Ein ganz normaler Tag

6.05 Uhr war’s, da wurde der kleine Sohn wach und hatte Hunger. Das 3. Mal, seit ich gegen 1 Uhr ins Bett ging. An Weiterschlafen war nach dem Stillen nicht mehr zu denken, denn er krähte fröhlich in seinem Bett rum. Eigentlich kein Problem, doch es rief ein paar Minuten später den großen Sohn auf den Plan, der irgendwann in der Nacht ins Elternbett gekrochen kam. Mehr oder weniger wach war seine erste Frage „is Papa schon da?“ – Nein, Papa war noch nicht da. Genauso wie gestern und vorgestern nicht, denn er kommt erst heute Nacht vom Seminar zurück. Das darauf folgende Weinen kannte ich schon, auch wenn es mit 5 Minuten diesmal sehr kurz bemessen war. Die gute Laune des Kleinen im Beistellbett war allerdings weg. Meine irgendwie auch.

Fast 2 Stunden später standen wir bei Lidl vor der Tür. 7.50 Uhr – zusammen mit 10 anderen wartenden Eltern auf der Jagd nach Regensachen. Ich war die einzige mit Einkaufswagen und 2 Kindern. Ansonsten nur Mütter und Väter. Beim Öffnen der Türen zeigte sich übrigens, wer wirklich Shoppingerfahren und rücksichtslos ist. Ich stand als 2. in der Reihe, die Männer ordneten sich zivilisiert und wie man es auch erwartet, der Reihe nach ein, wie sie gekommen waren. Nur einige Frauen hatten sich in Türnähe postiert und versuchten, sich an meinem Einkaufswagen vorbei durch die Tür zu drängen. Gut, dass die so schmal sind. Und gut, dass unsere Filiale hier so viele Regensachen da hatte. Jede Größe und Farbe war ca. 5 Mal da – viel öfter als erwartet. Innerlich hatte ich mich schon auf Kämpfe am Aktionsfeld vorbereitet, aber es lief ohne Probleme. Zumindest bei den Jungs – die meisten Einkäufer schienen Mädchen zu haben, denn dort kam es wirklich zu Geschiebe und Gedrängle.
20 Minuten später hatten wir noch ein weiteres Paar Gummistiefel in nächstgrößerer Größe gefunden – Überbleibsel aus der letzten Regensachenaktion für die „Großen“. Zusammen mit 3 inzwischen dank meinem Sohn ziemlich angeditschten Feigen und einem Becher Himbeer-Limetten-Eis fuhren wir nach Hause. 15 Minuten Zeit für ihn, sich zu überlegen, was er will – zu Hause bleiben oder zu den Großeltern zu fahren.

Dazu muss man wissen, dass seine Großeltern nicht weit weg wohnen, dafür aber auf dem Dorf in einer ruhigen Straße. Sie haben einen großen Hof, einen Zaun, einen Trekker und Sohn hat seinen Tret-Trekker da. Wir haben zwar auch ein großes Dreirad Motorrad, aber dafür immer noch keinen Zaun ums Grundstück. Und überhaupt ist das Laufen lassen mit 2 Kindern nicht ganz so einfach, vor allem, wenn man an einer Hauptverkehrsstraße wohnt. Sohnemann darf, wenn er will, jederzeit zu seinen Großeltern, darf aber auch zu Hause bleiben. Und in der Regel kann er sich das jeden Tag neu überlegen. Heute morgen wollte er mit einkaufen, dann unbedingt zu Hause bleiben. Ich kenne ihn, deshalb hab ich ihn tatsächlich 10x gefragt, ob er sich sicher ist. (Hab sogar mitgezählt!) Kaum hatte ich die Einkäufe, Babyschale und ihn ausgepackt, jammerte er, dass er nun zu Oma und Opa wolle ….
Das Leben mit 3-jährigen könnte soooo entspannt sein – wenn man sie raus in den Garten stellen dürfte, wenn sie heulen. Allerdings würde unser Sohn dann im Moment wohl ständig draußen stehen. Und bevor ihr mich jetzt für eine Rabenmutter haltet – ich habe ihn natürlich in den Arm genommen und ihm lieb und nett, aber deutlich erklärt, dass das jetzt nicht mehr geht. Er hatte lange Bedenkzeit und kann sich nicht immer umentscheiden. Interessiert hat es ihn nicht, er brüllte und heulte einfach weiter und sein kleiner Bruder gleich mit.
Um Ruhe reinzubringen,  bot ich ihm an, mit Oma und Opa zu telefonieren. Zu dem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass die gerade nicht da waren. Böser Fehler. Sehr böser. …

