„Der Tod verhandelt nicht“ – Rezension

1994 überfallen mehrere Männer einen Geldtransporter auf Sardininen. Mit ihrer Beute, 10 Milliarden Lire, können sie fast alle unerkannt flüchten, nur einer bleibt verletzt zurück. Gabriele Sanna wird angeschossen und sitzt seitdem im Gefängnis. Über seine Komplizen schweigt er sich allerdings aus. Dies tut er auch dann noch, als er 12 Jahre später vermutet, dass sein Sohn nach Sardinien gereist ist, um seinen Anteil einzufordern. Sanna’s Anwältin beauftragt Privatdetektiv Bacci Pagano mit der Suche von Valentino.
Und obwohl Bacci eher daran glaubt, dass sich Valentino irgendwo weitab von Sardinien aufhält, fährt er hin. Dorthin, wo er seit 20 Jahren Urlaub macht, zu seinem Freund Virgilio Loi nach Tertenia. Schon kurz nach seiner Ankunft merkt er, dass er in ein Wespennest gestochen hat. Er muss sich selbst gar nicht groß um Nachforschungen bemühen, die Ereignisse passieren auch ohne sein Zutun. So hat Bacci auch Zeit, seine Tochter, die er seit 10 Jahre nicht mehr gesehen hat, nach Tertenia einzuladen um sie endlich (wieder) richtig kennenzulernen.
Doch was verbergen die Dorfbewohner  und auch Gabriele Sanna vor ihm? Was hast der schwerreiche Othello Ganci mit der Geschichte zu tun? War er einer der Räuber?

Nach einer kurzen Einführung bzw. Rückblende auf 1994 landet der Leser direkt im Heute. So viel kann ich schon verraten – im Prolog wird nicht verraten, wer damals den Geldtransport überfallen hat. …

Bacci ist kein alltäglicher Privatdetektiv. In seiner Jugend saß er ein paar Jahre wegen Terrorismus im Gefängnis, weil er bei einer Demo eine fremde Pistole zur Seite legen wollte, damit niemand verletzt wird. Er schießt nicht gern, bekommt dann Schuldgefühle. Doch er versucht sich auf der anderen Seite auch sehr unnahbar zu geben – ganz das Klischee eines Detektivs erfüllend. Vor Jahren geschieden hält er von der Ehe und auch von einigen Frauen sowieso nicht mehr viel. Mit seiner Tochter allerdings versucht er nach vielen Jahren wieder Kontakt aufzunehmen und sich ihr anzunähern.
Beide Geschichten fließen ein bisschen nebenher, so dass es sich nicht ausschließlich nur um Valentino’s Geschichte dreht.

Die Schauplätze, die Bruno Morchio beschreibt, sind wunderschön. Man spürt förmlich die Sonne auf der Haut und riecht das frisch geschmorte Ziegenfleisch. Morchio nimmt den Leser mit auf eine Reise, bei dem das Kriminalistische fast ins Hintertreffen gerät und eher „nebenbei läuft“.
Morchio schafft es perfekt, mit wenigen Beteiligten eine komplizierte und verwirrende Geschichte zu konstruieren, die zwar spannend ist, aber sich einfach nur „so eben weg“ liest. Das kann man sowohl positiv, als auch neutral sehen. Mich betrifft beides ein bisschen. Das Buch liest sich toll und in einem Rutsch, ich mochte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Auf der anderen Seite floss die Geschichte aber auch dahin und hat nicht wirklich einen großen Eindruck auf mich bemacht bzw. Eindruck hinterlassen. Im Zusammenspiel mit Baccio’s Tochter und der tollen Umgebung ergab sich ein sehr schöner Roman, der sich sehr gut und flüssig liest und zudem spannend ist.

Wer noch ein bisschen auf seinen Urlaub warten muss und ein spannendes Buch sucht, wird hier sicher genau das Richtige finden!

4/5 Sternen.



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