[Rezension] „Das stille Kind“


Paulina lebt mit ihrem Mann Lukas und ihren 3 Kindern in einer viel zu kleinen Wohnung in München. Etwas größeres können sie sich nicht leisten. Aber auch wenn sie dort im Haus bei den Nachbarn nicht allzu beliebt sind – sie lieben das Haus, die Straße und die Umgebung. Da sie keinen „richtigen“ Job hat, bestimmen ihre Kinder den Tagesablauf. Da wären die 6-jährige Cosima, der 4-jährige David und Mavie – noch kein Jahr alt. Alles könnte so einfach sein, wäre da nicht David mit seinem komischen Verhalten. Schon als Baby wollte er keine Körpernähe und kein Kuscheln, auch wenn er sonst bis zu seinem 2. Lebensjahr völlig normal war. Ab dann begannen plötzliche Wutausbrüche, er schrie einfach nur so los, flatterte wild mit den Armen – und keiner wusste warum. Eines Tages, als Paulina bereits Mavie in den Kinderwagen gepackt hat, wartet sie noch auf David. Als sie nachsehen geht, wo er bleibt, findet sie ihn in der Dusche – mit Jacke und allem an.
Ihre Umwelt findet David merkwürdig, ihr Vater sagt sogar, er sei verrückt und gehöre weggesperrt. Auch die Nachbarn meiden die junge Familie mit dem komischen Kind. Lukas und Paulina ist klar, dass es so nicht weitergehen kann, doch den Gang zu einem Kinderarzt scheut Paulina. Zu groß ist die Furcht, dass man David in eine Klinik einweisen, sie trennen und ihm damit noch mehr schaden könnte.
Während der ganzen Zeit ist ihr Pierre eine große Stütze. Sie lernte ihn vor einiger Zeit bei einem Spaziergang kennen und später bei vielen gemeinsamen Treffen auch schätzen. Oder sogar lieben? David mag ihn und Pierres großes Haus. Ein Haus, das perfekt für ihre Familie wäre. Doch auch Franziska – Lukas Großmutter – hilft ihr, wo sie nur kann. Und als Franziska ihnen vorschlägt, ein großes Haus für sie alle zu kaufen, scheint ihr Glück perfekt.

„Heute, ohne die Mama, war das Kaufhaus Ötz viel zu viel für Davids Kopf. Er dachte, dass er eine Zeit lang weinen könnte. Ihm klopfte das Herz. Aber das ging vorbei. Er war ein großer Junge. David hielt sich die Ohren zu und hörte sich eine Weile das sanfte Rauschen in seinen Ohren an. Hier drinnen war es leise.

Viele Leute. Überall Unordnung, alle Leute machten Unordnung. Davis sah Handtücher, gelbe, weiße, rote und bunte Handtücher, und hier, all die Schuhe, sie standen auf Tischen, in Regalen, dabei gehörten sie in den Schuhschrank.

David verstand diese schreckliche Unordnung nicht.“
(aus „Das stille Kind“ von Asta Scheib, Seite 122)

Ordnung ist Alles für David. Am liebsten sitzt er mit seinen Zinnsoldaten unter dem Küchentisch und befehligt sein Battalion. Es scheint fast, als wäre er nur dabei wirklich glücklich. Und im Wasser, denn David liebt Wellen.
Der Leser steigt in die Geschichte ein, als David 4 Jahre alt ist. Zu dieser Zeit weiß noch niemand, warum David so ist, wie er ist. Seine Eltern sagen sich immer wieder, dass er halt ein bisschen anders ist, sich das aber schon noch geben wird. Paulina schmeißt den Haushalt und Lukas arbeitet den ganzen Tag. Beide haben ihre Verpflichtungen, aber auch Sorgen, Ängste und Nöte, mit denen sie aber den jeweils anderen nicht belasten wollen. Und so kommt es wie es kommen muss – beide entfernen sich eher, als das sie sich zusammenraufen. Vor allem, als Maxine (Lukas‘ ehemalige Freundin aus Kanada) in ihr Leben tritt.

Das Buch ist sehr gut geschrieben. Es liest sich sehr flüssig und auch wenn es vielleicht nicht so spannend wie ein Krimi ist, mochte ich es trotzdem nie aus der Hand legen. Es ist ein Buch, dass man problemlos in einem Rutsch durchlesen kann. Einfach weil es so schön ist. So berührend.
Asta Scheib schafft es, dass man sich nicht mehr als Leser, sondern als Teil der Geschichte empfindet. Man leidet mit Paulina, mit Lukas, aber auch mit David. Durch die verschiedenen Sichtweisen im Buch kann man sich perfekt in jede Person hineinversetzen – besonders in David. Dabei ist das Buch oder die Geschichte nie aufdringlich. Nie wird David oder sein Verhalten dauerhaft in den Vordergrund gestellt, sondern die Geschichte aller Familienmitglieder fließt in das Buch ein. Man lebt mit Familie Ruge, lacht, aber weint auch mit ihnen.

Es ist ein Familienroman, der zu Herzen geht, aber auch zum Nachdenken anregt. Ein Roman, der zeigt, wie schwer es Eltern mit Kindern haben, die anders sind. Und wie leicht es auf der anderen Seite sein kann, als Unbeteiligter ein bisschen Verständnis zu zeigen und nicht gleich zu meckern.
Ein Roman, den man unbedingt lesen sollte!

Von mir gibt es 5/5 Sternen!
Und hier geht es noch mal zu allen Infos über das Buch selbst.



3 Kommentare

  1. Corinna Wagner

    das hört sich sehr spannend an!!! Ich glaub ich muss mir das mal kaufen, vielen Dank für den tollen Bericht.. das wird wohl mein nächstes Buch werden!!!

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  2. Corinna Wagner

    Ich habe dir einen Blogaward verliehen! http://vivi0305.blogspot.com/2011/07/danke-fur-meinen-1-blogaward.html

    LG Corinna

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  3. Rosenträume

    Solche Romane liebe ich. Sicher hätte ich es mitgenommen, wenn ich es in einer Buchhandlung gefunden hätte.

    Vielen Dank für die tolle Rezension!

    LG Kerstin

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