Helfen und helfen lassen

Abends halb 10 in Deutschland. Der Mann packt seine Tasche, weil es am nächsten Tag zu einem Seminar geht. Irgendwann kommt dann das unvermeidliche „Du Schahatz???“ Als nächstes höre ich diverse Schmeicheleien, die alle auf eins hinauslaufen – ich soll sein Hemd bügeln, das er am nächsten Tag anziehen will. Es ist jedes Mal das Gleiche. Er wartet bis zum letzten Moment, kommt dann mehr oder weniger geknickt und zähneknirschend an und fragt, ob ich ihm das nicht eben schnell bügeln könnte. Weil er kann das ja nicht. Sagt er.
Schon seit Jahren nehme ich mir vor, dass ich beim nächsten Mal einfach „Nein“ sage. Er kann sein Hemd genauso bügeln, auch wenn er dann vielleicht ne Stunde braucht und Falten drin sind. Schließlich ist Bügeln auch nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung. Immer wieder bin ich versucht, ihm eine Anleitung zum Hemden bügeln auszudrucken, denn davon gibt es im Internet ganz viele. (Klick auf den Link öffnet eine richtig gute.) Aber dann lasse ich es doch und bügle sein Hemd. Schließlich schaffe ich es (ungeübt) auf 5 Minuten. Faltenfrei versteht sich. Der beste Mann von allen tut dafür andere Dinge für mich.

ausgedientes Hemd

Alte Hemden sind auch super Malkittel für Kinder. Mit Bündchenstoff wird es noch bequemer…

Männer wollen gebraucht werden
Genau diesen Satz sagte vor ganz vielen Jahren mal mein Ex-Freund zu mir. Er fand es ganz furchtbar, dass ich einfach meine Dinge selbst erledigt habe und ihn nicht darum gebeten habe. Warum auch? Wenn ich ein Loch in der Wand meiner Wohnung wollte, nahm ich mir einfach meine Bohrmaschine und bohrte da ein Loch. Ist nicht schlimm, tut nicht weh und ist nicht wirklich schwierig. Außerdem war es halt meine Wohnung und er gar nicht so oft bei mir, als das ich ihn ständig um etwas hätte bitten können.
Doch im Laufe der Zeit bin ich faul geworden. Seit dem Hausbau sogar sehr faul. Wenn ich jetzt ein Loch haben möchte, dann komme ich an mit „Du Schahatz….“ und der Mann bohrt das Loch. Ist zwar trotzdem noch meine Bohrmaschine (12 Jahre alt und immer noch super!), aber er kann das viel besser als ich. Sage ich mir zumindest.

Fällt man mit den Ehejahren in ein Rollen-Klischee-Denken zurück? Ich glaube schon. Ein Stück zumindest. Ich für meinen Teil merke ganz stark, dass ich alle handwerklichen Dinge, die ich eigentlich genauso gut kann, gern ihm überlasse. Das tue ich nicht, um ihn zu bauchpinseln, sondern aus Bequemlichkeit, wie ich ehrlich zugeben muss. Schließlich hat er die handwerkliche Ausbildung. Ich erledige dafür halt andere Dinge. Tapezieren zum Beispiel. Oder Bügeln. Dinge, die er überhaupt nicht mag, mit denen ich aber kein großes Problem habe.

Trotzdem bin ich froh, dass der Mann nur ab und zu ein Hemd braucht. Ich glaube, wenn ich ständig Hemden bügeln müsste, würde ich ihm wohl doch eine Anleitung in die Hand drücken, auf dass er selbst bügeln kann muss. ;)

Wer bügelt denn bei euch zu Hause?

4 Kommentare

  1. Elli Spirelli

    *schmunzel*

    Hier is nix mit Rollen-Klischee – ich bohr meine Löcher noch immer selbst in die Wand und renoviere auch selbst – er ist kein Handwerker *grins*

    Und ja, eigentlich bügelt sogar auch mein Mann meistens *lach*

    Verkehrte Welt…. :D

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  2. Mona

    Danke für den guten Artikel. Werde deinen wunderschönen Blog mit als Favorit speichern!

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  3. Becky

    Toller Artikel, war sehr angenehm zu lesen und hat mir einige Male ein Lächeln ins Gesicht gezaubert – vielen Dank :) Bei uns bügelt jeder seine Kleidung selbst. Mein Mann musste es zum Glück bei seiner Mutter schon lernen, auch zu meinem Vorteil :) Liebe Grüße!

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  4. Martha

    Hallöle,

    vielen Dank für den tollen Artikel! Mein Mann bügelt leider nicht. Er übernimmt dafür andere Arbeiten im Haushalt :)

    Grüße

    Martha

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