Denken? Schublade!

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Es soll ja immer noch Menschen geben, die sehr viel mehr Wert aufs Äußere als auf alles andere legen. Besonders extrem finde ich es bei (vor allem) älteren Erwachsenen, die oft eine sehr genaue Vorstellung haben, was Kinder tragen dürfen und was nicht. Unser Großer hat zum Beispiel 2 Beanies aus Jersey, die er bei seinen Großeltern nicht mehr tragen darf – schließlich würde er damit ganz furchtbar und wie ein Mädchen aussehen. Das er die Mützen allerdings toll findet, interessiert nicht. Auch bei seiner Dinozacken-Mütze interessiert es sie nicht, denn das arme Kind wäre damit ja total verkleidet und würde wie an Fasching aussehen. Regelmäßig werden wir mit strafenden Blicken bedacht, wie wir unser Kind nur soooooo anziehen können. Schon seit einigen Monaten bin ich wirklich versucht, ihm einfach mal etwas rosanes anzuziehen, um ihnen zu zeigen, wie Mädchensachen wirklich aussehen können – und sei es nur vom Farbton her. Allerdings befürchte ich, dass das nicht so gut ankommen würde.
Selbst im Kindergarten ist man nicht vor irgendwelchen Klischees sicher. Im letzten Jahr bekam eine Freundin den wirklich nett gemeinten Rat der Kindergärtnerin, ihren Sohn doch bitte nicht mehr nur in Strumpfhosen laufen zu lassen, denn das wäre für Jungs einfach unpassend und nicht mehr zeitgemäß. Das das Kind damals gerade erst 2.5 Jahre alt war, interessierte niemanden.

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Als Mutter hat man es oft aber auch nicht besser. Kleidet man sich locker und leger, heißt es schnell, dass man nicht auf sich achtet. Läuft man dagegen in High Heels und Kinderwagen durch die Gegend, gilt man je nach Wohngegend als in und hip oder als billig.
Die Liste ließe sich beliebig erweitern und ich glaube, jedem würden aus dem Stand noch spontan so 2 oder 3 Vorurteile einfallen.

Ich gebe zu – auch ich habe ab und an Vorurteile. Es ist aber auch zu leicht, Leute einfach nur in Schubladen einzuteilen und zu kategorisieren. Allerdings musste ich schon so manches Mal meine Sichtweise korrigieren, finde das aber auch gar nicht schlimm. Eine meiner besten Freundinnen geht zum Beispiel ohne Make-up, Ausgehklamotten und hohen Absätzen nie vor die Tür, sie fühlt sich sonst einfach nicht angezogen. Hätte ich nicht ihre Wohnung übernommen und wir wären so ins Gespräch gekommen – ich hätte sie wohl nie angesprochen, sondern einfach nur für irgend eine komische Tussi gehalten. Oder ein anderer Bekannter von uns – er kleidet sich schon sehr speziell, hat einen recht eigenen Namen und als ich ihn das erste Mal sah, hätte ich sehr viel dafür verwettet, dass er mit Frauen so gar nichts anfangen kann. Das dachte ich wirklich, aber nur so lange, bis ich seine Frau kennenlernte, die übrigens völlig normal rumläuft und den Stil ihres Mannes toll findet.
Überhaupt habe ich manchmal so den Eindruck, dass die größten Missverständnisse und Schubladen immer mit Schuhen zusammenhängen. Trägt man Birkenstock, landet man bei vielen in der Öko-Schublade. Absatz je höher, desto besser? Tussi, eindeutig! Sandalen mit weißen Tennissocken? Das kann nur ein deutscher Urlauber sein. Weiße Schuhe dagegen offenbaren angeblich ein recht einfach gestricktes Wesen.
Vielleicht ist das einer der Gründe, warum Frau so gern und oft Schuhe kaufen geht – um für jede Eventualität bzw. gegen jedes Vorurteil gerüstet zu sein? Verstehen kann ich es irgendwie , denn auch ich habe gern für jeden Fall ein paar Schuhe parat. Allerdings immer nur ein Paar, nicht gleich 20. ;) Noch dazu ist mir wichtig, dass die Schuhe zu mir passen. Und so ziehe ich halt lieber meine bequemen Turnschuhe an und überlasse hochhackige Schuhe den Frauen, die darin auch laufen können. Ich finde viele Exemplare zwar wirklich toll (die Tamaris High Heels zum Beispiel), aber was nützen sie mir, wenn ich mir damit beim Laufen die Beine breche? Ich bleibe bei meinen Turnschuhen – dunkle Schuhe übrigens, denn das bin einfach ich. Und wenn mich daraufhin jemand in eine imaginäre Schublade steckt, soll er doch damit glücklich werden.

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