„Der gefrorene Rabbi“ – Rezension

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Ich muss ehrlich gestehen, dass mir eine Rezension selten so schwer gefallen ist, wie bei diesem Buch.
Bei allen Büchern, die ich zum rezensieren lese, überlege ich ab und an zwischendurch, wieviel Sterne ich denn wohl geben werde. Meist bleibt das relativ stabil oder schwankt mal um einen Stern nach oben oder unten. Beim Rabbi ist das anders. Wenn ich das Buch einzeln bewerten würde, wäre von 1 bis 4 Sternen wohl alles dabei. Aber lest selbst …

Bernie Karp ist ein gelangweilter Jugendlicher, den nichts weiter als TV und Essen interessiert. Eines Tages stößt er auf ein Familiengeheimnis – einen Rabbi, der tiefgekühlt im Keller der Familie lagert. Durch einen Stromausfall taut er auf und erwacht zum Leben bzw. kehrt aus seiner Meditation zurück.
Während Bernie ihn zuerst vor seinen Eltern versteckt, versucht sich der Rabbi einige Zeit später selbst in der Welt zurechtzufinden. Gebildet und trainiert von ständigen Fernsehen gründet der Rabbi das Haus der Erleuchtung. Hier gibt er jedermann und vor allem -Frau Unterrichtseinheiten und bietet sowohl Entspannung als auch Seelenheil.
Bernie unterdessen befasst sich, angestoßen durch den Rabbi, inzwischen mit den jüdischen Lehren und steigt immer tiefer und tiefer in die Materie ein. …

Das Buch teilt sich grundlegend in 2 verschiedene Erzählstränge. Das Heute, das im Jahre 1999 beginnt und die Geschichte des Rabbi Elieser Ben Zephir, die 1890 mit dessen Meditation am See und dem Einfrieren beginnt. Immer abwechselnd wird Kapitel für Kapitel die Geschichte rückblickend bzw. im Heute weitererzählt.
Genauso wechselnd wie die Zeitform fühlte ich mich auch beim Lesen. Während ich die Kapitel der heutigen Zeit am Anfang einfach nur langweilig fand, waren die der Vergangenheit um so spannender. Der Leser erfährt viel über die Geschichte und auch das Leid der damaligen Zeit. Und während es in der Vergangenheit einen Großteil des Buches spannend zur Sache geht, bleibt es in der Gegenwart langweilig. Alles, was passiert, ist zum Großteil vorhersehbar. Der Teil, der es nicht ist, wirkt in sich zwar nicht unglaubwürdig, aber für mich einfach nur Fehl am Platz. So fühlte ich mich auch einen Großteil der Gegenwart nicht wie in einer Geschichte über einen Rabbi, sondern des Buddhismus. Kannte ich doch bisher sämtliche Beschreibungen und Überlegungen, die Bernie durchmacht, nur von da.

Leider schaffte es Steve Stern für mich nicht, die Vergangenheit durchgehend spannend zu halten. So hattte ich ab dem letzten Drittel des Buches das Gefühl, als wollte er endlich zum Ende kommen – so sehr rannte er durch die Geschichte. Nur um sich dann stellenweise wieder in detailreichen Beschreibungen zu verfangen und nicht so richtig vom Fleck zu kommen.

Leider ist jede Vergangenheit irgendwann einmal zu Ende erzählt und kommt im Heute an. An dieser Stelle hätte Steve Stern das Buch beenden sollen und hätte wohl eine schöne Geschichte erzählt. Doch leider musste es weitergehen.
Das Ende kam in jeder Hinsicht überraschend. Einerseits, weil ich es nicht erwartet hätte, andererseits, weil es so gar nicht passt. Ich muss gestehen, dass mich das Buch noch sehr lange nach dem Lesen beschäftigt hat. Allerdings nicht im Positiven, sondern einfach nur wegen dem Ende. Wie kann man ein Buch, was bis dahin mittlerer Durchschnitt war, nur SO beenden? Allerdings sind Geschmäcker ja durchaus verschieden und vielleicht ist es für einen anderen Leser das perfekte Ende….

Der Schreibstil an sich ist durchaus flüssig. Leider ist das Buch gespickt von jiddischen Begriffen, die mir vor allem in der ersten Hälfte des Buches jede Lust am Lesen geraubt haben. Dies liegt vor allem aber auch daran, dass es im Vorab-Exemplar kein Glossar gab, in dem man hätte nachschauen können. Auch das Internet gab nichts her. Doch dafür kann der Autor nichts. Irgendwann werden die Begriffe weniger, ab und an werden sie sogar erklärt. Das macht es leichter. Den Rest überlas ich dann einfach.
Wie bereits oben erwähnt, war mein Unterhaltungsfaktor sehr 2-geteilt. So ist es auch sehr schwer, ein abschließendes Fazit zu finden und auf einen Punkt zu kommen. Ich tue mich schwer damit, dem Buch einfach nur 2 Punkte zu geben, denn ich denke, dass es das eigentlich nicht verdient hat. Deshalb gibt es hier etwas sehr untypisches. Eine Bewertung des Buches in mehreren Teilbereichen:

die ersten 2/3 des Buches:
Vergangenheit: 4 von 5 Sternen
Gegenwart: 2 von 5 Sternen

das letzte 1/3 des Buches:
Vergangenheit: 3 von 5 Sternen
Gegenwart: 1 von 5 Sternen – und den auch nur, weil ich ja mindestens einen Stern vergeben muss.

Rein mathematisch lande ich jetzt bei einem Schnitt von rund 2,5 Sternen. Wenn ich könnte, würde ich 2,5 geben – geht aber nicht. Und da mir das Buch 3 Sterne im Vergleich mit anderen bisher von mir rezensierten Büchern nicht wert ist, werden es doch nur 2 Punkte. Wirklich gutem Gewissen empfehlen kann ich es niemandem.

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