Elterngeld – wer bekommt was?

Im Freundes- und Bekanntenkreis gibt es bei uns im Moment fast nur noch ein Thema – Babys. Einige bekommen ihr erstes Kind, viele aber schon das zweite. Spannend daran finde ich, dass alle trotzdem die gleiche Frage beschäftigt, nämlich wie das denn mit dem Elterngeld ist. Ich kann es verstehen, denn noch vor 1.5 Jahren beschäftigte auch mich die Frage und ich schlug mir so manche Nacht mit der Internetrecherche um die Ohren. Schön blöd eigentlich, schließlich hätte ich nur bei der Elterngeldstelle anrufen und mich beraten lassen müssen. ;) Und damit ihr genau das erst einmal nicht tun müsst, gibt es jetzt mal einen kurzen Abriss übers Elterngeld, für alle die Schwanger sind oder es noch werden wollen und die angestellt oder aber selbständig sind.
(Trotzdem ersetzt dieses Posting hier natürlich keine Beratung und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit bzw. Richtigkeit.)

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Angestellt – das erste Kind

Das ist sicher der Idealfall, denn dann gibt es am meisten Geld. Im Regelfall bekommt man rund 67% seines bisherigen Nettoentgeltes, höchstens jedoch 1880 Euro. Einzige Ausnahme sind Mehrlingsgeburten, für die man pro Kind einen Aufschlag von 300 Euro bekommt. Die würden noch auf das maximal ausgezahlte Elterngeld aufgeschlagen werden. Der Mindestbetrag liegt bei 300 Euro, über diesen wird man als Angestellte aber wahrscheinlich recht leicht drüber kommen.
Als Berechnungszeitraum zählen die letzten 12 Monate vor der Geburt, der Geburtsmonat selbst zählt nicht mit. Wer nicht bis zum Bescheid der Elterngeldstelle warten möchte, kann sich anhand diverser Internetseiten schon sein voraussichtliches Einkommen berechnen lassen. Sehr schön und einfach finde ich zum Beispiel den Elterngeldrechner von Finanzen.de, denn er enthält die wichtigsten Infos gleich noch in Kurzform und vor allem verständlich mit dazu.

Student und Adoption

Studenten erhalten auch Elterngeld, wenn sie neben dem Studium nur maximal 30 Wochenstunden arbeiten.
Auch Adoptiveltern erhalten Elterngeld, wenn sie weniger als 250.000 Euro allein bzw. 500.000 Euro als Ehepaar im Jahr zusammen verdienen.

Komplett selbständig

Auch hier gibt es ein Elterngeld, dass sich nach den gleichen Prozenten berechnen lässt, wie das Elterngeld der voll Angestellten. Anders ist hier, dass anhand des Gewinnes berechnet wird und nicht des Umsatzes. Auch die Berechnungsgrundlage ist hier anders, denn im Normalfall gilt der letzte abgeschlossene Verrechnungszeitraum. Bei meinem im Mai 2012 geborenen Sohn musste ich so den Steuerbescheid von 2011 einreichen. In bestimmten Fällen gilt aber auch der schon bekannte 12-Monats-Zeitraum. Hier kann ein Steuerberater genauere Hilfestellungen geben.
Auf jeden Fall sollte man als Selbständiger seinen Gewinn in dem Zeitraum „optimieren“ – frühzeitig Rechnungen schreiben und auf die Bezahlung achten, möglichst wenig Geld ausgeben. usw. Diese Dinge kann man während der Elternzeit machen, denn auch hier zählt wieder der Gewinn. ;)

Angestellt und zusätzlich selbständig

In diesem Fall werden beide Einnahmequellen für die Berechnung herangezogen. Auch hier gelten neben den normalen Lohnbescheinigungen des Arbeitgebers die letzten Steuerbescheide.

Mehrlingsgeburten oder schon geborenes Gewisterkind unter 3 bzw. 2 Geschwister unter 6 Jahren

Bei Mehrlingsgeburten bekommt man pauschal 300 Euro monatlich für jedes zusätzliche Kind mehr. Für ein Geschwisterkind erhält man dagegen 10% des sonst zustehenden Elterngeldes bzw. mind. 75 Euro pro Monat mehr.

Beim ersten Kind ist alles noch irgendwie einfach. Komplizierter wird es dagegen, wenn das zweite Kind kommt und man vielleicht vorher einer Nebenbeschäftigung nachgegangen ist. Genaues Nachrechnen wird dann zur Pflicht, damit man sich nicht im Nachhinein bei eventuellen Rückzahlungen ärgert.

