Hausbau extrem – neue Motivation dank Wandtattoo

Regelmäßige Leser hören mich immer wieder darüber lametieren, dass dieses und jenes im Haus noch nicht fertig ist, wir am bauen sind oder ähnliches. Deshalb gibt es heute mal einen kleinen Einblick der etwas anderen Art. Und ein traumhaft schönes Wandtattoo! …

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Ein Traumhaus

Wohl jeder träumt davon, ein Haus nach seinem Geschmack zu finden. Günstig sollte es sein, am besten noch ordentlich tapeziert und komplett geweißte Wände wären natürlich auch nicht schlecht. Kurzum – es sollte schon bezugsfertig sein. Einen Haken hat das ganze nur, denn schaut man sich die Häuser an, findet man alles – nur genau DAS nicht. Die Alternative wäre, selbst ein Haus bauen zu lassen und nichts in Eigenleistung zu machen. Kann man, nur braucht man dafür auch das nötige Kapital. Man kann es aber auch so machen wie wir: günstig kaufen und (fast) alles in Eigenleistung erledigen. Das kostet wenig(er) und man kann viel größere Sprünge machen. Man kann aber auch ganz doll auf die Nase fallen. Bei uns war es zum Beispiel nur machbar, weil mein Mann gelernter Dachdecker und inzwischen Bauingenieur ist. Da entfallen viele Dinge, die man sonst hätte teuer bezahlen müssen genauso, wie helfende Firmen. Wofür hat man schließlich 2 Hände?

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Trotz des Handwerkers in der Familie mussten auch wir unser Lehrgeld bezahlen und passt auch uns nicht alles. Gemeinerweise waren es fast immer die Handwerker, die Probleme machten. Sei es der Fensterbauer, der Tischler mit der Haustür oder die Estrichleger. Neben diesen „kleinen“ Problemen nahmen wir auch gleich noch Altlasten (Öl) inkl. Anwalt mit – man gönnt sich ja sonst nichts und wenn, dann halt richtig.
Doch in all den Jahren (wir bauen schließlich schon seit 2007!!) hatten wir auch ganz tolle Firmen. Unsere Abbruchfirma zum Beispiel, die selbst kurzfristig noch bezahlbare Wunder vollbracht hat. Oder den Gas-Wasser-Installateur (sagt man das heute noch so?), der supersauber und ordentlich gearbeitet hat.  Selbst unser Anwalt war irgendwie super und genau richtig.

Haus

An einem vorhandenen Haus bauen?

Man stelle sich ein Haus vor – Baujahr vor 1900. Genutzt als Teil eines Industriebaus, obwohl nie dafür gedacht. Mindestens 30x umgebaut. So groß, dass mehrere Familien drin leben könnten. In den letzten 15 Jahren privat bewohnt und komplett zugemüllt. Dafür aber nie etwas am Haus oder der Bausubstanz getan, sondern statt Heinzungsrohren lieber eine Gasflasche als Heizung besorgt.
Klingt schrecklich? Klingt nach unserem Haus!

Tatsächlich mussten wir in den ersten Monaten komplett entrümpeln. Ich erinnere mich mit Grausen an die gefühlten 20.000 gelben Säcke, die wir in der ganzen Straße unserer damaligen Wohnung verteilten, damit sie nicht nur vor einem Haus standen. An die rund 2 Tonnen Stahlschrott, die wir per Hand und in Form von kleinen Schrauben und Muttern vom Fußboden lasen. An die stetig wachsenden Müllberge und das Gesicht unseres Abrissunternehmers, als er schlussendlich die kompletten Müllberge sah. Man konnte ihm förmlich im Gesicht ablesen, dass er im Geiste seinen Gewinn zusammenschrumpfen sah und Verlust befürchtete. So kommt das, wenn man nach einer Hausbesichtigung für die Angebotserstellung direkt zum Fußballspiel fährt. ;)

