[Rezension] „Die Plantage“ – Catherine Tarley

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South Carolina, in den Jahren um 1780 – Der Unabhängigkeitskrieg zerstörte nicht nur Familien, sondern auch ganze Plantagen. Männer fielen im Krieg oder wurden gefangen genommen, Sklaven liefen zu den Briten über, so dass nun an allen Enden Arbeitskräfte fehlen. Viele Männer organisieren sich in der Miliz und ziehen in den Krieg – einen Krieg, in dem sich beide Seiten nichts schenken und es von beiden Seiten aus zu gewalttätigen Übergriffen kommt. Von Seite der Briten ist besonders Colonel Spencer gefürchtet. Ohne Skrupel lässt er Menschen töten und Häuser anzünden, bis er eines Tages selbst in die Gewalt zweier besonders gewaltbereiter Männer der Miliz fällt. Gequält, gefoltert und halb tot trägt sein Pferd in nach Legacy, einer Plantage am Plains River, die inzwischen wieder von Antonia Lorimer bewohnt wird. Obwohl die Briten ihren Mann töteten, das Haus versuchten abzubrennen und die Plantage verwüsteten, versteckt sie den Soldaten und pflegt ihn gesund.
Spencer gesundet langsam und lebt bald offen auf Legacy, wenn auch unter dem Namen Marshall. Da er mitbekommt, dass Antonia droht, ihre Plantage zu verlieren, setzt er sich für sie und Legacy ein und wird bald ihr Verwalter. Und das, wo er doch damals ihren Mann erschoss und den Befehl gab, die Plantage zu vernichten.
Doch sie teilen sich nicht nur die Arbeit auf der Plantage, bis Marshall/Spencer sie eines Tages verlässt, um wieder nach England zurückzukehren. Nun halten andere ihre Zeit für gekommen und strecken ihre Finger nach Antonia und ihrer Plantage aus …

Cover - Die Plantage

Satte 880 Seiten Südstaatenschmöker aus einer Zeit des Krieges, der Sklaven und der Prüderie. Nicht, dass sich das heute geändert hätte, aber beim Lesen des Buches vergisst man schnell, dass die Geschichte in einer anderen Zeitepoche spielt und man bestimmte Dinge eben nicht aussprach. Es war einfach unschicklich das zu tun.
Trotz der oft anderen Ausdrucksweise kommt man sehr schnell und sehr gut in die Geschichte. Aufgeteilt in verschiedene Kapitel lernt man jeweils eine Person sehr viel besser kennen und erlebt mit ihr sowohl die Vergangenheit, als auch die Gegenwart und kommt in der Geschichte weiter.
Man merkt, dass Catherine Tarley als Dramaturgin gearbeitet hat, denn es macht einfach Spaß, die Geschichte rund um Antonia zu lesen. Sie bringt genau die richtige Spannung und das nötige Herz mit, dass man das Buch kaum zur Seite legen mag und trotz der vielen Seiten der Geschichte nie überdrüssig wird. Außerdem trieft sie nicht vor Herzschmerz, wie man vielleicht befürchten könnte. Allerdings wirkt sie generell ein bisschen überladen mit Themen. Vieles wird angeschnitten und aufgeführt, ohne es weiter zu vertiefen, so dass sich die Autorin wohl im Endeffekt ein bisschen in ihrer eigenen Geschichte verloren hat.

Grundsätzlich finde ich „Die Plantage“ ein gutes Buch. Der Schreibstil ist sehr gut lesbar, die Geschichte perfekt für die inzwischen fast immer verregneten Tage und hat mich sehr gut unterhalten. Alles wäre gut, wenn da nicht so ein paar Dinge wären. Ein Fehler, der mich immer noch beschäftigt, obwohl ich das Buch schon beendet habe. Und auch diverse andere Ungereimtheiten. (Wer sich überraschen lassen möchte, sollte ab jetzt alles aufgezählte überspringen! Achtung SPOILER!)

