[Rezension] „Die fremde Tochter“ – Anja Jonuleit

Werbung

Eines Tages ändert sich für Monsieur Cho alles. Es ist der Tag, an dem eine fremde junge Frau zu einer Teezeremonie zu ihm in den Laden kommt und ihn direkt danach mit den Worten „Ich danke ihnen. Vater.“ (*) wieder verlässt. Cho ist völlig verstört, denn die junge Frau kam ihm zwar merkwürdig bekannt vor, aber bis dahin wusste er nichts von einer Tochter. Erinnerungen überfluten ihn und er denkt zurück an Émilie, seine große Liebe, die er damals in China kennenlernte. Wegen ihr kam er vor Jahrzehnten nach Paris, denn er wollte sie finden und mit ihr zusammen sein. Er suchte lange nach ihr, doch fand sie nie. Statt dessen lebt er immer noch allein und eröffnete vor Jahren seinen eigenen Teeladen, vergessen aber konnte er Émilie nie.

Cho macht sich auf die Suche nach Lin, wie sich die junge Frau nannte, doch die ist plötzlich spurlos verschwunden. Laut ihrer Großmutter ist sie nach Asien gereist, aber Cho findet bei Nachforschungen und über andere schnell heraus, dass sie nie ein Flugzeug betreten hat. Warum lügt ihre Familie? Und warum verschwand auch Émilie so spurlos aus dem Krankenhaus?
Kreuz und quer ermittelt Cho, doch für eine Antwort kommen mindestens zwei neue Fragen auf. Dabei klammert er sich immer wieder an den Gedanken, dass er mit Lin vielleicht auch ihre Mutter und seine große Liebe Émilie wiedersehen würde. Doch niemand weiß, ob beide überhaupt noch leben oder was mit ihnen geschehen ist. …

die fremde tochter

Monsieur Cho führt ein sehr geordnetes und geregeltes Leben, doch Lin bringt alles in ihm durcheinander. Bilder und Erinnerungen tauchen wieder auf, die er längst vergessen glaubte. Erinnerungen an eine sehr glückliche Zeit in China zusammen mit Émilie. Und nun ist da Lin – ihr gemeinsames Kind. Cho muss sie finden und tut täglich fast nichts anderes mehr.
In relativ kurzen Kapiteln erzählt Anja Jonuleit die Geschichte der beiden Liebenden. Dabei wechseln sich jeweils Gegenwart und Vergangenheit ab, was aber durch die Kapitelüberschriften recht eindeutig zu erkennen ist. Am Anfang der Suche steht natürlich Émilie mit ihrer Vergangenheit und ihrer Drogensucht, die sie damals nach China brachte. Immer häufiger zeigt sich, wie sehr Émilies Leben fremdbestimmt war und wie wenig die junge Frau dem entgegensetzen konnte. Immer größer wird das Mitleid mit der jungen Frau, die so viel Leid ertragen musste und immer größer die Wut auf die Personen, die ihr das angetan haben.

Die Autorin versteht es perfekt, eine spannende Geschichte zu erzählen. Die rasante Story wird gerade am Anfang immer wieder mit der Stille einer Teezeremonie unterbrochen – ein absolut genialer Mix, der süchtig macht. Schlussendlich habe ich etwas getan, was mir schon seit Jahren nicht mehr passiert ist – ich konnte das Buch einfach nicht weglegen und habe es tatsächlich an einem Tag ausgelesen. Es liest sich so einfach, flüssig und auch spannend, dass man gar nicht merkt, wie schnell die Seiten vorbeifliegen. Schon nach nur wenigen Seiten steckte ich so tief im Buch drin, dass alles um mich herum vergessen war und nur noch eins zählte – die nächste Seite und dann das nächste Kapitel.

„Die fremde Tochter“ ist kein Krimi, auch wenn es sich vielleicht ein klein wenig so anhört. Viel mehr ist es ein Familienroman und die tragische Geschichte einer Liebe bzw. zweier Liebender. Trotzdem ist es nicht weniger spannend als ein Krimi, denn die immer wieder neu auftauchenden Aspekte und Wendungen machen das Ganze einfach unvorhersehbar und zu einem riesigen Lesespaß.

Von mir gibt es 5/5 Sternen und eine unbedingte Leseempfehlung für diese wunderschöne und tragische Familiengeschichte!

Buchinfo

  • „Die fremde Tochter“
  • Anja Jonuleit
  • dtv premium
  • Taschenbuch
  • 400 Seiten
  • ISBN 978-3423249454
  • Erscheinungstermin: 1. April 2013
  • 14,90 Euro

 

(*) Zitat, Seite 18 – Anja Jonuleit, „Die fremde Tochter“

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.