„Der andere Tod“ – Rezension

Max Winther hat alles erreicht. Er hat eine Frau, eine Firma, viel Geld, teure Autos, ein großes Haus und eine Wohnung in Prag. Doch eins hat er nicht mehr – sein Gedächtnis.
Bei einem Brand in seiner Firma wird er schwer verletzt und benötigt mehrere plastische Operationen in den USA, um sein altes Gesicht wieder herzustellen. In all dieser Zeit steht im seine Frau Anouck immer zur Seite. Max bleibt nichts weiter übrig, als sein altes Leben so gut es geht wieder aufzunehmen und zu hoffen, dass die Erinnerung zurückkommt. Doch der Wiedereinstieg nach 2 langen Jahren ist nicht leicht. So muss er feststellen, dass er wohl eigentlich unausstehlich war. Er trank zu viel, er schlug seine Frau, hatte eine oder mehr Affären. Außerdem bekam er regelmäßig große Summen auf sein Konto überwiesen. Warum und wieso weiß er nicht. Ab und an überrennen ihn Bilder von früher, Sachen kommen ihm bekannt vor. Einige Erinnerungen kommen im Nebel zurück, einige bleiben völlig im Dunkeln.
Alles könnte gut werden, wenn da nicht immer wieder neue dunkle Geheimnisse auftauchen würden. Was macht Anouck in einer fremden Wohnung und warum hat sie einen Schlüssel dafür? Warum hat er einen russischen Pass und wer ist der geheimnisvolle Anrufer mit dem russischen Akzent? Seine Therapeutin riet ihm, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Doch er kann nicht …

Was würdest du tun, wenn du dein Gedächtnis verloren hättest? Wie würdest du dich fühlen? Man spürt beim Lesen, dass Anja Jonuleit sich wirklich mit der Thematik auseinandergesetzt hat. Sie schafft es, dass man sich als Leser sofort und ohne Probleme in Max hereinversetzen kann. Verstärkt wird es noch dadurch, dass man die Geschichte aus Max‘ Sicht erlebt.
Das Buch beginnt während Max‘ Aufenthalt in der Rosenstein Clinic in den USA, einige Zeit nach dem Brand. Der Leser erlebt mit, wie Max versucht, wieder Fuß zu fassen und ohne jegliche Erinnerungen weiterzuleben. Und dabei ist es wohl nur natürlich und menschlich, dass er seine Amnesie nicht gleich jedem auf die Nase binden will. Und so lernt er auch zu Hause alles mögliche auswendig. Seine Freunde, seine Firma – einfach alles. Etwa die erste Hälfte des Buches befassen sich zum großen Teil mit der Thematik der Eingewöhnung. Ab und an schechte Träume und Vorahnungen sorgen zwar für interessanten Lesespaß, sind allerdings noch nicht wirklich spannend.
In der 2. Hälfte des Buches überschlagen sich dagegen die Ereignisse. Und während ich noch in der ersten Hälfte glaubte, zu ahnen was nachher passiert, kam nun alles doch ganz anders. Selbst nachdem ich das Buch schon ausgelesen hatte, dachte ich noch darüber nach. „Warum hat er/sie genau das getan? … Aber das passt doch nicht … Aber das reicht doch nicht …“
Auch nach genauerem Nachdenken würde ich nicht sagen, dass es mir beim Lesen kalt den Rücken runterlief. Es war zwar spannend und ich konnte es sehr schwer aus der Hand legen, aber wirklich „gegruselt“ hat es mich nicht. Stören tut mich das überhaupt nicht, denn allein wenn ich als Leser noch nach dem Auslesen über ein Buch bzw. die Geschichte nachdenke und sie auswerte, hat der Autor bzw. die Autorin alles richtig gemacht.

Der Lesespaß wird unterstützt durch die sehr kurz gehaltenen Kapitel. Immer wieder ertappte ich mich dabei zu denken „Noch ein Kapitel und dann geh ich ins Bett…“. Schlussendlich wurden es immer mindestens 5 oder 6. Der Schreibstil ist flüssig und fast ein bisschen malerisch in der Sprache. Wobei ich mich gerade am Anfang immer wieder gefragt habe, ob ein Mann wirklich so denken würde …

Ich bin trotzdem von „Der andere Tod“ begeistert und empfehle es gern weiter. Es liest sich sehr schnell, ist mittelmäßig spannend. Genau das richtige für alle, die gern Krimis lesen, bei denen es aber nicht immer auf jeder Seite nur um Mord und Totschlag gehen muss.

4/5 Sternen.

 

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.