Häusliche Pflege – aber richtig!

Angehörige zu Hause pflegen? Für viele ist diese Idee völlig abwegig, denn die meisten befürchten, dass sie dann allein mit einem riesigen Berg Arbeit da stehen. Wobei es ja teilweise gar nicht so abwegig ist, wenn man bedenkt, wie wenig Kosten die Krankenkasse noch übernimmt. Die Alternativen sind oft nicht wirklich gut, bedeuten sie doch oft Seniorenheim.

Schon seit einiger Zeit gibt es eine Alternative: Pflegekräfte aus Polen bzw. Osteuropa. Was für einige vielleicht einen komischen Beigeschmack hat oder wenig vertrauenserweckend klingt, hat sich im Laufe der Jahre in vielen Städten zu einer festen Größe entwickelt. Und auch mein Chef greift bei Patienten immer wieder gern auf das Angebot einer polnischen Vermittlungsagentur zur Seniorenbetreuung zurück.
Doch die wenigsten wissen, dass man bei einer ausländischen Pflegekraft auch einiges beachten sollte.

Zuerst einmal hier einige allgemeine Infos:

  • Die Pflegekräfte sprechen im Normalfall Deutsch.
  • Es gibt verschiedene Pflegemöglichkeiten: Die Pflegekraft hat eine eigene Wohnung und kommt nur eine bestimmten Zeit am Tag oder die Pflegeperson bekommt ein eigenes Zimmer um immer bei der zu betreuenden Person zu sein.
  • Es ist möglich, sich eine Pflegekraft mit anderen Patienten zu teilen. Dadurch reduzieren sich auch die Kosten.
  • Eine gute und seriöse Pflegekraft hat immer eine Haftpflicht- und Krankenversicherung. Auch ist sie immer in Deutschland gemeldet.

 

Doch das schwierigste ist, eine gute Kraft zu finden. Jeder behauptet von sich natürlich, dass er das beste Angebot hat. Grundlegend gibt es verschiedene Beschäftigungsarten:

  1. Selbständige Pflegerinnen
    Sie arbeiten und leben in Deutschland auf eigene Rechnung, also ohne eine ausländische Vermittlungsagentur. Trotzdem werden sie hier in Deutschland oft über eine Agentur vermittelt. Diese Variante ist sehr flexibel, da man seinen Ansprechpartner in Deutschland hat und oft ein schneller Austausch in Problemfällen möglich ist.
    Die Kosten hier liegen bei rund 1.500 – 1.800 Euro pro Monat. Mehr Infos zum Thema gibt es zum Beispiel bei 24 Stunden Pflege Hamburg, einer Agentur, die auch deutschlandweit arbeitet und vermittelt.
  2. Personalagenturen aus dem Ausland
    Die Agenturen im Ausland wollen natürlich auch von etwas leben und so ist diese Variante teurer als die erste. Die Pflegekräfte sind im Ausland angestellt und erhalten ihre Bezahlung auch von da. Hier gibt es die meisten schwarzen Schafe, denn eine Agentur im Ausland kann man schlecht überprüfen. Das größte Risiko liegt hierbei darin, dass man als Auftraggeber brav bezahlt, das Geld aber nie, zu spät oder viel zu wenig bei den Angestellten ankommt.
    Die Kosten für eine seriöse Agentur betragen ab 2.000 Euro aufwärts/Monat.
  3. Bundesagentur für Arbeit
    Auch das Arbeitsamt vermittelt ausländische Pflegekräfte. Entscheidet man sich für diesen Weg, stellt man die Pflegekraft als Angestellte an und wird zum Arbeitgeber. Dies ist die teuerste Variante, da hier auch sämtliche Lohnnebenkosten anfallen. Außerdem sind die Wochenarbeitsstunden zu beachten, eine 24-Stunden-Pflege ist damit nur durch mehrere PflegerInnen zu erledigen.
    Auch ist es die unflexibelste und mit mind. 2500 Euro/Monat die teuerste Variante.

 

Auch wenn man immer wieder Schnäppchenangebote sieht, die sicher verlockend klingen – man sollte sie meiden. Man muss sich als Angehöriger auf eine Pflegekraft verlassen können und dies ist nur gegeben, wenn beide Seiten Vertrauen haben. Nicht aber, wenn eine Pflegekraft unzufrieden ist, weil sie nicht bezahlt wird oder es sonstige Probleme gibt.

Schaut man sich die Kosten pro Monat an, sollte jedem etwas klar sein: Eine private Vorsorge ist wichtig. Nicht nur eine private Rentenversicherung zum Aufstocken der zu erwartenden Rente macht Sinn, sondern ab einem gewissen Alter auch eine private Pflegeversicherung.

 

5 Kommentare

  1. Pflegekräfte aus polen

    sehr schöner Artikel

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  2. Mariola Endres

    Sie beschreiben sehr informativ und anschaulich die Möglichkeiten und Vorteile der Pflegeangebote mit osteuropäischen Pflegekräften!
    Auch wenn wir als Vermittler dieses Pflege-Angebotes auch noch skeptische Blicke erhalten, so hat sich die professionelle Pflege durch polnische Pflegekräfte in Deutschland durchgesetzt. Der Service ist legal und – soweit man sich nicht durch Billig-Angebote blenden lässt – zuverlässig und auf höchstem Niveau. Diese Variante der häuslichen Pflege ist entlastend für Angehörige und sehr wertvoll für den Pflegebedürftigen.

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    1. Sandra

      Danke. :)
      Ich sehe es auch so, dass es absolut seriös sein kann, wenn man die Angebote wirklich prüft. Viele lassen sich leider nur vom Preis leiten und da gibt es sicher auch ne Menge schwarzer Schafe …

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      1. Michael

        Wir haben uns ebenfalls für einen seriösen Anbieter entschieden, der Pflegekräfte aus Kroatien vermittelt. Da die zu pflegende Person selber Kroatin ist, gab es auch keine Verständigungsprobleme.
        Was mich nur sprachlos gemacht hat, war der Kommentar des Herren, der bei uns den Treppenlift einbauen sollte. Er meinte, dass wir zu den wenigen gehören, die dies offiziell abwickeln. Er war sich sicher, dass 80% der Betroffenen dies nicht auf dem steuerlich seriösen Weg machen würden.

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  3. Helga

    Danke für Tipps! Unser Opa ist pflegebedürftig. Wegen des Zeitdrucks mangelt es uns an Zeit, so haben wir uns für einen häuslichen Pflegedienst entschieden, damit der Opa nicht alleine bleibt:) Eine gute Gesellschaft und schmackhafte Speisen erleichtern ihm den Alltag, hoffen wir:) Danke für das berührte Problem!

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