Voll angestellt – weiteres Kind

Viele planen ihre Familie im Elternzeit-Rhythmus, bekommen also nach 3 Jahren das 2. Kind – bei uns war es nicht anders. Der Nachteil ist natürlich, dass man bei voller Ausnutzung der Elternzeit ganze 6 Jahre aus dem Beruf heraus ist. Als Vorteil dagegenhalten kann man allerdings, dass man dann komplett mit der Familienplanung durch ist und seine Arbeit nicht wieder unterbrechen „muss“. Gerade weil man nicht immer weiß, ob man seinen alten Arbeitsplatz wieder zurückbekommt, ist es doch eine teils sehr lohnende Überlegung.

Beim Elterngeld zählt beim nächsten Kind, wie alt das vorher geborene Kind ist. Für die Berechnung werden wieder die Monate vor der Geburt zur Berechnung herangezogen. Hat man in dieser Zeit gearbeitet, bekommt man entsprechend sein prozentuales Elterngeld. Bekam man Elterngeld, wird weiter zurück auf das Gehalt vor dieser Zeit geschaut. War man aber zu Hause in Elternzeit und erhielt kein Gehalt, bekommt man nur den Mindestsatz von 300 Euro. Das ist ein großer Nachteil wenn man „erst“ zum Ende der Elternzeit das nächste Kind bekommt.

Angestellt, in Elternzeit und zusätzlich selbständig (Kleinunternehmer)

Diese Konstellation höre ich inzwischen immer öfter, denn immer mehr Mütter suchen sich während der Elternzeit eine (vorübergehende) selbständige Tätigkeit, um ein klein bisschen Geld in die Haushaltskasse zu spülen. Egal ob Bloggen, Tuppern oder Nähen – es ist natürlich ein Gewerbe, dass nicht nur dem Finanzamt, sondern auch der Elterngeldstelle mit gemeldet werden muss (mehr zum Bloggen und Gewerbe könnt ihr hier bei mir nachlesen).
Schon beim Ausfüllen des Antrages muss man angeben, wie viele Stunden man nach der Geburt arbeiten möchte. Sind es mehr als 30 Wochenstunden, bekommt man kein Elterngeld mehr! In der Regel arbeitet man mit zwei oder mehr Kindern aber sowieso sehr viel weniger, so dass es gar kein Problem sein sollte.

Auch hier erfolgt die Berechnung wieder aus beiden Einnahmequellen. Ist man zwar angestellt, erhielt aber durch die Elternzeit kein Gehalt, bekommt man seine 300 Euro Mindestsatz. Dieser kann durch die Einnahmen aus der Selbständigkeit noch erhöht werden. Auch hier gilt wieder der letzte Steuerbescheid. Nach Ablauf der Elternzeit erhält man ein Schreiben, in dem man erklären muss, wie viele Wochenstunden man während der Elternzeit gearbeitet hat. Es empfiehlt sich also, die Stundenanzahl im Auge zu behalten.
Ein großer Vorteil des Mindestsatzes ist übrigens die Möglichkeit des „kostenlosen“ Zuverdienens. Im Normalfall wird jedes Einkommen mit dem Elterngeld gegengerechnet. Würde man also zum Beispiel 500 Euro Elterngeld erhalten, würden die Einnahmen im Elterngeldzeitraum gegengerechnet und prozentual verrechnet, so dass es sich kaum noch lohnen würde. Die 300 Euro dagegen können aber nicht gekürzt werden, so dass es sich jetzt richtig lohnt, ein bisschen (mehr) nebenbei zu verdienen. Ich weiß noch, dass die Elterngeldstelle mir damals sagte, dass ich auch problemlos eine Million Euro im Monat verdienen dürfte. Solange ich nicht über die 30 Wochenstunden kommen würde, könnte mir keiner meine 300 Euro Elterngeld nehmen. (Übrigens müssen die Einnahmen natürlich trotzdem versteuert werden.)

Grundsätzlich gibt es beim Elterngeld unglaublich viele Dinge die zu beachten sind, wenn man das Optimale herausholen möchte. Vergessen sollte man dabei aber nicht, dass das Elterngeld selbst zwar nicht versteuert werden muss, dafür aber dem Progressionsvorbehalt unterliegt. Es wird dem Ehepartner als Einnahme aufgerechnet und so ein neuer Steuersatz berechnet. So kann schnell aus einer niedrigen 3-stelligen eine 4-stellige Rückzahlung am Jahresende fällig werden!
Genaue Infos und auch die Gesetzestexte findet ihr hier beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

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