[Rezension] „Bis das der Zufall uns vereint“ – Blanca Busquets

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Sergi ist ein bekannter und beliebter Radiomoderator aus Barcelona, der auch schon diverse TV-Auftritte hinter sich hat. Er wirkt eingebildet, ein Stück weit arrogant und doch im Innern von Selbstzweifeln zerrissen. Mit seiner Vergangenheit in einem der armen Viertel von Barcelona hat er abgeschlossen und bestreitet wenn nötig sogar jeden Zusammenhang zwischen ihm und früheren „Freunden“ oder auch nur Bekannten aus dem Viertel. Schließlich passt es nicht zu seinem guten Ruf.

Geprägt durch seine sich prügelnden Eltern trieb er sich schon früh auf der Straße rum und traf so auch auf Cristina. Angetrieben  von ihrem Kumpel und Anführer Lluis versuchten Sergi und Dani, sie zu vergewaltigen. Doch so weit kommt es nicht, denn sie werden unterbrochen.
Viele Jahre später begegnet Sergi der Frau wieder, die er schon längst vergessen hat. Cristina. Merkwürdig sind dabei die Umstände ihres Zusammentreffens, denn Cristina trauert um Ramon, ihren Mann. Er war Tontechniker, arbeitete beim Radio und starb bei einem Motorradunfall. Sergi hieß sein Kollege und bester Freund. Klingt nicht merkwürdig? Doch, wenn man weiß und bedenkt, dass Sergi eigentlich in eine ganz andere und falsche Leichenhalle gefahren ist. In „seiner“ Leichenhalle liegt ein anderer Ramon, auch Tontechniker beim Radio, der auch bei einem Motorradunfall ums Leben kam. In der gleichen Nacht. Und dann ist da noch Cristina – die Frau, die er damals fast vergewaltigt hätte und die ihn aber glücklicherweise nicht wiederzuerkennen scheint. Oder weiß sie es vielleicht doch schön längst und spielt ein falsches Spiel?

Buchcover - Vorderseite

Als Fan von „Die Woll-Lust der Maria Dolors“ habe ich einiges an Erwartungen in das Buch gesteckt. Leider.
Der Leser schlüpft in den Kopf und die Gedanken von Sergi. Beginnend in der „falschen“ Leichenhalle mit dem „falschen“ Ramon erfährt man immer häppchenweise und abwechselnd die Geschichte von Cristina, Ramon und auch Sergi – beginnend in der Jugend bis zum heutigen Tage.
Der flüssige Schreibstil ist dabei aber schon fast das einzig Positive. Oftmals springt die Sichtweise, so dass von einem zum anderen Satz statt Cristina’s plötzlich aus Sergi’s Geschichte erzählt wird. Das macht es zwar nicht einfacher, jedoch kann man damit zurechtkommen. Allerdings fand ich schon ab dem ersten Zufall/Zusammentreffen das ganze Konstrukt des Buches mehr als fragwürdig bzw. eigentlich sogar sehr unglaubwürdig. Das macht der nächste Zufall, der erst sehr viel später in der Geschichte auftritt, auch nicht besser. Im Gegenteil.

Ich frage mich auch jetzt, nach Ende des Buches, immer wieder, wie Blanca Busquets auf das Thema kam? Was will sie dem Leser mit auf den Weg geben? Und warum verpackt sie das ganze in einer so schlecht konstruierten Geschichte, die voll von unglaubwürdigen Zufällen ist? Ist ihr damals das Gleiche passiert wie Cristina?
Sergi treibt das schlechte Gewissen, aber auch immer wieder der Gedanke, dass doch alles gar nicht so schlimm war. Schließlich kniff er ihr damals „nur“ in den Busen. Und auch ich ertappte mich irgendwann immer öfter bei dem Gedanken und der Frage „Das war alles?“ Vieles erschien mir einfach nicht nachvollziehbar oder übertrieben. Oder nur irgendwie schnell zu Ende gebracht. Dazu kam sicherlich auch noch, dass ich mich schon ab Seite 30 in etwa einfach nur noch durch das Buch gequält habe und es einfach nur langweilig und künstlich aufgesetzt fand.
Natürlich hat das Buch für mich auch eine Aussage gehabt – die ich euch allerdings nicht verraten kann, denn sonst wüsstet ihr schon vorher, wie das Buch ausgeht. Allerdings ist das ganze Buch für mich leider überhaupt nichts und so sehr ich Blanca Busquets für „Die Woll-Lust der Maria Dolors“ liebe – hier kann ich nur 2/5 Sternen geben. Leider.

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