[Rezension] „Alles auf Anfang, Marie!“ – Ursula Schröder

Werbung

Marie ist über 50 und war ihr Leben lang nur Hausfrau und für ihre beiden Kinder und ihren Mann da. Als nach der Tochter dann auch noch ihr Sohn auszieht, bricht für sie eine Welt zusammen. Sie will nicht so werden wie ihre Freundinnen, die Golf spielen, shoppen gehen oder einfach nur so den Tag verbummeln. Sie will etwas bewirken, etwas sinnvolles tun. Schnell merkt sie, dass der Arbeitsmarkt sie nicht will, schließlich hat sie seit 25 Jahren nicht gearbeitet.

Eher durch Zufall wird sie gebeten, bei einer Veranstaltung im Kindergarten dabei zu sein. Dort lernt sie Kevin kennen und einige Tage später auch Kevin’s Mutter und seine Geschwister. Nicht nur das sie arm sind und kein Geld haben, auch die ganze Wohnung ist zugemüllt und dreckig. Nicole, die Mutter von Kevin, ist wieder schwanger und kann sich nicht um ihre 3 Kinder kümmern, da sie liegen muss.
Marie schreitet ein, hilft und bringt sowohl die Küche und einen Teil der Wohnung, als auch das Leben der Familie auf Vordermann.  Zumindest versucht sie es. Alles könnte gut sein, wäre da nicht ihr Ehemann Henning und der ständige Streit. …

Alles auf Anfang - Cover

Zugegeben – wirklich neu ist das Thema nicht, aber trotzdem sprach es mich sofort an. Die Beschreibung klang lustig und genau richtig für ein paar vergnügliche Stunden zwischendurch. Und genau dafür ist es auch perfekt geeignet. Der Schreibstil ist sehr flüssig, die Protagonisten einfach und klar beschrieben – das perfekte Frauenbuch. Trotzdem bin ich ein bisschen hin- und hergerissen. Um es direkt auf den Punkt zu bringen: es ist mir viel zu viel Klischee darin. Die Mitt-Fünfzigerin mit reichem Mann, die nie wirklich gearbeitet hat und sich gern sozial betätigen will. Mir fallen allein durch meine Arbeit spontan schon mindestens 10 Frauen ein, die ganz genauso sind. Und da habe ich noch nicht mal groß überlegt. Dazu kommt dann die „typisch“ arme Familie mit einer „Null-Bock-Mutter“, vielen Kindern und genauso vielen Vätern, wovon einer im Gefängnis saß. Und Marie als rettender Engel irgendwo zwischendrin.
Das ist natürlich recht böse gesagt, aber stellenweise ging es mir so und nervte mich. Marie’s persönliche Probleme mit ihrem Ehemann bringen immerhin Abwechslung in die Geschichte, auch wenn ich mich mehr als ein Mal fragte, warum die beiden wohl überhaupt verheiratet sind.
Mit Hannes, der noch dazu ein ehemaliger Freund von Marie’s Mann ist, kommt allerdings noch zusätzlich ein bisschen Spannung in die Geschichte.

Wer das Buch nicht als eine Sammlung von ganz vielen Klischees sehen will oder kann und ein bisschen hinter die Fassade blickt, der wird sich einiges rausziehen können. Die Bereitschaft anderen zu helfen (auch wenn es am Anfang eher aus Zwang geschieht), die Offenheit, mit der man neue Menschen kennen lernen kann aber auch die Gabe, sich gegenseitig verzeihen zu können. Und genau das ist eigentlich für mich auch das aussagekräftigste im ganzen Buch gewesen. Marie’s Geschichte rund um Kevin trat völlig in den Hintergrund vor der Familiengeschichte von Marie und Henning und ihren mind. 25 Ehejahren. Auch wenn sie viele Tage nicht miteinander sprechen und wütend aufeinander sind – sie versöhnen sich doch immer wieder und zeigen so, dass es auch anders geht. Das es manchmal auch schlechte Tage gibt und man trotzdem nicht gleich aufgeben muss.

Normalerweise würde ich 3.5 Sterne geben. Da ich mich aber an die vollen Sterne von Amazon halte, werden es doch nur 3. Das Lesen hat zwar schon Spaß gemacht, aber für 4 Sterne war ich einfach zu oft genervt.

Buchinfos

  • „Alles auf Anfang, Marie“
  • Ursula Schröder
  • dtv
  • Taschenbuch
  • 352 Seiten
  • ISBN: 3423213752
  • Erscheinungsdatum: 1.8.2012
  • 8,95 Euro
  • Leseprobe (pdf, Seite des dtv)

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.