[Rezension] „Brombeersommer“ – Dörthe Binkert

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Karl, Viola und Theo kennen sich schon eine kleine Ewigkeit. Die beiden Männer waren schon als Jugendliche beste Freunde und Karl oft bei Theo zu Hause. Viola war in der Schulzeit eine Freundin von Theo’s Schwester und hieß bei den Jungs immer nur „Storchenbein“, wegen ihrer langen und dürren Beine. Das sie damals schon eine Schwäche für Karl hat, ahnt keiner.
Der 2. Weltkrieg verändert alles. Karl und Theo gehen zur Luftwaffe. Theo landet unter anderem in Italien, Karl in Russland. Beide machen sie schreckliche Erfahrungen – Karl mehr als Theo. Als sie sich im Sommer 1946 durch Zufall in ihrer Heimatstadt wiedersehen, ist die Freude groß und ihre Freundschaft lebt wieder auf. Karl traf zwischenzeitlich sogar Viola wieder, die inzwischen so gar nichts mehr mit einem Storchenbein zu tun hat. Eine hübsche junge Frau ist sie geworden.

Einige Zeit später hat Karl seine (Vor)Kriegs-Liebe Edith geheiratet und Viola gehört zum festen Freundeskreis. Die 4 unternehmen immer wieder etwas zusammen und Viola tröstet die in ihrer Ehe eher unglückliche Edith. Beide teilt das gleiche Schicksal, denn sie wollen mehr, als das alltägliche Leben ihnen bietet. Sie wollen etwas erreichen, eine eigene Wohnung und auch eine Arbeit oder ein Hobby, das sie glücklich macht.
Edith hat es mit Karl nicht leicht. Er lebt nach wie vor ein Stück weit in seiner eigenen Welt und denkt viel an den Krieg und an Russland zurück. Oft träumt er von den unendlichen Weiten Russlands und wünscht sich dahin zurück. Für Edith’s Gefühlswelt bleibt da oft einfach kein Platz. Auch das nötige Feingefühl in Anbetracht der Tatsache, dass sie ihre Familie vermisst, fehlt ihm. Oft versteht sie Theo einfach viel besser.
Es kommt wie es kommen muss –  eines Tages trennen sich Karl und Edith.
Zu dieser Zeit sind Theo und Viola schon längst verheiratet und glücklich.  Nach der Trennung unternehmen sie viel zu dritt und ihre Freundschaft existiert einfach weiter, als wäre nichts passiert.

Doch wie auch bei Edith und Karl, ändert sich langsam und schleichend die Beziehung zwischen Viola und Theo. Immer wieder stellt sie fest, dass sie eher einer Meinung mit Karl ist, als mit ihrem Ehemann. Eine Veränderung ihrer Beziehung beginnt …

Brombeersommer

Die Geschichte um Karl, Theo und Viola beginnt 1946 im völlig zerbombten Hagen. Dörthe Binkert nimmt den Leser mit auf eine Zeitreise. Nicht nur das Leben im Nachkriegsdeutschland, sondern auch einen Teil der 50er Jahre erlebt man dank Theo und Karl.
In ihrem klaren Schreibstil, der auf jeden Schnörkel verzichtet, taucht man völlig in die Geschichte ein. Der Hunger, die Armut, Wiederaufbau und auch die politischen Umbrüche – alles Dinge, die man so ganz nebenbei mit erfährt. Allein das macht das Buch schon zu etwas besonderem. Die geschichtlichen Infos drängen sich nicht auf, sondern fließen ganz nebenbei immer wieder mit ein. Egal ob der Krieg, die erste Zeit danach oder der erste Streik gegen die SED.
Gerade der fast neutrale Erzählstil verleiht „Brombeersommer“ seinen besonderen Reiz. Trotz Verzicht auf fast jegliche Gefühlsduselei schafft es die Autorin, die Gefühlswelt ihrer Protagonisten perfekt rüberzubringen. Ihre Sehnsüchte, Ängste und auch Hoffnungen. Es wirkt dadurch noch authentischer und vor allem ehrlicher.

Wer große Spannung erwartet, wird hier an der falschen Stelle sein. Doch das braucht der „Brombeersommer“ auch gar nicht. Auf der anderen Seite ist es aber auch kein Buch, dass man mal eben schnell in 20 Minuten liest und dann wieder vergisst. Es klingt nach, hinterlässt Eindruck und regt zum Nachdenken an. Es zeigt, dass Freundschaft im Leben wichtig ist und dass man damit auch die schlimmsten Zeiten überstehen kann. Doch auch der Wille zur Veränderung und das Streben nach dem eigenen Glück sollte man dabei nicht außer Acht lassen.

Ein tolles Buch, dass sich zwar ganz einfach und schnell liest, aber trotzdem noch lange im Kopf bleibt. Von mir gibt es 5/5 Sternen!

Buchinfos

  • „Brombeersommer“
  • Dörthe Binkert
  • dtv-premium
  • Taschenbuch
  • 272 Seiten
  • ISBN: 978-3423249133
  • 14,90 Euro

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