  • Woher weiß Marshall, dass Antonia schwanger ist? Sie selbst wusste es nicht, sondern klagte nur immer über Müdigkeit. Als sie von dem Kind erfuhr, war er nicht dabei und verabschiedete sich relativ kurze Zeit später, ohne dass Antonia ihm etwas davon gesagt hätte.
  • Alle Welt kennt den Schlächter Spencer und alle Welt hasst ihn. Zumindest halb South Carolina. Und obwohl einige in Marshall den Colonel wiedererkennen, unternehmen sie nichts. Im Gegenteil, denn auch wenn Marshall unbeliebt ist, so bewundern sie doch das, was er aus Legacy macht. Die Zweifler, die ihn erkennen, unternehmen nichts weiter. Dabei steht es doch unter Strafe, wenn man einen Briten bei sich aufnimmt oder versteckt – sie wären damit also auch ganz leicht Legacy und Antonia losgeworden.
  • Es verwundert im Laufe der Zeit, dass keiner etwas gegen Marshall und auch gegen ein anderes „Problem“ unternimmt. Viele kennen die Hintergründe, doch keiner sagt oder tut etwas (Um was es geht, würde dann doch zu viel der Geschichte vorweg nehmen. Wenn ihr beim Lesen an der Stelle seit, werdet ihr wissen, was ich meine.)
  • SPOILER-Ende

Mit den beiden Haupt-Protagonisten habe ich manchmal ein bisschen gehadert, allerdings kamen viele Zweifel tatsächlich erst nach dem Lesen des Buches. So wird Antonia immer als gebildet und klug dargestellt, verkriecht sich aber am liebsten und scheint allein manchmal so gar nichts auf die Reihe zu bekommen. Mit Spencer habe ich mich dagegen noch ein bisschen schwerer getan. Es ist zwar allgemein bekannt, das Männer nicht unbedingt über ihre Gefühle reden, aber er ist schon ein Sonderfall. Zum einen scheint er innerlich zerrissen, zum anderen wird allerdings überhaupt nicht klar, warum er bestimmte Dinge tut. Warum er geht, obwohl er unbedingt zurück möchte – um nur ein Beispiel zu nennen. Er wird als fabelhafter Kämpfer dargestellt, als pflichtbewusst und diszipliniert. Als jemand, der sich einfach nimmt, was er will. Das scheint für den Krieg und seine Arbeit auf Legacy zu gelten, nicht aber für sein Liebesleben.

Auch wenn ich viele negative Punkte aufgeführt habe – die Geschichte hat mich wirklich gut unterhalten. Erst zum Ende hin lässt die Autorin nach und es rutscht ein bisschen ins Unglaubwürdige. Doch alles in allem ist es ein schöner Schmöker, der sich einfach gut liest. Eine richtige Liebesgeschichte wird man hier nicht finden, einen wirklichen Historienroman auch nicht. Es dreht sich mehr oder weniger alles um Legacy, um Antonia und Marshall, dann aber auch um zwei weitere Personen, deren Leben mehr oder weniger zufällig mit Marshall und Antonia verknüpft ist. Es geht um Sklaven, das Leben in den Kolonien und in England, um die Gesellschaft und das Leben der Reichen und Schönen.

Wenn sich die Rezension jetzt ein bisschen hin- und hergerissen anhört – ich bin es auch. Einerseits hatte ich schöne Stunden, andererseits fallen mir beim Nachdenken immer mehr Fehler oder Ungereimtheiten auf. Dinge, die man hätte besser anders machen können, Themen die man nicht hätte anschneiden sollen. Müsste ich einen Vergleich zur Arbeit der Dramaturgin ziehen, würde ich „Die Plantage“ mit einem Fernsehfilm vergleichen, in dem man immer noch ein bisschen mehr stopft, um ihn spannend zu machen und dem Zuschauer so viel wie möglich zu bieten. Für mich hätte es ein bisschen weniger auch getan.

In Sternen ausgedrückt schwanke ich zwischen 3 und 4, tendiere aber vom Bauchgefühl und dem eher doch positiven Grundgefühl eher zur 4.

Buchinfo:

  • „Die Plantage“
  • Catherine Tarley
  • dtv premium
  • Taschenbuch
  • 880 Seiten
  • ISBN: 3423249439
  • Erscheinungsdatum: 1.12.2012
  • 16,90 Euro
  • Leseprobe vom dtv: klick

1 Kommentar

  1. Seenadel

    Liest sich ganz gut der Artikel, sicherlich ein interessantes Buch :)

    Leider muss ich vorher noch andere Bücher lesen :( So viele Bücher, so wenig Zeit

    Antworten

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