[Rezension] „All die verdammt perfekten Tage“ – Jennifer Niven

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Hätte man ihm vor ein paar Wochen gesagt, dass er einmal mit der beliebten und überall geachteten Violet als Partner in einem Schulprojekt halb Indiana bereisen würde – er hätte es sicher nicht geglaubt. Was sollte sie schon mit ihm, den alle nur Freak nennen, anfangen wollen? …

Die Geschichte von Violet und Finch beginnt auf dem Glockenturm der Schule, genauergesagt auf einem Vorsprung außerhalb des Turms. Zufällig stehen beide dort draußen und hängen ihren Gedanken nach. Finch denkt über das Leben, Selbstmordmöglichkeiten allgemein und seine Wachzustände nach (schließlich will er unbedingt wach sein!), Violet dagegen plagen immer noch Schuldgefühle am Unfalltod ihrer Schwester Eleanor. Als sie bemerkt werden, tut Finch das in seinen Augen einzig richtige und dreht es so, als wäre Violet nur da oben, um ihn zu retten.
Nach dieser Aktion geht sie ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf und so überrumpelt er sie kurze Zeit später, damit er ihr Partner beim Schulprojekt werden kann. Zusammen sollen sie erkunden, wie schön ihr Bundesstaat Indiana ist und was er für reizvolle Ecken bietet. Violet ist stinksauer, schließlich kam sie seit 9 Monaten mit ihrer Schonhaltung super durch’s Leben und musste praktisch kaum etwas tun. Jeder Lehrer hatte Mitleid mit ihr und erließ ihr praktisch jede größere Hausaufgabe, wenn sie auch nur ein Mal den Kopf hob. Doch ihr Lehrer in amerikanischer Landeskunde sieht das ganz anders und so bleibt Violet nichts anderes übrig, als ihr Schneckenhaus zu verlassen. Zusammen mit Finch macht sie sich auf den Weg, ihre selbst zusammengestellte Liste an Sehenswürdigkeiten und unglaublichen Attraktionen abzuarbeiten. Sie wandern, fahren Rad, gehen Schwimmen und fahren sogar im Garten mit einer selbstgebauten Achterbahn.

Immer mehr taut Violet auf, immer mehr vertraut sie der liebevollen, chaotischen und sehr direkten Art von Finch. In ganz kurzer Zeit schafft er das, was Therapeutin und Eltern in all den Monaten nicht zustande bekommen haben: sie gewinnt ihren Lebensmut zurück, lächelt sogar und kriecht mehr und mehr aus ihrem selbst gewählten Schneckenhaus. Doch im Laufe der Zeit verliert Finch sich immer mehr und sein Bestreben, immer „wach“ zu sein, scheint zu scheitern ….

All die verdammt perfekten Tage- Cover

Auf den ersten Blick ist das Muster der Geschichte alltbekannt: Beliebte Schulschönheit mit Problemen trifft den Sonderling, den keiner an der Schule recht leiden mag. Sie freunden sich an, verlieben sich und alles wird gut. Aber wird es das hier wirklich? Dazu solltet ihr das Buch selbst und keinesfalls genauer die Amazon-Rezensionen lesen, denn leider schreiben dort schon so einige, wie es ausgeht.
Auch wenn die Grundidee dahinter vielleicht nicht neu ist – die Umsetzung hier im Buch ist es für mich auf jeden Fall und die ist meiner Meinung nach großartig gelungen. Jennifer Niven zeichnete hier zwei unglaublich vielschichtige Charaktäre, die man einfach nur gernhaben muss. Auf den ersten 10 Seiten hatte ich zwar mit Finch so meine Schwierigkeiten, aber sobald man in der Story drin ist, lässt sie einen nicht mehr los. Ich für meinen Teil konnte das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen und habe es dann innerhalb weniger Stunden ausgelesen. (Irgend einen Vorteil muss es ja haben, krank im Bett zu liegen. ;) )

