Formlos

Der Mann brachte es gestern auf den Punkt, als er mir helfen musste, den Saum eines selbst genähten Rockes zu begradigen: „Mit ein paar Kilo weniger wäre das bestimmt gar nicht mehr nötig“. Recht hat er ja, denn nach nunmehr zwei Kindern ist meine Figur nicht mehr so ganz das, was sie mal war. Und da unser Jüngster keine Anstalten macht, auf die Milchbar zu verzichten und gezieltes Abnehmen somit ausfällt, wird es wohl auch noch eine Weile so bleiben. Ich könnte mich natürlich auf das Interview mit der Psychoanalytikerin Susie Orbach berufen, in der sie sagt, dass das ganze Kämpfen um die alte Figur nach der Schwangerschaft Nonsens ist, aber wenn ich ehrlich bin, stört es mich ja selbst, denn ich würde schon gern wieder in meine alten Sachen passen. Auch wenn ich im Moment im Nährausch bin und ein wunderschönes (und noch dazu kostenloses) Rockschnittmuster für mich entdeckt habe, so ist es für mich doch keine Lösung, einfach nur neue Kleidergrößen anzuschaffen und auf den Kilos sitzen zu bleiben.

Wann soll ich das denn alles noch schaffen?

Das Leben mit zwei kleinen Kindern ist alles andere als ruhig und eigentlich ist man den halben Tag auf Achse. Den Großen in den Kindergarten bringen, mit dem kleinen Kinderwagen fahren, zum Spielplatz gehen, Fußball oder Fangen spielen, …. Die überflüssigen Pfunde müssten eigentlich nur so purzeln, aber sie halten sich hartnäckig. Sind die Kinder abends endlich im Bett, bleibt kaum noch Zeit für irgend etwas. Ein Fitneßstudio wäre für die wenigen Tage, die ich gehen könnte, viel zu teuer. Allerdings habe ich vor einiger Zeit Zumba für mich entdeckt. Ein Mal in der Woche gehe ich nun tanzen und habe 1.5 Stunden nur für mich. Beide Kinder finden das überhaupt nicht gut, denn der Kleine will beim Schlafen mit mir kuscheln und der Große will unbedingt auch mit zum Zumba. Darf er aber nicht – wie gemein von mir!

Ich habe in den letzten Monaten gelernt, dass man als Mutter auch ein Stück weit egoistisch sein muss und genau diese 1.5 Stunden pro Woche nehme ich mir auch – (fast) egal was kommt. Es gibt natürlich immer Dinge die wichtiger sind und dann kann es auch durchaus passieren, dass ich doch zu Hause bleibe. In der Regel gehe ich allerdings, egal wie sehr die Kinder deshalb quengeln.

Zumba CDs

Rumhopsen ist doch kein Sport!

Jeder, der sich ein bisschen im Bereich Zumba auskennt weiß, dass es eigentlich „nur“ eine geniale Idee war, die inzwischen zu einer riesigen Verkaufsmaschinerie wurde. Es gibt Kleidung und Schuhe in allen erdenklichen Formen und Farben, Pulswärmer, DVDs, CDs, sogar eine App und vieles mehr. Allerdings kann man gar nicht anders – bei Merengue, Salsa und Co muss man einfach mittanzen. Hier zu Hause finden sich häufig lateinamerikanische Rhythmen im CD-Fach, denn auch der kleine Mann liebt sie über alles und schunkelt auf Knien fröhlich mit und dreht sich im Kreis.

Eine Bekannte merkte Anfang des Jahres mal an, dass das Rumhopsen doch kein Sport wäre, dafür müsste man Joggen oder richtige Übungen machen. Ich solle ein Pulsmessgerät besorgen, denn die wären total wichtig und eine tolle Unterstützung beim Sport und dann sollte ich streng nach Plan und vor allem nach meinem Puls Übungen machen.
Jeder der denkt, dass Zumba kein Sport ist, hat sicher noch nie 2 Minuten in Höchstleistung durchgehend die Arme zu „La Bamba“ im Takt bewegt oder ist 4 Minuten im Takt zu Gangnam Style durch die Gegend gehopst. Wenn man das als Außenstehender sieht, ist es sicher lustig und schaut nicht gerade schwer aus. Aber macht das mal nach! Ich für meinen Teil möchte auf jeden Fall nicht dröge nach Plan ein paar Übungen nach Vorschrift und Pulsuhr machen – so effektiv das auch sein mag.

Ein paar andere Alternativen gibt es zwar noch, aber nicht viele. Zum Joggen oder Walken bin ich ehrlichgesagt zu faul, denn morgens reicht es mir auch so schon, um 6.30 Uhr aufzustehen und abends bin ich froh, wenn ich einfach nur die Beine hochlegen kann. Rad fahren dagegen ist toll, wenn auch mit 2 Kindern im Fahrradanhänger etwas anstrengend. Die 37kg rollen zwar von selbst am Fahrrad mit, aber Berge und Hügel muss man sie trotzdem raufziehen. Und mit einem Anhänger merkt man erstmal, wie viele es davon eigentlich so in der Umgebung gibt, die man vorher nie bemerkt hat. ;)
Schwimmen wäre auch noch toll, aber zum einen gehen die Monatskarten irgendwann auch ganz schön ins Geld, zum anderen liegt mir das Schwimmen im Schwarm nicht so …

Ich bleibe also beim Zumba, werde weiter Fußball spielen oder durch die Gegend toben, endlich ein bisschen besser auf FDH achten und hoffen, dass der kleine Mann irgendwann doch mal auf seine Milch verzichten will. Vielleicht geht dann ja alles plötzlich viel leichter – war beim großen Sohn ja auch so. Und dann passen auch wieder die Röcke problemlos. Bestimmt!

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