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Aber die Leute …

Für uns das erstaunlichste beim Hausbau waren und sind die anderen Leute. Unser Haus stand viele Jahre leer und ist auch sonst bekannt wie ein bunter Hund. Um so mehr meinen vor allem die Älteren, alles kommentieren zu müssen oder sich einfach mal unser Haus von innen anzuschauen. Gerade während der Abrissphase rannten alle möglichen Leute über unser Grundstück, die ich bisher nur vom Sehen kannte. Super sind aber auch die Leute, die auf einer recht gut befahrenen Straße mal eben mit 5km/h weiterzuckeln, um besser kucken zu können.
2007 und auch 2008 erklärte uns jeder, dass wir doch völlig verrückt wären. Wer kauft schon ein großes und altes Haus, nur um es bewohnbar zu machen? Ich will gar nicht wissen, wie viele Millionen auf dem Bankkonto man uns unterstellte. 2009 hatte sich das allerdings schon gewandelt, denn dann kamen die ersten Anfragen, ob wir denn auch vermieten würden. Außerdem wurden vor allem die Älteren nicht müde uns zu erklären, dass sie das Haus auch gekauft hätten – wenn sie nur 20 Jahre jünger wären.

Inzwischen – 2012 beneidet man uns auf der einen Seite um das Haus, meckert aber auf der anderen Seite darüber, dass der Garten noch nicht so aussieht wie andere Gärten. Normaler Alltag in dörflicher Randlage also ;)

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Und die Ehe?

Bei uns um die Ecke wird seit rund 1.5 Jahren gebaut – 70 Häuser entstehen. Die ersten Familien wohnen schon seit Monaten in ihren fertigen Häusern, die ersten leben schon in Trennung. Ein Hausbau ist eine Belastungsprobe für jede Beziehung und sie schafft sicherlich einiges an Streit. Bei uns allerdings nicht, denn wir teilten alles von Anfang an auf. Der Mann den technischen Teil, ich das Design. Ich darf ihm nicht reinreden, er mir nicht – trotzdem darf jeder seine Meinung sagen oder doofe Fragen stellen (was ich auch immer wieder gut ausnutze :D ). Für uns ist es ein System, dass sehr gut funktioniert, wobei wir beide aber trotzdem auf den jeweils anderen Rücksicht nehmen. So würde ich nie eine Deko oder Farbe auswählen, die er grässlich findet. Wobei ich zugeben muss, dass das Wandtattoo schon gewagt war, denn er hasst alles, was zu sehr nach Retro aussieht. Aber ich habe Glück, denn er findet es genauso toll wie ich ….

dach

2007 – 2012

Warum baut man 5 Jahre an einem Haus und ist immer noch nicht fertig? Genau diese Frage sehe ich immer wieder auf den Gesichtern von Bekannten oder Fremden, wenn man ins Gespräch kommt. Recht haben sie, denn 5 Jahre sind nun wahrlich lang genug.
Keine Sorge – ich  werde jetzt nicht jedes einzelne Hausbau-Detail zum Besten geben. Es gibt einen kleinen Abriss.

2007
Wollen wir uns das wirklich antun? Die zusätzlichen Abrisskosten fast so hoch wie die Kaufsumme und tonnenweise Müll in den Räumen. Dafür aber eine gute Bausubstanz und ein Schnäppchen, dass so nie wieder kommen wird. Und wenn man jung ist, …. Nach vielen Rechnereien war der Kaufvertrag unterschrieben und wir stolze Hausbesitzer. Endlose Gespräche mit dem Bauamt, der Stadtplanung und div. anderen Bereichen wegen der Komplexität endeten schlussendlich in einem Bauantrag in 5-facher Ausfertigung. Normal sind 3.
Altlasten – für uns das Unwort des Jahres. Dicht gefolgt von Erbschaft, Mauschelei und Betrug. Glaswolle nicht zu vergessen, die für meinen Mann inzwischen nicht  nur ein Un-, sondern auch ein Schimpfwort ist.
Aus „Wir entrümpeln und brauchen gar nicht so viel machen“ wird täglich mehr. Am Ende werden wir alles neu machen – beginnend beim Minibagger im Haus mit 30cm Bodenaushub, Abbruch und Verfüllen eines Kellers und Dämmung bis hin zum Freilegen und Verstärken der Zwischendecke. Wir verteilten immerhin 135 Autoreifen und 50 Schläuche auf so ziemlich sämtliche Reifenhändler der Stadt, packten immerhin 12 riesige Bigbags voll mit Glaswolle und sammelten Müll. Tonnenweise Müll. Am Ende waren es rund 240m³ reiner Müll und rund 100m³ Holz in allen Varianten, die mit entsorgt wurden.
Die groben Dinge erledigte ein Abrissunternehmen. Immerhin rund 1.500m² mussten weg und sorgten für viel Staunen in der Nachbarschaft. Wann knabbert ein riesiger Bagger schon mal einen Schornstein Stück für Stück ab – und das vor der eigenen Haustür? Oder rennen 4 völlig vermummte Arbeiter auf dem Dach rum, um das ganze Asbest abzunehmen?
Noch bevor der Aufbau im Juli allerdings starten konnte, kam schon der erste Baustopp in Form von Altlasten. Ende Oktober wurden auch die entsorgt, während für 3 Tage die Bodengutachter mit Eimerchen und Schäufelchen unser Grundstück übernahmen und es schon 1km gegen den Wind wie eine explodierte Tankstelle stank.
Gekrönt wurde das Jahr durch Weihnachten auf dem Dach. Habt ihr noch nie gesehen? Es war traumhaft schön, vor allem, wenn der Winter solche Bilder wie das folgende zeichnet. Nicht so schön war dagegen das laufen auf den Dachlatten, aber man kann halt nicht alles haben.

