul mit nach Hause. Am Anfang redet er gar nicht über sich, doch nach einer Weile vertraut er Troy und erzählt ihr, was passiert ist. Doch selbst dann geht sie nicht zur Polizei und ermittelt lieber auf eigene Faust die Adresse von Paul’s Familie. Sie beschließt, allein und ohne Paul hinzufahren.  Wenn sie dem Vater in die Augen schaut, müsste sie doch problemlos erkennen können, ob er etwas mit den Geschehnissen auf der Fähre zu tun hat oder vielleicht doch völlig unschuldig ist. …

Cover

Gleich vorab – ich habe keine Ahnung, warum dieses Buch als Thriller eingestuft wurde, denn das ist es ganz bestimmt nicht. Ich würde es eher als Roman bezeichnen. Spannend zwar, aber definitiv kein Thriller.
Fast greifbar ist die Spannung auf jeden Fall gleich zu Beginn, als der Leser mit Troy von ihrer Fähre springt um nach dem kleinen unbekannten Jungen zu suchen. Durch Erlebnisse in ihrer Vergangenheit beschließt sie, Paul nicht der Polizei zu übergeben, sondern sich selbst um ihn zu kümmern. Dies ist für mich als Leser zwar ein Stück weit nachvollziehbar, zeugt aber auch von Troy’s Naivität, die sich in liebenswerter Form durch das ganze Buch zieht. Immer wieder greift sie selbst ins Geschehen ein, anstatt lieber die Polizei ihre Arbeit machen zu lassen.

Es hätte ein Thriller werden können, das Potenzial dafür ist sicher da. Doch Sarah J. Henry entschied sich, den Spannungsbogen zwischendurch eher flacher zu halten und einen Roman daraus zu machen. Und so geht es lange Zeit um die zwischenmenschlichen Beziehungen und Troy’s Beziehung zu Paul. Doch Langeweile kommt keine auf, denn immer neue Ermittlungsergebnisse kommen zu Tage und sorgen für viel Lesevergnügen. Gegen Ende überschlagen sich plötzlich die Ereignisse und ich muss zugeben, dass ich ein bisschen enttäuscht war. Hier hat es sich die Autorin recht einfach gemacht.
Der Schreibstil ist sehr gut und vor allem fesseln – auch wenn die Autorin in manchen Dingen plötzlich zu sehr ins Detail ging. Ich will als Leserin nicht unbedingt wissen, welche Dinge Troy nacheinander am Fahrrad repariert, sondern es reicht mir zu wissen, dass sie es tut.

Alles in allem bin ich trotzdem vom Buch begeistert. Auch wenn das Wort „Thriller“ schon gewisse Erwartungen weckt, habe ich das Lesen nicht bereut. Es liest sich flüssig und ich mochte es eigentlich gar nicht richtig aus der Hand legen. Zwischendurch fühlte ich mich zeitweise eher in einen spannenden Liebesroman versetzt, bei dem man sich fragt, ob sie sich am Ende nun kriegen oder nicht. Aber ich wurde immer gut unterhalten – und das ist für mich die Hauptsache. Ein sehr gut gelungenes Debüt von Sarah J. Henry.

Von mir gibt es 4/5 Sternen!

Übrigens heißt das Buch in Englisch „Learning to swim“ – ein Titel, der wesentlich besser passt. Und auch da wird es schon als Thriller angegeben.
Im November erscheint die Fortsetzung „A cold and lonely place“. Bis es in Deutsch erscheint, wird es wohl allerdings noch eine Weile dauern. Aber ich freu mich auf jeden Fall schon drauf.

Buchinfo

  • „Ein Herzschlag bis zum Tod“
  • Sarah J. Henry
  • dtv premium
  • Taschenbuch
  • 336 Seiten
  • ISBN 978-3423248884
  • 14,90 Euro

 

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