Produkttester – ein gieriges Volk

Wer in den letzten Tagen auf der Facebookseite von Jacobs mitgelesen hat, wurde mit reichlich Vorurteilen gegen Blogger konfrontiert. Normalerweise ist mir so etwas völlig egal und ich würde es auch nie kommentieren. Aber in der letzten Zeit ist es mir auch im Freundeskreis immer wieder aufgefallen: Produkttester haben den Ruf, meist gierig zu sein und außerdem würden sie sowieso alles geschenkt bekommen. Bei facebook las ich noch, dass es hauptberufliche Produkttester geben würde….

Zeit also für ein bisschen Aufklärungsarbeit.

Auch ich habe ein Privatleben ;) Als ich mit meinem Blog begann, dachte ich, dass ich so 1-2 Berichte im Monat schreiben würde. Das es so viel werden würde, war anfangs gar nicht geplant. Aber es macht Spaß. Ich habe pro Tag maximum 3 Stunden zum bloggen, wobei das halt immer nur abends ist. Ich bin somit von hauptberuflich weit entfernt. Zumal man davon sowieso nicht leben könnte und ich auch gar keine Lust dazu hätte.

Denn… Produkttester arbeiten kostenlos. Firmen geben Produkte zum testen ab, um Kundenmeinungen zu hören. Sei es, um die Produkte zu verbessern oder Produkte bekannter zu machen. Das heißt, wir Tester berichten und bekommen dafür eine Gegenleistung in Form eines Produktes. Aber auch nur, um darüber zu berichten. Egal ob in einem Blog, Umfragen oder sonstwo.

Es gibt viele verschiedene Testplattformen. Die bekannteste wird wohl trnd.com sein. Bei inzwischen angeblich mehr als 100.000 Teilnehmern gehört schon reichlich Glück dazu, überhaupt als Tester ausgewählt zu werden. Einer meiner letzten Tests bei trnd war der Persil Hygienespüler. Für mich gab es eine Flasche davon, Ladenpreis ca. 3,80 Euro. Zum weitergeben 30 Proben, dazu ein Heft mit 20 Marktforschungsunterlagen. 30 Proben wollten also an den Mann und die Frau gebracht werden, die MaFo-Bögen von Leuten ausgefüllt werden. Außerdem einen Blogbericht schreiben (wobei ich damals noch keinen Blog hatte) und natürlich Berichte an trnd übermitteln. Zusätzlich gibt es in jedem Projekt 3 Umfragen, die auch noch ausgefüllt werden wollen. Berichte schreiben sollte man auch mehr als einen und die sollten natürlich auch ausführlich sein.
Zur Erinnerung: das alles für eine Flasche, die im Laden 3,80 Euro kostet. Man ist natürlich nicht gezwungen Berichte zu schreiben oder die MaFo-Bögen ausfüllen zu lassen. Aber dann war dieses Projekt sicherlich auch eines der letzten über den Anbieter.

Das oben genannte Prinzip gibt es inzwischen bei sehr vielen Testplattformen. Es kommt sehr selten vor, dass man etwas zum testen bekommt und am Schluss nur eine Umfrage mit 3 Fragen ausfüllt. Mein letzter Test dieser Art bis jetzt war bei bopki: Knorr Strauchtomatensuppe für 99 cent. Noch dazu hat sie niemandem geschmeckt und ich musste richtig Überzeugungsarbeit leisten, damit mir die Tüten jemand abnimmt. Es ist ja nicht immer so, dass man alles aus der Hand gerissen bekommt. Auch das Langnese-Projekt wurde nur mit mäßiger Begeisterung aufgenommen. Somit gehört also auch immer ein gewisser Teil reden dazu. Man erklärt ein Produkt, erzählt darüber, schreibt, … Und während ein normaler Käufer einfach ein Produkt benutzt und sich keine Gedanken darum macht, achtet ein Produkttester auf alles: Wie wirkt das Produkt auf mich, wie schmeckt es, was ist gut, was nicht, …

Wirklich hochwertige bzw. teuere Sachen gibt es eher selten. Bei netmoms, über die ich momentan die Kodak M590 testen darf, wurden nur 15 Tester gesucht. Auch mein nächstes Großprojekt – ein Drucker von HP – bestreiten neben mir nur 10 oder 11 andere. Doch dafür muss ich auch richtig arbeiten. Um den Drucker behalten zu dürfen, werden mindestens 2 Blogberichte (auf einem speziellen Blog) pro Woche erwartet, zusätzlich zu verschiedenen Aufgabenstellungen. Dies über eine Dauer von 6 Wochen. Rechnet man dies um auf die Arbeit zum Schreiben, ausprobieren, Fotos machen und bearbeiten, … Dafür würden manche nicht einmal anfangen etwas zu tun.

Produkttest-Blogger ist man garantiert nicht, weil man etwas daran verdient, sondern aus Überzeugung und weil es Spaß macht. Ich teste gern neue Produkte – alte natürlich auch – und berichte darüber. Ich denke dabei auch immer an mich selbst. Wenn ich etwas bestimmtes kaufen möchte, durchsuche auch ich Testberichte. Dann freue ich mich über jeden Blog- oder Testbericht, den ich finden kann und der aussagekräftig ist. Deshalb werdet Ihr auch bei mir nie eine testbewertung finden, in der nur „toller Artikel, kann ich empfehlen“ steht.

Natürlich gibt es auch immer wieder schwarze Schafe. Aber 99% aller Blogger geben sich wirlich Mühe und nehmen Tests ernst.

 Ab und zu hat man als Blogger die Chance, für Berichte bezahlt zu werden. Die Aufgabenstellung ist fast immer die gleiche: Schreibe einen Bericht, verlinke auf eine bestimmte Seite. Bestimmte Wortanzahl wird vorgegeben, manchmal auch bestimmte Dinge, die im Text stehen sollen. Na, was denkt Ihr, wo der Wortpreis liegt? 10cent, 20 cent?
Falsch. 1 cent, teilweise sogar darunter. Wenn man viel Glück hat, auch darüber. Auch damit ist also kein Geld zu machen. Zumal natürlich auch alle Einnahmen versteuert werden müssen.

Also, wenn Ihr mal wieder einen Produkttest-Blog lest oder seht: Freut Euch einfach darüber, dass so viel gestestet wird. Der oder diejenige tut dies in ihrer Freizeit und weil er/sie Spaß daran hat. Aber garantiert nicht, weil man daran verdient oder das gar hauptberuflich macht.

2 Kommentare

  1. manuela lang

    Vielen Dank für diesen Bericht!! Der spricht wohl vielen Bloggern aus der Seele !
    Ich habe die Vorurteile auch satt und bin über jeden Blogger dankbar, der das auch so sieht und erlebt.

    Viele liebe Grüße

    Manuela von familienfreundlich

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  2. Model und Mama

    witzige Überschrift … und JAA ….. da ist überall was dran an dem was du schreibst ;-)

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