Dörfler vs. Städter

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Ich erinnere mich noch gut an eine Begebenheit im letzten Jahr. Ich stand mit dem Großen an der Kasse, vor uns noch 2 Männer. Der Herr vor uns war recht normal gekleidet, der davor sah aus, wie aus dem Ei gepellt. Ich habe keine Ahnung was passiert ist, aber irgendwann drehte sich der Erste zum Zweiten um und rief recht laut und wütend „Du Bauer, pass doch auf!“ Ich konnte mir natürlich sehr wohl denken, wie es gemeint war – mein Sohn allerdings überhaupt nicht. Denn der fragte mit der Unschuld eines 2.5jährigen mindestens genauso laut in der immer länger werdenden Kassenschlange, woher der Mann denn wüsste, dass das ein Bauer ist, denn schließlich könnte man doch gar nichts sehen. Und wenn es ein Bauer wäre, dann hätte er doch bestimmt seinen Trekker vor der Tür geparkt?  …

Vorurteile vs. Klischee

Obwohl unsere Stadt mit knapp 214.000 Einwohnern nicht gerade klein ist, verläuft sich vieles und man hat oft gar nicht das Gefühl, dass es so viele sind. Noch dazu sind rings um Felder, das Meer ist nicht weit, die Berge niedrig – von einer Großstadt sind wir nicht nur vom Gefühl her ewig weit entfernt. Und trotzdem gibt es auch bei uns Unterschiede zwischen der Stadt und den Randgebieten. Wir selbst wohnen auch am Stadtrand und bekommen öfter mal zu hören, dass wir ja schon auf dem Dorf wohnen und da ja alles irgendwie anders wäre. Komplizierter. Schließlich würde man im Dorf doch immer beobachtet!

Nein, wir werden nicht beobachtet (oder wenn, dann nur wenig). Wir wohnen auch nicht auf dem Dorf, sondern am Stadtrand und dort ist es tatsächlich so, dass die Lage entspannter ist. Zwei Kilometer weiter allerdings ist ein Dorf und dort sieht die Lage schon ganz anders aus. Von dort höre ich öfter solche Sätze wie „Der Garten von Familie XY müsste aber auch mal wieder gemacht werden.“ Man schaut auf dem Dorf sehr viel genauer hin, auch wenn das nicht zwangsläufig heißt, dass man mit den Betroffenen selbst redet. Je nach Dorf wird gern geklatscht und getratscht, Gerüchte machen sehr viel schneller die Runde und alle Bewohner werden eingeteilt in Alt-Eingesessene und Zugezogene. Letztere können sich oft nur wirklich in die Gemeinschaft einbringen, wenn sie entweder in die Freiwillige Feuerwehr oder in den Sportverein eintreten. Tut man beides nicht, hat man immer einen gewissen Sonderstatus und gehört nie wirklich dazu.

kuhweide

Für das Dorfleben muss man gemacht sein. Man muss die nett gemeinten Einmischungen ertragen können, genauso wie das Interesse an der eigenen Person oder der Familie. Als wir dieses Haus hier kauften, mussten selbst wir uns umstellen. Früher einmal ein recht bekanntes Haus, meinten nun vor allem die Älteren, dass sie hier auf dem Grundstück ein- und ausgehen könnten, wie sie wollten, denn schließlich waren sie schon lange vor uns da! Inzwischen tut das natürlich keiner mehr, wir lachen darüber und alles ist gut.
Freunde von uns hat es da wesentlich schlechter getroffen. Sie wohnen in Süddeutschland und kauften sich vor gut 3 Jahren ein Haus in dörflicher Lage. Ruhig, idyllisch und wirklich toll gelegen. Leider sind sie nicht die typische Familie, denn wenn beide geschieden sind, in „wilder Ehe“ zusammenleben und beide eigene Kinder haben, bietet das einigen Gesprächsstoff. Nach ca. 2 Jahren wurde es ihnen zu viel und sie zogen um in die „Stadt“. Mit rund 34.000 Einwohnern würde ich Balingen eher eine Kleinstadt nennen, aber sie sind dort glücklich, denn es ist sehr viel anonymer als auf dem Dorf, aber nicht so neutral wie in einer großen Stadt. Und dabei haben sie nicht mal lange suchen müssen, denn dank Internet kann man leicht Balinger Immobilien bei Immonet finden. Und da gibt es wirklich schöne, vor allem auch preiswerte!

Fairerweise muss man natürlich sagen, dass es auch Dörfler in der Stadt nicht zwangsläufig leicht haben. Zu schnell werden sie in eine Schublade gesteckt, denn alle vom Dorf sind ja oft ein bisschen einfältig, oder?
Ich für meinen Teil bin froh, dass wir in der Stadt, aber doch ein Stück weit dörflich leben und würde es gar nicht anders haben wollen. Und du?

1 Kommentar

  1. MestraYllana

    *lach* Ich lerne gerade das totale Gegenteil kennen, ich bin in einem kleinen Dorf einer kleinen Gemeinde aufgewachsen und wohne mittlerweile in der „Großstadt“. Ich persönlich finde es grauenhaft, wie wenig sich hier jeder selbst um seinen Türnachbarn kümmert, alles ist so unpersönlich und ja, ich würde fast sagen feindselig. Anfangs beging ich noch den Fehler, alle freundlich und mit einem Lächeln auf den Lippen zu grüßen, dabei wurde ich meistens schief angesehen, öfters kam es auch vor, dass mir dann ausgewichen wurde.

    Natürlich ist es oft lästig, dass in einem Dorf jeder über jeden Bescheid weiß, aber das ist mir persönlich lieber als diese eiskalte Gleichgültigkeit. =)

    Wie man sieht, jeder wie er es gewohnt ist! ;-)

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