„Jeden Tag, jede Stunde“ – Rezension

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Dora und Luka – im Abstand von 3 Jahren geboren im kroatischen Makarska. Schon damals verbrachten sie jede freie Minute miteinander. Meist am Meer, manchmal woanders. Hauptsache zusammen. Doch als Dora 6 Jahre alt ist, ziehen ihre Eltern mit ihr weg. Nach Paris. Luka bleibt allein zurück und wird im Laufe der Jahre von immer mehr Personen verlassen. Erst zieht sein Vater aus, dann stirbt seine Mutter. Luka geht nach Zagreb an die Kunstakademie um zu malen, während Dora an Paris an die Schauspielschule geht. Beide leben ihren Traum – wäre da nicht das unausgesprochene. Denn beide haben sich schon vor langer Zeit verboten, nicht an den jeweils anderen zu denken. Zu weh tun die Erinnerungen. Und so haben zwar beide ihre Beziehungen, wirklich glücklich sind sie jedoch nicht.
Einige Jahre später treffen sie sich durch Zufall in Paris wieder. Inzwischen sind 16 Jahre seit ihrer Trennung vergangen. Verschüttete Erinnerungen kommen wieder hoch … Beide sind glücklich und verbringen wunderschöne Monate. Doch dann will Luka nach Hause nach Kroatien. Er will sich eigentlich sofort melden, tut es jedoch nie.
In Kroatien angekommen, wird er von seiner Exfreundin Klara erwartet. Seiner von ihm schwangeren Exfreundin. Und Luka tut das für ihn unvermeindliche – er heiratet sie. Doch Dora gibt nicht auf. Will nicht aufgeben ….

Schon von Anfang faszinierte mich der besondere Schreibstil von Natasa Dragnic. Die Sätze sind oft sehr kurz, sagen aber doch so viel mehr als lange und blumige Beschreibungen. Trotz allem schafft sie es, die Orte wunderschön und detailgetreu zu beschreiben.
Während der ersten 50 Seiten war ich wenig begeistert. Kleine Kinder, die schon so erwachsen denken? Niemals. Doch je mehr ich las, desto mehr Sinn ergab alles. Ich stellte nichts mehr in Frage, sondern genoss einfach. Zwischendrin hätte ich Dora schütteln mögen, so stur und verbort ist sie. Doch auf der anderen Seite – wie würde ich in ihrer Situation reagieren?
Doch auch Luka’s Verhalten wollte mir nicht in den Kopf. Wie weit sollte man sich selbst für Dinge bestrafen, die man selbst so gewollt und entschieden hat? Und die man nur zu feige ist zu ändern?

Natasa Dragnic hat für mich ein Meisterwerk geschaffen. Es ist ein sehr feinsinniger Roman, der sicher die Meinungen spalten wird. Entweder man liebt oder man hasst es. Ganz sicher ist – man muss sich darauf einlassen. Auch wenn es eine Liebesgeschichte ist – „Jeden Tag, jede Stunde“ ist kein seichter Frauenroman für zwischendurch. Auch mal eben schnell 10 Seiten lesen wird nicht funktionieren. Dies ist ein Buch, dass man zwischendurch am besten  nie aus der Hand legt und in einem Rutsch durchliest. Denn dann erst kann man lesen ohne nachzudenken. Sich perfekt auf den Schreibstil einlassen. Auf den manchmal recht eigenen Erzählstil.

Eigener Erzählstil? Schon ein bisschen. Jeder, der Bücher liest, kennt sie. Die „Anführungsstriche“ wenn jemand etwas sagt. Normalerweise steht immer brav dahinter, wer das denn gesagt hat. Hier nicht. Nicht oft. Auch nicht, wenn es einen Dialog mit mehr als 20 kurzen Fragen oder Antworten gibt. Und so habe auch ich mich mindestens 1x beim er-sie-er-sie-er-sie-Zählen erwischt. Doch es passt zum Buch und störte mich überhaupt nicht. Im Gegenteil – jede andere Schreib- bzw. Erzählweise hätte nicht zu so einem tollen Buch geführt.

Auch recht eigen sind die Wiederholungen. Meinte man es böse, könnte man denken, dass einfach nur Buchseiten kopiert wurden. Doch lässt man sich auf das Buch ein, sieht man das Muster dahinter. Das in Ohnmacht fallen im Kindergarten, später in der Ausstellung, im Hotel, … Bestimmte Ereignisse, die sich durch all die Jahre ziehen und sofort zeigen, dass sich nichts verändert hat. Zumindest nicht zwischen Dora und Luka.

Sehr passend zum Buch auch das Ende. Für mich kein Ende im eigentlichen Sinne, denn es wirft mehr Fragen auf als Antworten. Nicht nur, warum das letzte Kapitel das erste im Buch ist. …
Trotzdem das Buch nun zu Ende und ausgelesen ist, habe ich doch das Gefühl, dass die Geschichte noch lange nicht zu Ende ist. Sie geht sicher weiter, die Liebesgeschichte zwischen Dora und Luka. Irgendwo.

Fazit:
Ein wunderschönes Buch, auf das man sich allerdings wirklich einlassen muss. In das man sich hineinfühlen und hineinversetzen muss. Eine Liebesgeschichte, die zeigt, wie andauernd Liebe sein kann. Und wie ehrlich. Wie einfach und doch kompliziert.

5/5 Sternen!

1 Kommentar

  1. Pingback: [Rezension] “Immer wieder das Meer” – Natasa Dragnic › Sandra's Testblog

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