Als Leser erlebt man die Geschichte immer abwechselnd aus der Sicht von Finch und Violet. Verwirrungen gibt es keine, denn über jedem Kapitel ist klar geschrieben, um wen es geht. Erzählt wird in der jeweiligen Ich-Form, was mir die Story und auch die Gefühle noch sehr viel näher brachte, als die sonst so häufige unpersönliche Erzählweise. Und so habe ich mit Violet gelitten, mit Finch gezittert und mich mit beiden einfach gefreut. Es ist eine Achterbahn der Gefühle, die man beim Lesen durchlebt und selbst wenn man noch keinen Todesfall wie Violet erlebt hat, man versteht sie. Man fühlt, was sie fühlt und möchte sie zwischendurch einfach nur in den Arm nehmen. Genauso habe ich mich aber über jeden ihrer Schritte zurück ins Leben gefreut. Über die kleinen Dinge, die Finch mit seiner Art erreicht hat und die dafür gesorgt haben, dass sie stärker wird. Vielleicht sogar stärker als vor dem Unfalltod ihrer Schwester.
Am liebsten geschüttelt hätte ich dagegen Finch’s Familie, denn anders als Violet wächst er längst nicht so behütet auf. Obwohl er klare Krankheitssymptome zeigt, kümmert sich keiner um ihn. Er lebt sein Leben, bleibt ab und zu einfach mal eine Weile weg und kommt dann wieder – ganz so wie es ihm gefällt. Stören tut sich keiner daran, obwohl er noch keine 18 ist. Seiner Mutter fällt es gar nicht auf und sein Vater hat sich längst eine neue Familie gesucht. Selbst als er eines Tages mit viel Lärm sein Zimmer umräumt, schaut niemand, was er da eigentlich treibt. Finch selbst ist Jennifer Niven unglaublich gut gelungen. Seine Art, seine Zerrissenheit, später die Glücksgefühle – man rast von einer Emotion zur nächsten, bleibt dabei aber absolut im glaubwürdigen Bereich.

So schön das Buch auch geschrieben ist, eigentlich ist das Kernthema, das ich hier absichtlich nicht näher nennen möchte, harte Kost. Um so schöner finde ich, dass uns die Autorin nach der Geschichte von Violet und Finch in ihr Leben blicken lässt und zeigt, dass sie sich wirklich damit auskennt. Klingt jetzt vielleicht komisch, aber nach dem Lesen werdet ihr wissen, was ich meine.

Für mich ist „All die verdammt perfekten Tage“ eines der besten Bücher, die ich seit langem gelesen habe. Obwohl es um ein ernstes Thema geht, ist die Geschichte unglaublich warmherzig, witzig und gefühlvoll geschrieben. Es ist eine Geschichte, die sich langsam aufbaut und bei vordergründig vielleicht gar nicht so viel passiert – im Kopf und Herz dafür um so mehr. Es geht um Mobbing, Gewalt und den Tod, aber auch um perfekte Momente, ganz viele Glücksgefühle und darum, das Beste aus seinem Leben zu machen.
Ein absolut lesenswertes Buch!

*

Buchinfo

  • „All die verdammt perfekten Tage“
  • Jennifer Niven
  • Limes Verlag
  • broschierte Ausgabe
  • 400 Seiten
  • Erscheinungsdatum: 28. Dezember 2015
  • ISBN 3809026573
  • 14,99 Euro

(Das Buch wurde mir für diese Rezension kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt. Meine Meinung beeinflusst das nicht.)
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9 Kommentare

  1. Christian

    Scheint ein ziemlich gutes Buch zu sein. Nicht das erste mal, dass ich gutes darüber lese. Muss ich mir unbedingt gönnen.

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    1. Sandra

      Es lohnt sich wirklich! Aber du hast Recht – man liest überall immer wieder viel Gutes, ging mir bisher auch so. :D

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      1. Martina

        Lohnt sich definitiv! :) Finde auch die Handlung baut aufeinander auf und in einer sehr schönen art geschrieben!

        LG Martina

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  2. David M

    Das Buch kenne ich auch. Meine Mutter und meine Freundin haben es gelesen und hat beiden sehr gut gefallen. Leider haben beide die Kindle Version und ich bin kein Freund von eBook Readern. Gibt es auch eine gebundene Ausgabe von dem Buch?

    Gruß David

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    1. Sandra

      Na klar, das Buch gibt es auch als Taschenbuch. :)

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      1. David M

        Das Buch ist heute angekommen. Werde die nächsten Tage mal mit dem Lesen anfangen und melde mich nochmal wenn ich fertig bin :)

        Schöne Ostertage wünsche ich dir :)

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        1. Sandra

          Viel Spaß beim Lesen! Ich lese zwar auch gern mal eben am Handy, aber irgendwie finde ich Bücher immer viel schöner und bevorzuge sie eindeutig :D

          Dir auch schöne Ostern! :)

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  3. Hansi

    ich habe das Buch auch vor kurzem gelesen und kann nur zustimmen! Zurecht findet es Erwähnung auf deinem Blog Sandra :-)

    Hast du noch weitere solcher Bücher aus der Richtung?

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    1. Sandra

      Vielleicht ist Noah ja etwas für dich? Ein absolut großartiges Buch!

      https://www.sandras-testblog.de/rezension-am-ende-der-welt-traf-ich-noah-irmgard-kramer-16592/

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