Dach im Winter

2008
Wie viel Putz passt in ein Haus? Eindeutig zu viel! Auch wenn sich große Teile leicht entfernen ließen, was es Quälkram. Weitere Programmpunkte in diesem Jahr: Mauern, Fenstereinbau, Putz, es gab eine neue Haustür, einen Balkon und einen ganzen Raum voller Styroporplatten für den Fußboden als Dämmung.

2009
Umzug! Geburt! Pause!
Irgendwann hat man keine Lust mehr – so ging es uns auch nach der Geburt unseres Sohnes. Das Erdgeschoss war fertig, da konnte das Obergeschoss auch noch ein bisschen warten. Über ein halbes Jahr passierte einfach mal gar nichts. Und das tat einfach richtig gut.

rohbau

2012
Wir sind weiter – viel weiter.  Ende des Jahres werden endlich alle Räume fertig sein, in fast allen fehlt nur noch die Farbe und Deko an der Wand und der Fußbodenbelag. Endlich!  Lust auf Baustelle haben wir schon lange nicht mehr und so werden auch die Pausen immer größer. Allerdings kann man es nicht ändern und wenn es fertig ist, lohnt es sich dafür um so mehr. Immer wieder bin ich auf der Suche nach Motivationshilfen, mache mir Gedanken, wie ich die Räume einrichten will und plane bestimmte Dinge. Im Laufe der Jahre wurden Pläne immer wieder über den Haufen geworfen, unbedingt gewolltes ist plötzlich doch nicht mehr so toll. Ich wollte zum Beispiel immer einen Spruch an der Schlafzimmerwand. Aber irgendwie kann ich mich damit überhaupt nicht mehr anfreunden. Sprüche sind zwar toll, aber können viel zu schnell nerven. Die Kinder dagegen bekommen jeweils zum Teil bunte Wände und Wandtattoos von FunToSee – der Kleine die Unterwasserwelt und der Große will unbedingt den Bauernhof. Auch wenn ich die leise Befürchtung habe, dass er dafür schon fast ein bisschen zu alt ist, lässt er sich nicht davon abbringen.
Doch auch für die anderen Zimmer und vor allem den großen Galeriebereich oben suche ich ein Wandtattoo. Wir haben diverse Ecken und Nischen, aber auch diverse Freiflächen, die immer eine Aufwertung gebrauchen können und gerade in der Galerie darf es etwas bunter sein, denn sie ist als zusätzliche Spielfläche gedacht. Einen tollen Blickfang dazu habe ich durch Zufall bei www.wandmotive.de gefunden – nämlich den Retro-Baum. Wie gesagt, es war gewagt. Aber nachdem mein Mann erst über die „Zielscheiben“ lästerte, findet er den Baum inzwischen richtig toll. Auch wenn er sein Dasein noch in der Verpackung fristen muss – so sieht er dann aus (natürlich ohne den hellblauen Hintergrund und die Blasen auf der Folie, die sich einfach nicht wegwischen lassen wollten….)

