Im Nährausch

Alles begann recht harmlos mit Tutu, dem kleinen Monster, dass ich für den Kindergeburtstag des Großen und seine Monsterparty genäht hatte. Ganze fünf mal natürlich, denn schließlich sollte jedes Kind ein Monster mit nach Hause nehmen. Auch wenn es dank des kleinen Bruders und seiner Zahnungs- oder Wachstumsschübe wirklich Stress war, entspannte mich das Nähen total. Die Monster wurden fast durchgehend richtig gut, beim Rest kann ich immer noch sagen, dass sie halt mit ganz viel Liebe genäht wurden. Aber es war einfach toll, ein paar Stunden nur zuzuschneiden, zusammenzustecken und an der Nähmaschine zu sitzen. Das Surren ohne Kindergeräusche im Hintergrund ist unglaublich entspannend. Getoppt wird das eigentlich nur noch vom Rasenmähertrekker. Aber ich schweife ab …

Dank des Monsters fielen mir tausend Projekte ein, die ich eigentlich schon längst gemacht haben wollte. Der Sohn möchte noch mindestens 10 neue Kindergartenhosen mit extra viel Platz zwischen den Beinen und ganz großen Taschen, Unterwäsche mit Autos drauf, ein neutrales Beanie und einen Pullover. Der Mann und der kleine Bruder brauchen einen neuen Sonnenhut.
Klar kann man alles natürlich auch kaufen, aber gerade in Punkto Sonnenhut habe ich schon im letzten Jahr keinen einzigen gefunden, der dem großen Sohn gepasst hätte. Also erspare ich mir den Stress lieber gleich, nehme ein paar schöne Stoffe und werde selbst „kreativ“.

Und ich?

Genau das fragte ich mich auch, als ich eher durch Zufall in einer Nähgruppe bei Facebook landete. Inzwischen bin ich schon in zweien und frage mich immer häufiger, warum ich nur für die anderen und nie für mich nähe. Dank noch einiger überzähliger Schwangerschaftspfunde finde ich zum Beispiel einen Hosenkauf extrem anstrengend. Zu eng, zu weit oder eine Mischung aus beidem – wirklich passende Hosen sind schwer zu finden und genau das ist auch der Grund, warum ich mich schon seit einigen Wochen um den Kauf einer neuen Sporthose drückte. Nun muss ich nicht mehr, denn in wenigen Stunden entstand mit „Mama Frida“ eine supertolle Wohlfühl-Sporthose. Folgen werden jetzt auf jeden Fall noch einige Oberteile für mich, denn auch da kann man perfekt figurumspielend nähen. Außerdem kommen natürlich auch meine Männer zu ihren Wünschen – zugeschnitten sind sie ja schon.

Auf Dauer ist das selber Nähen allerdings auch ganz schön teuer. Klar, schlussendlich kommt es immer darauf an, wie teuer die Stoffe im Einkauf waren. Für eine lange Hose brauche ich allerdings schon rund 1.5m Stoff. Wenn ich mir dann einen teuren Jersey für vielleicht 20 Euro/m leiste, kann sich wohl jeder ausrechnen, dass Nähen auch ein kleiner Luxus ist. Und so wird wohl alles so ähnlich bleiben, wie es schon ist – ein Zeitvertreib, bei dem man sich 1-2 Teile genau so näht, wie man möchte und den Rest ganz normal im Laden kauft.

eingekaufte Stoffe und Kam Snaps

Selbermachen ist nicht immer gut

Immer mehr Deutsche entdecken das Selbermachen für sich – ein recht guter Trend wie ich finde. Für mich hat das Nähen aber auch Nachteile. Zum einen weiß man vor dem Nähen leider nie, ob einem genau DAS Teil auch wirklich stehen wird. Man sieht zwar den Schnitt, vielleicht auch Tragebilder von anderen, aber ob es einem selbst passt, kann keiner sagen. Im dümmsten Fall „verbrennt“ man dabei viel Geld für nichts.
Ein weiterer Nachteil ist die Kleidergröße. Während man im Laden an die gängigen Größen gebunden ist, kann man beim Nähen immer wieder schnummeln und Schnitte größer machen. Ein paar Zentimeter Nahtzugabe mehr und schon ist das ganze mehrere Nummern größer – dafür muss man noch nicht mal eine Schneiderlehre absolviert haben. Das Kontrollorgan „Größe“ existiert somit nicht mehr und auch der innere Zwang, doch endlich abzunehmen, greift nicht mehr wirklich. Warum soll man sich auch anstrengen wieder in die alte Kleidergröße zu passen, wenn man beim Zuschneiden einfach bestimmte Stellen ein klein bisschen erweitert?
Man kann sich so viel schneller gehen lassen. Finde ich zumindest. Das ist einerseits zwar ganz nett, aber mal ehrlich – für welche Frau ist es nicht das allerletzte Alarmsignal zum Abnehmen, wenn die alte Kleidergröße kaum noch passt?

Auch ich würde natürlich liebend gern wieder in meine alten Klamotten passen. Am Anfang zwang ich mich dazu, indem ich einfach nichts neues kaufte. Klappte allerdings nur sehr bedingt, fast gar nicht würde ich sagen. Irgendwann braucht man halt doch mal ein paar neue Teile und die kauft man dann halt größer. Inzwischen hängt hier aber ein altes Shirt auf dem Kleiderbügel und mahnt still vor sich hin. Außerdem stöbere ich gern im Internet und überlege, was ich mir den alles kaufen würde, wenn die lästigen Pfunde endlich weg wären. Im Moment bin ich gern bei guna.de und überlege bei jedem neuen Rabattcode auf’s neue, ob ich zuschlage oder nicht. Superschön finde ich ja alles von G-Star, aber so ganz passe ich da noch nicht rein, also lasse ich es mit dem Kaufen. Aber ankucken darf man ja und noch dazu träumen. Vielleicht sollte ich mir anstatt des alten Shirts vielleicht lieber ein Shirt von G-Star ausdrucken und an den Kühlschrank kleben.
Aber noch sind da ja diese Pfunde. Und bis ich die los bin, werde ich wohl auch für mich ein bisschen weiter nähen.  Einen großen Vorteil hat eine Abnahme allerdings, denn man braucht automatisch weniger Stoff für alles und kann gleich noch viel mehr nähen! ;) …

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