[Rezension] „Brockhaus Literaturcomics – Eine Weihnachtsgeschichte“ – Charles Dickens

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Wer kennt sie nicht, die Geschichte vom geizigen und alten Ebenezer Scrooge, der mit Weihnachten so gar nichts anfangen kann und von drei Weihnachtsgeistern besucht wird? Immer wieder stößt er viele Leute vor den Kopf – allen voran seinen Neffen Fred und seinen Angestellten Bob. Würde es nach ihm gehen, dann gäbe es kein Weihnachten. Mitgefühl  und Toleranz hält er für überflüssig, Spenden für arme Mitbürger sowieso. Warum zahlt er denn sonst Steuern?
Doch am Abend vor Weihnachten bekommt Ebenezer plötzlich Besuch von Marley, seinem verstorbenen Partner . Wie Ebenezer saß er damals oft dicht über die Bücher gebeugt und vergaß das normale Leben völlig. Nun muss er dafür teuer bezahlen, denn sein Geist findet keine Ruhe. Verdammt zum ewigen Umherstreifen beschließt er, Ebenezer zu warnen, denn ihm droht das gleiche Schicksal. Er kündigt drei verschiedene Geister an, die seine letzte Rettung sein werden. Ändert er sich nicht, ist alles zu spät.

Schon wenige Stunden später erscheint der Erste der Drei – der Geist der vergangenen Weihnacht und blickt mit Ebenezer in die Vergangenheit. Mit dem Zweiten schaut er einige Zeit später seinem Angestellten und auch seinem Neffen beim Feiern zu und bereut sein Handeln sehr. Den Rest gibt ihm allerdings der Geist der kommenden Weihnachten, als er sieht, wie alle nach seinem Tod über ihn reden. Niemand weiß etwas Gutes zu berichten – im Gegenteil, denn sie bestehlen ihn sogar noch.

Für Ebenezer ändert sich mit diesen Geistern alles, denn er beschließt, ab sofort nett und freundlich zu sein und vor allem sein Geld nicht mehr zu horten, sondern auch zu spenden bzw. Bob endlich mehr Gehalt zu zahlen.

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Im Jahre 1843 schrieb Dickens „A Christmas Carol“ in 5 Strophen nieder und erschuf damit eine Weihnachtsgeschichte, die es inzwischen in unzähligen Versionen gibt – mal mehr, mal weniger dicht am Original. Ich vermute sehr stark, dass man sich im vorliegenden Werk an das englische Original gehalten hat, auch wenn es in einigen Stellen wohl gekürzt wurde. Ich persönlich finde es gut, dass man auch Stellen nicht geändert hat, in denen Scrooge alle Liebhaber von Weihnachten am liebsten in Plumpudding kochen und mit einem Stechpalmenzweig im Herzen begraben würde – auch wenn sie vielleicht nicht so kinderfreundlich sind. Allerdings richten sich die Literaturcomics auch an eine Altersgruppe von 10-12 Jahren und nicht an kleine Kinder.

Wie schon im Dschungelbuch sind die Zeichnungen sehr detailgetreu und bringen die Stimmung perfekt rüber. Teils sind sie nichts für schwache Nerven – der Geist der zukünftigen Weihnachten oder Markey zum Beispiel. Das sind jedoch Ausnahmen, die trotzdem perfekt ins Buch passen.
Für meinen Geschmack änderte Ebenezer etwas schnell seine Meinung bzw. war ein klein wenig zu schnell geläutert, hier wären ein oder zwei Seiten mehr sicherlich nicht schlecht gewesen. Durch diese Zusammenfassung bekommt man als Leser allerdings sehr gut die eigentliche Botschaft des Buches geliefert – klarer und deutlicher als es in einer ausführlichen Geschichte möglich gewesen wäre. Schon im 19. Jahrhundert galt die Geschichte als sehr sozialkritisch und auch auf die heutige Zeit, in der die Schere zwischen Armut und Reichtum immer weiter auseinanderklafft, kann man sie mehr oder weniger problemlos übertragen.

Im Anschluss an den Comic selbst erfährt der gewillte Leser wieder mehr über den Autor des Werkes, sowie auch die Zeit und das Umfeld zur Geschichte. Und natürlich dürfen auch Informationen über Weihnachten und Weihnachtsbräuche im England des 19. Jahrhunderts nicht fehlen.

Auch wenn sie vielleicht nicht so kindgerecht ist, so ist diese Form der Weihnachtsgeschichte für mich die liebste. Ich mag die bissigen Sprüche von Ebenezer Scrooge, die mich trotz der Bösartigkeit immer mal wieder zum Schmunzeln gebracht haben. Die Geschichte ist einfach wunderschön gezeichnet und es macht Spaß, sie zu lesen. Und mit kleineren Textänderungen beim Vorlesen fand sie sogar unser 4.5jähriger toll. Für mich ist es auf jeden Fall ein Buch, dass zu keinem Weihnachtsfest fehlen sollte!

Buchinfo

  • Brockhaus Literaturcomics – „Eine Weihnachtsgeschichte“
  • im Original von Charles Dickens
  • Brockhaus / Wissenmedia
  • gebundene Ausgabe
  • 58 Seiten
  • ISBN 978-3577003308
  • Altersempfehlung: 10-12 Jahre
  • Erscheinungsdatum: 12. September 2013
  • 12,95 Euro

Das Buch wurde mir für diese Rezension kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt. Meine Meinung beeinflusst das nicht.

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