Eine halbe Stunde später hatten sich beide wieder beruhigt und ich wollte spazierengehen. Hauptsächlich, um dem Kleinen ein bisschen Zeit zum Schlafen zu gönnen, denn dank der Heulattacken seines Bruders fand er einfach keine Ruhe. Der Große hatte inzwischen Hose und Socken ausgezogen und irgendwo verstreut. Er sollte alles zusammensuchen, damit wir rausgehen konnten. Eine halbe Stunde später hatte er gekuschelt, gespielt, gelesen und immerhin einen Socken an. Ansonsten nur Pulli und Unterhose. Von den anderen Sachen keine Spur. Anziehen wollte er sie nicht – er wollte so raus. Ich bin ehrlich – irgendwann dachte ich nur noch, dass es ja sein Problem ist und er bestimmt direkt friert und wieder rein will. Aber Pustekuchen, nicht mein Sohn. Er wollte – immerhin inzwischen mit Schuhen an – direkt an der Straße zur Baustelle wandern. Gabs natürlich nicht, sondern nur 200m bis zum Hinterhaus der Nachbarn. Bin ich fies, weil ich heimlich Fotos gemacht habe? Solche, die Eltern gern der ersten Freundin zeigen, um den Sohn restlos zu blamieren? :D Ich glaube nicht, denn so ein klein bisschen Spaß brauchte ich heute auch.

Mützenersatz

Einige Zeit später hatte er immerhin ne Hose an, wir aber die Mütze vergessen, was bei dem Wind heute richtig doof war. Irgendwas ist halt immer und ein (sauberes) Sabbertuch vom Kleinen tat es dann auch. Natürlich lief auch das Spazieren gehen nicht ohne Drama ab, aber man gewöhnt sich ja an alles. Irgendwann saß er dann bei den Großeltern und aß Hühnchen, während ich den gerade eingeschlafen Kleinen weiter schuckeln musste und nach Hause lief. 20 Minuten Entspannung pur, doch als ich zu Hause war, wartete Opa schon mit ihm vor der Haustür …

Mittagsschlaf kann an solchen Tagen Wunder wirken. Tat es sogar ein Stück weit, denn der Große war heute nachmittag sehr viel friedlicher. Es ging zwar trotzdem nicht ohne das übliche und ausdauernde Heulen, aber man kann nicht alles haben. Außerdem läuft unser Projekt „Windellos“ immer besser und ich bin schon reichlich stolz auf ihn. Auch darauf, dass manche Dinge schon klappen – auch wenn er so viel Blödsinn macht. So liebt er es, das Klopapier abzurollen, hinterlässt dann aber regelmäßig den ganzen Wust auf dem Fußboden. Heute rollte er selbst wieder auf – ohne irgendwas davon zu sagen.
Dafür fiel mir eine (glücklicherweise leere) Sodastream-Flasche runter und zersprang in ewig viele Teile, mein 5 Monate altes Lumia 800 blieb nach einem Update tot und mein Schwager rief an und drückte mir die Hochzeitszeitung für Schwiegereltern auf. „Männer haben davon ja gar keine Ahnung“, meinte er und brummelte irgendwas davon, dass ich das doch bestimmt viel besser könnte. Kann ich nicht, aber das interessierte ihn nicht. Und jetzt sitze ich hier, muss mir Gedanken über eine Zeitung machen, die in 3 Wochen fertig sein soll und habe so gar keinen Plan. Aber immerhin habe ich vorhin die Hochzeitsdrucker gefunden, bei denen man Hochzeitszeitungen selbst gestalten kann. Die ganzen Cartoons und Cliparts werde ich wohl eher weniger brauchen, aber um so mehr die ganzen Textbausteine. Super. Und dank dem leckeren Döner, den es gerade gab, ist meine Welt auch irgendwie wieder in Ordnung – zumindest so lange, wie ich nicht an mein Handy denke. Aber auch dafür wird sich hoffentlich eine Lösung finden. …

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