[Rezension] „Die Insassen“

 

Der Hochreitner-Trakt in der Nervenklinik St. Ägidius ist so gut wie einzigartig in Deutschland. Er ist exklusiv und absolut diskret. Nur die besten und auch prominentesten Betroffenen landen hier. So auch Keith Winter, Dr. Wilhelm Löhring und Hubert Wienkamp und etwas später die ehemalige Chefsekretärin Karin Schlick. Völlig unterschiedliche Schicksale haben sie in die Klinik geführt und doch haben sie alle den gleichen Hintergrund. Großes Wissen, Top-Geschäfte und nun ein nervliches Wrack und dem Wahnsinn nahe. Den meisten ist das auch bewusst, nur Löhring sieht das ganz anders. Seines Wissens nach hat er sich in St. Ägidius eingekauft und will nun den alten Kasten sanieren, zuerst natürlich in der Chefetage. Als er jedoch merkt, dass der jetzige Chef nicht sehr kooperationsbereit ist, geht er über zum nächsten Schritt – dem Gang an die Börse. Zusammen entwickeln die 4 einen Plan, erstellen sämtliche benötigte Unterlagen und lassen sogar offizielle Geschäftsmeetings im Hochreitner-Trakt stattfinden. Alles läuft gut. Zu gut vielleicht?

Im Vergleich zum restlichen Teil beginnt das Buch recht langsam, aber nicht weniger amüsant. Man kann Winter sogar verstehen und sein Ausrasten zum Stück weit wohl auch nachvollziehen. Doch kaum in St. Ägidius angekommen und mit Löhring und Wienkamp zusammengebracht, nimmt die Geschichte rasant an Fahrt auf. Es ist herrlich zu lesen, wie die 3 sich einleben und welche Feststellungen Löhring als „Patient“ macht. Auch wenn es teilweise recht abgedreht klingt – man glaubt als Leser doch jedes Wort. Frau Münk versteht es perfekt, eine wunderschöne und schnelllebige Geschichte zu erzählen. Die Charaktäre werden dabei recht oberflächlich beschrieben und leben eher durch die Marotten, allerdings empfinde ich das überhaupt nicht als störend. Im Gegenteil, alles andere hätte wohl einfach deplaziert gewirkt. Einzig die Reaktionen der Gegenseite habe ich vermisst. Wie reagiert die Klinikleitung auf die Investoren? All das bleibt leider im Dunkeln. Auch das Ende ist viel zu apprupt und mag nicht so recht passen. Es wirkte eher wie „Soll erfüllt, ich kann nun aufhören zu schreiben“.

Trotzdem ist „Die Insassen“ ein empfehlenswertes Buch – viele Lacher garantiert. Es liest sich sehr angenehm, leicht und schnell.
Zurück bleibt nur die Frage, wie viel Wahrheit wohl wirklich darin steckt. Und wie viele private Nervenkliniken wohl schon einen Börsengang hinter sich haben. ;)

Von mir gibt es 4 von 5 Sternen. Einen Punkt ziehe ich für das völlig unpassende Ende ab. Und schaut man in die Bewertungen bei Amazon, bin ich da wohl nicht die einzige ….

1 Kommentar

  1. Michael Petrikowski

    Mit Witz und Humor geschrieben und man fragt sich am Ende, wer eigentlich die Verrückten sind.

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