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Hier hängt er nur exemplarisch über einer Kommode, nachher wird aus einem Regal wachsen, in dem die ganzen Gesellschaftsspiele liegen werden. Mit einer Größe von rund 70cm passt es da auch recht gut und sieht bestimmt richtig toll aus. Genial sähe bestimmt auch der große Baum mit einer Höhe von 120cm aus dem Boden wachsend aus, aber der passte leider nicht in unser schmales Hausbauerbudget. Und man muss es ja nicht übertreiben, oder? ;)

Das Bild oben habe ich mir übrigens ausgedruckt und an den Kühlschrank geklebt. Es ist eine tolle Motivationshilfe die mich daran erinnert, dass ich endlich fertig werden will. Ich will endlich die Kinderzimmer einrichten, Wände streichen und bekleben und die restlichen Kisten auspacken. Kein Chaos mehr. Kein Baustaub mehr. Nach bald 6 Jahren und so kurz vor Weihnachten wäre es wirklich Zeit.

13 Kommentare

  1. claudiabr

    Wow – da habt ihr ja echt schon eine Menge hinter euch.
    Alles Gute für euer neues Haus :) Macht sicherlich riesig Spaß dann alles nach eigenen Vorstellungen gestalten zu können.

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  2. Anja

    Schönes Posting-so als Zusammenfassung super zu lesen!
    Nach fast 6 Jahren gehts in den Endspurt-bin sooo gespannt wie es dann in fertig aussieht…Aber nicht übertreiben, du warst erst zur Kur :)

    Liebe Grüße!

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    1. Sandra (Beitrag Autor)

      Übertreiben? Ich? NIEEEEEE! :D

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  3. Anna

    Die Entwicklung ist wirklich der Wahnsinn. Ihr könnt stolz auf euch sein.
    Weiterhin viel Erfolg!

    Liebe Grüße,
    Anna

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  4. harriet keller

    Vielen Dank für die umfangreiche Dokumentation Eures Bauvorhabens – wir beschäftigen uns momentan mit der Recherche zu einem ähnlichen Vorhaben… Da man hier sieht, dass es auch Spaß macht und Motivation der Schlüssel zu Eurem Erfolg zu sein scheint, möchten wir einen Hinweis zur positiven Sichtweise geben und Euch ein Motivations-Wandtattoo zeigen, dass auch uns sehr gut gefällt: http://www.manifesto-selection.de/

    Viele Grüße
    Harriet

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  5. Manu

    Boah, mir wurde grade ganz anders beim Lesen *uff*
    Ich kann euch für euren Mut einfach NUR bewundern, das ist einfach unbeschreiblich was ihr da leistet. Hut ab!! Ganz ehrlich !

    Lg

    Manu

    Antworten
    1. Sandra (Beitrag Autor)

      Danke :) Immerhin sind wir bald fertig (mit Haus und Nerven ;) ).

      Im OG ist fast alles fertig, fehlt nur noch die Außenfassade – das motiviert auch. Außerdem will ich endlich die Wandtattoos an der Wand haben :D

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      1. Manu

        Das glaube ich :)
        Ich bewundere euren Mut und eure Stärke, andere hätte so was echt auseinandergebracht, wie du oben schreibst. Kenn auch eine Familie, denen es so ergangen ist.

        Antworten
        1. Sandra (Beitrag Autor)

          Danke :)

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  6. Jimmy

    Ich habe sehr großen Respekt für euch – für mich persönlich wäre das nichts. Für mich ist es schon anstrengend genug als Mitarbeiter eines Containerdienestes Tag für Tag den Bauschutt anderer Leute abzutransportieren ;)

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  7. Igor

    Wirklich toll was ihr leistet! Ich persönlich hätte vermutlich nicht die Kraft dazu. Genau deshalb bewundere ich euch so. Weiter so, ihr Lieben! :)

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    1. Sandra (Beitrag Autor)

      Danke :)

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  8. Yvonne

    Wow, das ist aber echt eine Menge an Arbeit die ihr da hinter euch hattet. Es ist bereits etwas länger her, aber ihr habt ja nahezu alles selbst neu gemacht. Beim Dachstuhl kam ja viel Holz zum Einsatz. Wie genau habt ihr das da gemacht? Bereits alles in der Länge liefern lassen oder habt ihr die Größe des Holzes selbst gesägt? Wenn letzteres, mit welcher Säge habt ihr das gemacht, beziehungsweise wie viele Sägen waren dann im Einsatz?
    Überlege mir selbst mal eine Renovierung von unserem Dach zu machen. Klar, einiges muss in die fachmännische Hand gegeben werden. Alleine wegen der Statik. Aber man kann ja viel Eigenarbeit dabei vorleisten.

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